Luftverschmutzung beeinträchtigt die psychische Gesundheit

News aus der Forschung zu den psychologischen Auswirkungen der Luftverschmutzung

Zusammenhang zwischen Feinstaub- und psychischer Belastung

03.11.2017 Über den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Störungen des menschlichen Atmungssystems dürfte kaum gestritten werden: Untersuchungen zeigen, dass verschmutzte Luft die Atmung beeinträchtigen und verschiedene Lungenkrankheiten verschlimmern kann.

Auch andere potenzielle Auswirkungen werden untersucht, da Wissenschaftler Verbindungen zwischen toxischer Luft und Fettleibigkeit, Diabetes und Demenz feststellen konnten.

Nun zeigt eine neue in Health & Place veröffentlichte Studie eine Verbindung zwischen der Verschmutzung der Luft mit Feinstaub und Distress (psychologische Belastung):

Je höher der Partikelgehalt in der Luft, so die Studie der Universität Washington, desto größer sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

Die Studie suchte nach einem direkten Zusammenhang zwischen toxischer Luftverschmutzung und der psychischen Gesundheit und stützte sich dabei auf rund 6.000 Befragte aus einer größeren nationalen Längsschnittstudie. Die Forscherinnen und Forscher führten die Daten aus Datenbanken zur Luftverschmutzung und Aufzeichnungen der in ähnlichen Umgebungen wohnenden Befragten zusammen.

Feinstaubpartikel

luftverschmutzung-kind
Bild: Gökhan Yener

Das Team konzentrierte sich dabei auf Messungen von Feinstaubpartikeln - Substanzen, die von Automotoren, Kaminen und Holzöfen produziert werden, sowie von Kraftwerken, die mit Kohle oder Erdgas betrieben werden.

Feinstaub (Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern) wird leicht eingeatmet, kann in den Blutkreislauf aufgenommen werden und gilt als risikoreicher als größere Partikel. Um sich vor Augen zu führen, wie klein Feinstaub ist: Das durchschnittliche menschliche Haar hat einen Durchmesser von 70 Mikrometern.

Der aktuelle Sicherheitsstandard für Feinstaub liegt nach Angaben der U. S. Environmental Protection Agency bei 12 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Zwischen 1999 und 2011, dem in der UW-Studie untersuchten Zeitrahmen, lebten die Befragten in Nachbarschaften, in denen Feinstaub von 2,16 bis 24,23 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen wurde, mit einem Durchschnittswert von 11,34.

Psychologischer Distress u. Feinstaubbelastung

Die für die UW-Studie relevanten Fragen untersuchten Traurigkeit, Nervosität, Hoffnungslosigkeit und ähnliche Gefühle bzw. Emotionen und bewerteten diese auf einer Skala, um den psychologischen Distress zu bewerten.

Die Studie ergab, dass das Risiko psychologischer Belastung zusammen mit dem Feinstaubgehalt der Luft zunahm.

So waren beispielsweise in Gebieten mit hoher Umweltbelastung (21 Mikrogramm pro Kubikmeter) die psychologischen Belastungswerte um 17 Prozent höher als in Gebieten mit geringer Umweltbelastung (5 Mikrogramm pro Kubikmeter).

Die Forscher kontrollierten andere physische, verhaltensbedingte und sozioökonomische Faktoren, die die psychische Gesundheit beeinflussen können, wie chronische Krankheiten, Arbeitslosigkeit und übermäßigen Alkoholkonsum - trotzdem blieben die Befunde signifikant.

Rasse und Geschlecht

Wurden die Daten nach Rasse und Geschlecht aufgeschlüsselt, zeigten dunkelhäutige Männer und weiße Frauen den deutlichsten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und psychischen Belastungen: So war die psychologische Belastung bei dunkelhäutigen Männern um 34 Prozent höher als bei weißen Männern und um 55 Prozent höher als bei Latino-Männern.

Ein auffälliger Trend (Anstieg der psychischen Belastung um 39%) konnte ebenfalls bei weißen Frauen festgestellt werden.

Warum Luftverschmutzung die psychische Gesundheit, insbesondere bei bestimmten Bevölkerungsgruppen, beeinflusst, übersteigt den Rahmen der Studie, sagte Studienautorin Victoria Sass. Dies sollte in weiteren Studien untersucht werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Washington; Health & Place - DOI: 10.1016/j.healthplace.2017.09.006; Nov. 2017

Studien verbinden Luftverschmutzung mit der Gesundheit der Psyche von Kindern

25.09.2019 Drei neue Studien von Wissenschaftlern des Cincinnati Children's Hospital Medical Center in Zusammenarbeit mit Forschern der University of Cincinnati zeigen den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Gesundheit der Psyche von Kindern.

Angst und Suizidalität

Eine in Environmental Health Perspectives veröffentlichte Forschungsarbeit von Cole Brokamp und Kollegen ergab, dass eine kurzfristige Belastung durch Luftverschmutzung mit einer Verschlimmerung psychiatrischer Erkrankungen bei Kindern ein bis zwei Tage später verbunden war. Dies konnte durch eine verstärkte Inanspruchnahme der Notfallstation für psychiatrische Probleme der Kinderklinik gezeigt werden.

Auch zeigten sich in benachteiligten Stadtteilen lebende Kinder anfälliger für die Auswirkungen der Luftverschmutzung als andere Heranwachsende, insbesondere für Störungen der psychischen Gesundheit im Zusammenhang mit Angst und Suizidalität.

Zwei weitere in Environmental Research veröffentlichte Cincinnati Children's Studien bringen Luftverschmutzung mit der psychischen Gesundheit von Kindern in Verbindung:

Generalisierte Angststörung

Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen der jüngsten TRAP-Exposition (High Traffic Related Air Pollution) und einer größeren Wahrscheinlichkeit für generalisierte Angststörung. Die Forschungsarbeit zeigt höhere Myoinositol-Konzentrationen im Gehirn - ein Marker für die neuroinflammatorische Reaktion des Gehirns auf TRAP.

Depressivität und Angstsymptome

Eine weitere Studie ergab, dass die Exposition gegenüber TRAP im frühen Leben und während der Kindheit signifikant mit selbstberichteter Depressivität und Angstsymptomen bei Zwölfjährigen verbunden war.

Ähnliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit wurden von Erwachsenen berichtet, aber psychologische Forschung, die klare Zusammenhänge zwischen TRAP-Exposition und der psychischen Gesundheit bei Kindern zeigt, war bislang begrenzt.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Environmental Health Perspectives - https://doi.org/10.1289/EHP4815

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Weitere Forschungsartikel, News

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter