Intelligenz und Musik

Psychologie-Lexikon - Intelligenz und Musik

Musik(ausbildung) macht nicht intelligenter

Laut einer neuen Studie der Harvard University gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Erlernen eines Musikinstruments (bzw. einer Musikausbildung) und der Steigerung des IQ.

Der Mythos, dass eine Musikschulung auch die Intelligenz steigert, beruht auf einer Studie aus den 90ern des letzten Jahrhunderts, deren Befunde jedoch nicht reproduziert werden konnten. Doch dieses Resultat, von den Forschern als 'Mozart-Effekt' betitelt, fand seinen Weg in die Köpfe der Allgemeinheit.


Bild: Gerd Altmann

Seitdem gab es viele Versuche einen Zusammenhang zu finden, aber nur fünf, die einem wissenschaftlichen Anspruch nach dem Gold-Standard (randomisierte Doppelblind-Studien) genügten. Und keine dieser fünf Versuchsstudien erbrachte einen bedeutenden statistischen Beleg für einen Zusammenhang zwischen Musikunterricht und der Intelligenz des Schülers.

Deshalb starteten Samuel Mehr von der Harvard Universität und Kollegen eine weitere Studie. In zwei Versuchen wurden insgesamt 74 vierjährige Kinder auf zwei Gruppen aufgeteilt, in denen die eine Hälfte Musikunterricht erhielt, die andere nicht. Vorher und danach wurde die Intelligenz bzw. kognitive Fähigkeiten (Wahrnehmung, Mathematik, Wortschatz und räumliche Vorstellung) gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass Musikunterricht keine nennenswerte Auswirkung auf die kognitiven Fähigkeiten bzw. Intelligenz hatte.

Trotzdem gibt es natürlich gute Gründe für einen Musikunterricht, betonen die Forscher. Doch, die Intelligenz verbessert bzw. erhöht er wohl nicht.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Harvard University, Dez. 2013

Musikunterricht macht Kinder wohl doch nicht intelligenter: neue Studie

30.07.2020 Laut einer in Memory & Cognition veröffentlichten psychologischen Studie hat eine musikalische Ausbildung keinen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten der Kinder, wie z.B. Intelligenz (IQ), Gedächtnis und akademische Leistungen, wie z.B. Mathe, Lesen oder Schreiben.

Frühere Forschungsstudien untersuchten einen möglichen Kausalzusammenhang zwischen Musikunterricht und einer verbesserten kognitiven und akademischen Leistung und kamen zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen, wobei einige davon ausgingen, dass es einen Zusammenhang zwischen Musikunterricht und besserer kognitiver und schulischer Leistung geben könnte, während andere nur wenig Wirkung fanden.

Die Forscher Giovanni Sala von der Fujita Health University, Japan, und Fernand Gobet von der London School of Economics and Political Science, Großbritannien, untersuchten bestehende experimentelle Belege hinsichtlich der Auswirkungen eines musikalischen Trainings auf die nicht-musikalischen kognitiven Fähigkeiten und schulischen Leistungen (gemeinhin als Intelligenz deklariert) von Kindern.

Die Autoren analysierten Daten aus 54 früheren Studien, die zwischen 1986 und 2019 durchgeführt wurden, mit insgesamt 6.984 Kinder.

Sie stellten fest, dass eine Musikausbildung offenbar nicht wirksam zur Verbesserung der Intelligenz bzw. kognitiven oder akademischen Fähigkeiten beiträgt, unabhängig von der Art der Fähigkeiten (wie verbale, nonverbale Intelligenz usw.), dem Alter der Teilnehmer und der Dauer des Musiktrainings.

Beim Vergleich der einzelnen Studien in ihrer Metaanalyse fanden die Autoren heraus, dass Studien mit qualitativ hochwertigem Studiendesign, wie z.B. solche, die eine Gruppe aktiver Kontrollkinder verwendeten (Kinder, die kein Musikinstrument lernten, sondern stattdessen eine andere Fertigkeit wie Tanz oder Sport), keinen Effekt von Musikunterricht auf die kognitive oder akademische Leistung zeigten.

Geringe Effekte wurden in (minderwertigen) Studien ohne Kontrollen gefunden, oder die die Teilnehmer nicht randomisiert in Kontrollgruppen (solche, die ein anderes oder kein Training erhielten) und Interventionsgruppen (solche, die Musikunterricht erhielten) unterteilten.

Giovanni Sala fasst zusammen: Unsere Studie zeigt, dass die verbreitete Vorstellung, dass 'Musik Kinder intelligenter macht', falsch ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Memory & Cognition 2020. DOI: 10.3758/s13421-020-01060-2

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