Stressoren und Resilienz

Biologische Psychologie - Gesundheitspsychologie

Forschung, News zu psychologischen, sozialen und anderen Stressoren und der Resilienz - der psychischen Widerstandsfähigkeit bzw. der Fähigkeit, Stress und Krisen zu bewältigen / zu lösen ohne mental Schaden zu nehmen.

Beziehung zwischen psychosozialen Stressoren und psychiatrischer Resilienz bei Überlebenden einer Katastrophe

12.06.2020 Was einen nicht umbringt, macht einen stärker - diese Behauptung wird so allgemein akzeptiert, dass sie in Alltagsgesprächen bis hin zu den Top 40 der Pop-Charts als Binsenweisheit angesehen wird.

Was einen nicht umbringt, macht einen stärker?

Doch eine in The British Journal of Psychiatry veröffentlichte psychologische Studie hat ergeben, dass dies wohl falsch ist.

Tatsächlich legen die psychologischen Befunde nahe, dass das Gegenteil wahr zu sein scheint: Vorherige Stressoren sensibilisieren die Menschen für zukünftige Psychotraumata und erhöhen dadurch ihre Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung zu entwickeln.

Das Team um Cristina A. Fernandez von der Brown untersuchte die Resilienz von 1.160 Chilenen in den Jahren 2003 und 2011 - sowohl vor als auch nach dem sechststärksten registrierten Erdbeben und dem anschließenden Tsunami, der 2010 über deren Land hereinbrach.

Als die Studie 2003 begann, hatte keiner der Teilnehmer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder schwere depressive Störung in der Vorgeschichte. Nach dem Erdbeben von 2010 wurde bei 9,1% der Überlebenden eine PTBS und bei 14,4% eine klinische Depression diagnostiziert.

PTBS und Depression


Bild: George Hodan

Das Risiko für die Entwicklung einer oder beider psychischen Störungen war besonders hoch bei Personen, die vor der Katastrophe mehrere Stressfaktoren aufwiesen, wie z.B. schwere Krankheit oder Verletzung, Tod eines geliebten Menschen, Scheidung, Arbeitslosigkeit oder finanzielle Schwierigkeiten, rechtliche Probleme oder Verlust eines wertvollen Besitzes.

Um ein erhöhtes Risiko für PTBS nach einer Katastrophe zu haben (im Vergleich zu Personen ohne Stressoren), mussten die Personen eine "Schweregrad-Schwelle" von vier oder mehr Stressoren vor der Katastrophe überschritten haben.

Depression zeigte ein leicht unterschiedliches Muster: Jeder Stressor vor einer Katastrophe - selbst ein einziger Stressor - erhöhte das Risiko einer Person, nach einer Katastrophe eine Depression zu entwickeln, und jeder zusätzliche Stressor erhöhte das Risiko weiter.

Die Forscher sagen, dass beide Ergebnisse insgesamt darauf hindeuten, dass die chilenischen Katastrophenüberlebenden, die mehrere Stressoren und Traumata erlebt hatten, weniger resilient waren und ein höheres Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung nach der Katastrophe als diejenigen hatten, die zuvor nur wenige oder keine Stressoren erlebten.

Im Gegensatz zur "Hypothese einer Stressimpfung" deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Auftreten mehrerer Stressoren die Resilienz verringert bzw. die Anfälligkeit für die Entwicklung von PTBS und/oder Depression nach einer Naturkatastrophe erhöht, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The British Journal of Psychiatry (2020). DOI: 10.1192/bjp.2020.88

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