Der freie Wille; Willensfreiheit (Psychologie)

Allgemeine Psychologie

Der Glaube an den freien Willen und die Selbstwahrnehmung

19.06.2016 Eine in der Zeitschrift Social Psychological and Personality Science veröffentlichte Studie der Texas A&M Universität untersuchte, ob der Glaube oder Nichtglaube an einen freien Willen das Gefühl von Authentizität / die Selbstwahrnehmung beeinflusst.

Wichtige psychologische Folgen

Ob man nun annimmt, dass wir einen freien Willen haben, oder dass wir durch soziale Einflüsse oder andere Formen des Determinismus (Auffassung, dass alles durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt ist) bestimmt werden: Der Glaube an den freien Willen hat tatsächlich wichtige Folgen, sagte Studienleiterin Elizabeth Seto vom Fachbereich für Psychologie.


Bild: Peggy und Marco Lachmann-Anke

Frühere Studien haben gezeigt, dass ein gering ausgeprägter Glaube an die Willensfreiheit zu einem erhöhten Auftreten von Betrug, Aggression und Konformität, und verringerten Gefühlen der Dankbarkeit führen kann.

Selbstentfremdung und Selbstwertgefühl

Andere Forschungsstudien zeigten, dass es eine Verbindung zwischen dem Gefühl der Selbstentfremdung und verstärkter Angst, Depression und Entscheidungsunzufriedenheit gibt. Andererseits beeinflusst das Wissen um das wahre Selbst positiv das Selbstwertgefühl und das Gefühl der Bedeutung des eigenen Lebens.

Um das Gefühl der Willensfreiheit zu beeinflussen, wurden fast 300 Teilnehmer zufällig verschiedenen Gruppen zugewiesen. Sie sollten dann über Erfahrungen schreiben, die einen freien Willen widerspiegelten oder einen Mangel an Willensfreiheit zeigten. Anschließend wurden ihnen bestimmte Fragen gestellt, um ihre Selbstwahrnehmung zu erfassen.

Diejenigen, deren Glaube an die Willensfreiheit geschwächt wurde, zeigten tatsächlich stärkere Gefühle der Selbstentfremdung und ein geringeres Selbstwertgefühl.

Gefühl der Authentizität

In einer Anschlussstudie wurden Teilnehmer der gleichen 'Manipulation der Willensfreiheit' unterzogen. Sie bekamen dann Geld geschenkt und sollten eine Wahl treffen: Sie konnten das Geld für sich behalten oder es für wohltätige Zwecken spenden. Nachdem sie ihre Entscheidung trafen, wurden sie von den Forschern zu ihrer Authentizität befragt.

Die Teilnehmer in der Gruppe mit dem geringeren Glauben an die Willensfreiheit berichteten über ein geringeres Gefühl der Authentizität als ihre Kollegen mit dem stärkeren Glauben an den freien Willen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass ein Teil des Seins, wer man ist, einen Sinn darin erfährt, wenn man ein Gefühl von Kontrolle über die Handlungen und Resultate im Leben hat, sagt Seto. "Wenn Menschen diese Gefühle erfahren können, können sie ihrem wahren Selbst oder Kern näher kommen."

Sie will als nächstes untersuchen, welchen Einfluss dies auf unmoralische Handlungsweisen haben kann.

"Wenn wir erleben oder einen geringen Glauben an die Willensfreiheit haben und 'keinen Kontakt' dazu haben, wer wir sind, kann dies unsere Moraleinstellungen beeinträchtigen", sagte Seto. "Das ist besonders wichtig, wenn wir die Lebensqualität für Individuen und die Gesellschaft verbessern wollen."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Texas A&M Universität, Social Psychological and Personality Science - DOI: 10.1177/1948550616653810; Juni 2016

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