Intelligenz und Luftverschmutzung

Psychologie-Lexikon - Intelligenz

Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten, neurodegenerativen Erkrankungen und Luftverschmutzung

28.08.2018 Eine im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Forschungsarbeit hat einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und einem kognitiven Rückgang bzw. Einbußen bei der Intelligenz entdeckt.

Die meisten Menschen wissen, dass Luftverschmutzung körperliche Beschwerden verursachen kann, insbesondere solche, die mit der Lunge verbunden sind, aber neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sie auch psychische bzw. intellektuelle Schäden verursachen kann.

Dosis-Wirkungs-Beziehung

Xin Zhang, Xi Chen und Xiaobo Zhang von den Universitäten Beijing Normal, Yale und Peking analysierten die Daten von 25.000 Menschen, die in 162 Bezirken in China leben, auf ihr mathematisches und verbales Abschneiden in Intelligenz-Tests und verglichen die Intelligenzscores in Verbindung mit den Luftverschmutzungsbedingungen. Die Forscher bemerkten, dass die Intelligenztests bei Personen beider Geschlechter aller Altersgruppen durchgeführt wurden.

Die Befunde zeigten, dass je höher das Ausmaß der Luftverschmutzung, desto schlechter waren die Testergebnisse im Durchschntt, im Verlaufe des Älterwerdens.

Männer mit geringerer Bildung

luftverschmutzung-kind
Bild: Gökhan Yener

Die größten Auswirkungen gab es bei den Männern, vor allem bei Personen mit geringerer Bildung. Die Forscher sehen die Ursache darin, dass weniger gebildete Männer in China häufiger im Freien arbeiten und somit stärker der verschmutzten Luft ausgesetzt sind.

Die Tatsache, dass der Rückgang der Intelligenz im Laufe der Zeit als progressiv angesehen werden kann, ist ein starker Indikator dafür, dass die Luftverunreinigung die Ursache ist und nicht andere Quellen, schreiben die Wissenschaftler.

Sie legen nahe, dass ihre Ergebnisse zusätzliche Hinweise auf eine langfristige Belastung durch Luftverschmutzung liefern, die zu einem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten führt. Sie fanden auch Hinweise auf einen Anstieg der Häufigkeit neurodegenerativer Erkrankungen.

Ursachen

Sie können sich allerdings derzeit nicht vorstellen, wie die Verschmutzung der Luft die Intelligenz mindern und einen kognitiven Verfall verursachen könnte, schlagen aber vor, dass sie einen Einfluss auf die weiße Substanz im Gehirn haben könnte, wenn man bedenkt, welche Rolle sie bei der Koordination der Kommunikation zwischen den Gehirnregionen spielt.

Auch ist nicht klar, welche Luftverschmutzungskomponenten schuld sein könnten. In ihrer Studie testeten die Forscher nur Stickstoff, Schwefeldioxid und Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern. Es wurden also eine Reihe von Luftverschmutzern wie Kohlenmonoxid, Ozon und größere Feinstaubpartikel ausgelassen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Proceedings of the National Academy of Sciences - DOI: 10.1073/pnas.1809474115

Verbindung zwischen verschmutzter Luft und Beeinträchtigungen der Intelligenz bei Kindern

21.11.2018 Britische Kinder mit intellektuellen Beeinträchtigungen leben eher als ihre Altersgenossen in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung laut einer im Journal of Intellectual Disability Research veröffentlichten Studie.

Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse der Daten aus der Millennium Cohort Study des Vereinigten Königreichs, einer national repräsentativen Stichprobe von mehr als 18.000 britischen Kindern, die in den Jahren 2000 bis 2002 geboren wurden.

Schadstoffe in der Luft

Im Altersdurchschnitt lebten Kinder mit Beeinträchtigungen der Intelligenz zu

Die Autoren stellen fest, dass intellektuelle Behinderungen häufiger bei Kindern vorkommen, die in sozial und wirtschaftlich benachteiligten Gebieten leben, in denen die Luftverschmutzung tendenziell höher ist; die Belastung durch Luftverschmutzung im Freien kann jedoch die kognitive Entwicklung behindern und damit das Risiko für eine intellektuelle Beeinträchtigung erhöhen, schreibt der Studienautor Dr. Eric Emerson von der Universität Sydney in Australien.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Intellectual Disability Research - https://dx.doi.org/10.1111/jir.12561

Weitere News aus der Forschung

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter