Empathie, Einfühlungsvermögen (Schlafstörung; Paracetamol)

Psychologie-Lexikon - Kognitive Psychologie

Forschung und News zum Thema Empathie - rationales Einfühlungsvermögen und emotionales Mitgefühl.

Weniger Mitgefühl durch Schlafstörungen?

22.06.2015 Eine neue Studie legt nahe, dass Schlafstörungen das Einfühlungsvermögen - zumindest bei Dienstleistern im Gesundheitswesen - verringern und so zu ungünstigen klinischen Resultaten und medizinischen Fehlern führen können.

krankenpfleger

Die Ergebnisse zeigen, dass die schlafgestörten Teilnehmer (mehr als 8 auf dem Test ISI), deutlich schlechter bei allen vier Subskalen eines Empathie-Tests abschnitten, sagten die Forscher vom Fachbereich für Psychiatrie vom Penn State College in der Zeitschrift SLEEP.

Untersucht wurden 97 Teilnehmer, vorrangig aus den Berufen: Arzt, Pfleger, Krankenschwester, Apotheker, Röntgen- und Labortechniker.

Die Empathie wurde mit dem Interpersonal Reactivity Index (IRI) über vier Unterskalen gemessen:

Die Schlaflosigkeit wurde mit dem Insomnia Severity Index (ISI) erfasst.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Penn State College, Sleep; Juni 2015

Paracetamol verringert Empathie

11.05.2016 Laut einer in der Zeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlichten Studie der Ohio State University verringert Paracetamol nicht nur die eigenen Schmerzen, sondern auch die Empathie für die körperlichen und psychischen Leiden anderer.

Dämpfung positiver Gefühle

In einer früheren Studie fanden Koautor Baldwin Way und Kollegen vom Fachbereich für Psychologie, dass Paracetamol auch positive Gefühle wie Heiterkeit abstumpfen kann. Andere Studien zeigen eine Verbindung zwischen der Einnahme des Medikaments in der Schwangerschaft und der Entwicklung von ADHS beim Nachwuchs (zur Studie).

In der aktuellen Blind-Studie führten die Forscher Way, Dominik Mischkowski und Psychologie-Professorin Jennifer Crocker zwei Experimente mit 80 Teilnehmern durch. Zu Beginn tranken die Hälfte der Probanden eine Flüssigkeit mit 1.000 mg Paracetamol, während die anderen eine Placebo-Lösung tranken.

Schmerzen

Nach einer Stunde (Einsetzen der Wirkung) lasen die Teilnehmer acht kurze Szenarien, in denen jemand jeweils eine andere Form von mentalen oder körperlichen Schmerzen ertragen musste (z.B. schnitt sich jemand mit dem Messer; oder jemand erlebte den Tod des Vaters).

Die Teilnehmer schätzten den Schmerz jeder Person in den Szenarien ab: von 1 (kein Schmerz) bis 5 (schlimmstmöglicher Schmerz).

Insgesamt schätzten die Teilnehmer, die Paracetamol eingenommen hatten, den Schmerz der beschriebenen Personen als weniger stark ein als diejenigen, die das Placebo bekommen hatten.

Im zweiten Experiment bekamen von 114 Studenten die Hälfte Paracetamol und die andere Hälfte ein Placebo.

Körperliche Schmerzen

In einem Teil dieses Experiments wurden auf die Teilnehmer vier zwei-sekündige Druckwellen 'weißen Rauschens', die sich von 75 bis 105 Dezibel gerichtet. Sie schätzten dann das Ausmaß des jeweiligen Geräuschniveaus auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht unangenehm) bis 10 (äußerst unangenehm) ein.

Sie sollten sich dann vorstellen, wie viel Schmerz dieselben Geräuschdruckwellen bei einem anderen anonymen Studienteilnehmer verursachen würden.

Die Befunde zeigten, dass die Paracetamol einnehmenden Teilnehmer die Schallwellen als weniger unangenehm für sich selbst bewerteten - und annahmen, dass sie für andere ebenfalls weniger unangenehm sein würden.

Paracetamol reduzierte den Schmerz, den sie fühlten, aber es reduzierte auch ihre Empathie für andere, die denselben Lärm erfuhren, sagte Mischkowski.

Schmerz durch soziale Zurückweisung

In einem anderen Teil des Experimentes knüpften die Teilnehmer in kurzen Treffen untereinander Kontakte. Jeder Teilnehmer sah dann (allein) einem Online-Spiel zu, an dem vorgeblich drei der zuvor getroffenen anderen Teilnehmer teilnahmen (die anderen Teilnehmer wurden nicht wirklich beteiligt).

Im "Spiel" schlossen zwei der vom Teilnehmer bekannten Personen die dritte Person von der Aktivität aus.

Die Teilnehmer wurden dann gebeten, Schmerz und Gefühle des Ausgeschlossenen einzuschätzen.

Auch hier schätzten die Paracetamol einnehmenden Probanden Schmerz und Gefühle des ausgeschlossenen Studenten als nicht so schwer ein wie die Teilnehmer, die ein Placebo erhalten hatten.

In diesem Fall hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich in das Leiden von jemandem hineinzuversetzen, von dem sie annahmen, dass er/sie eine sozial schmerzhafte Erfahrung durchmachte, sagte Way.

Und doch zeigten diejenigen, die das Paracetamol eingenommen hatten, eine Reduktion der Empathie. Sie waren nicht so besorgt um die verletzten Gefühle der zurückgewiesenen Person.

Die Forscher wollen nun untersuchen, wie Paracetamol Emotionen und Verhalten beeinflussen kann. Außerdem untersuchen sie, ob ein anderes Schmerzmittel - Ibuprofen - ähnliche Wirkungen hat.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ohio State University, Social Cognitive and Affective Neuroscience; Mai 2016

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