Wenn Empathie negative Folgen hat

Empathische Menschen können von Außenstehenden negativ gesehen werden - es hängt vom Ziel der Empathie ab

28.10.2020 Wollen wir, dass die Menschen immer Einfühlungsvermögen (Empathie) zeigen? Eine im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte psychologische Forschungsarbeit legt nahe, dass, obwohl Empathie oft als eine Tugend dargestellt wird, empathische Menschen nicht unbedingt immer wohlwollend betrachtet werden.

Die psychologische Forschung über Empathie konzentriert sich in der Regel auf das Verständnis ihrer Auswirkungen auf empathische Menschen und empathische Ziele.

Wer die Empathie erhält?

empathie

Über die Auswirkungen der Empathie über ihren dyadischen Kontext (Zweierbeziehung) hinaus ist jedoch wenig bekannt. Aus einer extradyadischen Perspektive (also von Beobachterstelle aus gesehen) haben die Psychologen untersucht, wie Beobachter empathische Personen bewerten.

Sieben Experimente dokumentieren, dass die Bewertung der Empathie zeigenden Menschen durch die Beobachter vom Ziel der Empathie abhängt.

So wurden die einfühlenden Personen (Empathen o. Empathisanten genannt) - vs. Nicht-Empathisanten - einer belastenden Erfahrung mehr respektiert/gemocht, wenn das Ziel der Empathie positiv gesehen wurde (z.B. Mitarbeiter im Kinderkrankenhaus; Impfbefürworter), aber nicht, wenn das Ziel negativ war (z.B. weißer Rassist; oder ein Impfgegner).

Empathisierende Personen wurden mehr respektiert/gemocht, wenn sie auf ein positives Ziel reagierten, das eine positive Erfahrung (d.h. eine persönliche Leistung) offenbarte, aber weniger, wenn sie auf ein negatives Ziel reagierten, das eine positive Erfahrung offenbarte.

Diese Effekte waren teilweise, aber nicht ausschließlich, auf die Positivität empathischer Reaktionen zurückzuführen.

Empathie im Auge des Beobachters

Empathie (vs. Verurteilung) gegenüber einem negativen Ziel auszudrücken, führte zu weniger Respekt/Liebe, wenn die offenbarte Erfahrung mit der Quelle der Zielvalenz verbunden war (d.h. Stress durch den Job des weißen Rassisten), aber zu mehr Respekt/Zuneigung, wenn die Erfahrung nicht mit der Quelle der Zielvalenz verbunden war (d.h. Stress durch Krebs).

D.h.: Die Teilnehmenden der Studie mochten und respektierten den Empathen, aber nur dann, wenn die Person, der die Empathie galt, auch gefiel. Wenn der Empathie-Empfänger nicht gemocht wurde (weißer Rassist oder Impfgegner), mochten und respektierten die Teilnehmer den Empathen nicht mehr so sehr. In einigen Studien zogen die Teilnehmer es sogar vor, dass der Empath den Akteur eher verurteilte als sich in ihn einzufühlen.

Insgesamt wurden Empathen als wärmer empfunden - aber in geringerem Maße, wenn sie auf ein negatives Ziel empathisch reagierten. Diese psychologischen Befunde unterstreichen, wie wichtig es ist, die extradyadische Wirkung von Empathie zu berücksichtigen, und sie legen nahe, dass Menschen zwar oft dazu ermutigt werden, sich in unerwünschte andere Menschen einzufühlen, dass sie dafür aber auch in einem negativeren Licht gesehen werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/pspi0000341

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