Empathie, Einfühlungsvermögen und Leiden

Training der Empathie kann die Resilienz des Gehirns gegenüber dem Leiden anderer verstärken

24.06.2018 Wenn Familienmitglieder, Freunde oder auch Fremde eine schlimme Zeit durchmachen oder Tiere leiden müssen, kann dies für uns selbst auch sehr belastend sein.

Aber was wäre, wenn wir uns, genau wie die Stärkung eines Muskels oder das Erlernen eines neuen Hobbys, dazu trainieren könnten, angesichts des Leidens anderer mitfühlender und ruhiger zu sein?

Empathie-Meditationstraining

Dies ist die Frage hinter einer neuen Studie der Universität Wisconsin-Madison, und die Befunde legen nahe, dass zwei Wochen Empathie-Meditationstraining - bewusst positive Wünsche kultivieren, um das Leiden anderer zu verstehen und zu lindern - die psychische Belastung beim Erleben der Leiden anderer verringert bzw. die Resilienz verbessert.

Es kann auch die Fähigkeit und Wahrscheinlichkeit verbessern, mit Mitgefühl zu reagieren.

Meditation vs. Aufarbeitungstraining

Für die Studie wurden 24 Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip entweder 30 Minuten Meditation (mit Fokus auf Einfühlungsvermögen) oder Aufarbeitungstraining (Neuinterpretation von persönlich belastenden Ereignissen, um negative Emotionen zu verringern) jeden Tag für zwei Wochen.

empathie
Bild: Gerd Altmann

Die Empathie-Meditationsgruppe visualisierte leidende Menschen und nahm dabei ihre eigenen persönlichen Reaktionen in einer ruhigen und unvoreingenommenen Weise wahr.

Sie konzentrierten sich auf einen geliebten Menschen, auf sich selbst, auf einen Fremden und auf jemanden, mit dem sie Konflikte hatten, und imaginierten auch, sich um den anderen zu kümmern und ihm helfen zu wollen.

Bei beiden Gruppen wurden die Gehirne gescannt - bevor und zwei Wochen nach dem Training.

Im Gehirnscanner sahen die Teilnehmer vor und nach zwei Wochen Training neutrale Bilder von Fremden sowie emotional aufrüttelnde Bilder von leidenden Menschen - wie ein Brandopfer oder ein weinendes Kind. Sie wurden angewiesen, wie gewohnt auf die Bilder zu reagieren und ihr neues Training zu nutzen.

Zum Beispiel übten Leute in der Empathie-Trainingsgruppe Mitgefühl für die Menschen auf den Bildern zu praktizieren, mit Gedanken wie: "Möge diese Person glücklich werden und frei von Leiden sein". Die Neubewertungsgruppe hat die Situation umbewertet: "Diese Person ist ein Schauspieler und leidet nicht wirklich."

Hinschauen oder Wegschauen

Die Forscher benutzten Eye-Tracking-Techniken, um aufzuzeichnen, wo die Menschen die meiste Zeit im Bild hinschauten, sei es auf Bereiche des Bildes, die negativer waren - wie die Gesichter der Leidenden - oder auf weniger emotional aufgeladenen Teilen des Bildes.

Empathisch Trainierte schauten direkter hin

Sie verglichen dies auch damit, wie lange jeder Teilnehmer auf die sozial relevanten Bereiche neutraler Bilder, wie das Gesicht einer Person, die eine Straße entlanggeht, blickte.

Das Forscherteam fand heraus, dass die Empathie-meditierenden Teilnehmer mehr dazu neigten, das Leiden in den negativen Bildern direkter zu betrachten im Vergleich zu den neutralen Fotos.

Geringere Aktivität in Hirnbereichen emotionalen Stresses

Sie zeigten auch weniger Aktivität in den Amygdala-, Insula- und orbitofrontalen Cortex-Bereichen des Gehirns, die normalerweise bei emotionalen Stress aktiver sind, was zu einer Vermeidungsreaktion und einem abgewandten Blick führen kann.

Dieser Befund war in der Aufarbeitungsgruppe nicht zu beobachten, und die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Empathie ein Mechanismus sein könnte, durch den Menschen angesichts des Leidens ruhiger werden können, schreiben die Psychologen.

Empathische Meditation verlangsamt die Dinge

Empathische Meditation verlangsamt die Dinge, und die Menschen lernen ruhiger zu sein, die aufkommenden Gefühle wahrzunehmen und weniger reaktiv zu sein, schreibt Studieautorin Helen Weng.

Das gibt einem mehr Raum, sich auf die andere Person zu konzentrieren, Freundlichkeit zu üben und zu wollen, dass es anderen gut geht, und sie denkt, dass beide Teile wirklich wichtig sind, um effektiv auf das Leiden der Menschen zu reagieren.

Obwohl die Ergebnisse spannend sind, sagt Weng, ist eine größere und differenziertere Stichprobe von Personen in einer weiteren Studie wichtig.

Die Studie wurde auch mit Menschen durchgeführt, die noch nie zuvor meditiert hatten, und es ist noch nicht klar, ob es ausgeprägtere Ergebnisse bei Menschen gäben würde, die bereits erfahren in der Meditationspraxis des Einfühlens haben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Frontiers in Psychology (2018). DOI: 10.3389/fpsyg.2018.00771

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