Lernen und Gedächnis: Gruppenarbeit

Psychologie-Lexikon

Psychologie der kollaborativen Hemmung

21.09.2016 Eine neue in Psychological Bulletin veröffentlichte Studie von Psychologen der Universitäten Liverpool und Ontario untersuchte die Wirksamkeit von Gruppenarbeit beim Lernen und Abruf des Gelerntem aus dem Gedächtnis.

Dr. Craig Thorley und Dr Stéphanie Marion vom Fachbereich für Psychologie analysierten 64 Studien zur Gruppenarbeit und dem Abruf von Erinnerungen.

Gruppenarbeit kann den Lernerfolg verschlechtern

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Bild: OpenClipart-Vectors/pixabay

Sie verglichen zuerst den Abruf von zusammenarbeitenden Gruppen mit dem gepoolten Abruf einer gleichen Anzahl von Personen.

Bestand eine zusammenarbeitende Gruppe z.B. aus vier Menschen, war ihr Recall im Vergleich zu dem von vier Personen, die allein arbeiteten, aber dessen Abruf kombiniert wurde, schlechter. Die Erinnerungsleistung von zusammenarbeitenden Gruppen war konstant niedriger als die Summe der individuellen Abrufe. Dieser Effekt ist als kollaborative Hemmung bekannt.

Abrufstrategien

Die Studie legt nahe, dass kollaborative Hemmung dadurch auftritt, weil Gruppenmitglieder die Abrufstrategien der anderen Gruppenmitglieder stören, wenn sie die Erinnerungen gemeinsam abrufen.

Psychologe Thorley sagte, dass die zusammenarbeitenden Gruppenmitglieder ihre eigenen bevorzugten Abrufstrategien von Informationen haben. Zum Beispiel kann Person A es vorziehen, Informationen in der Reihenfolge zu erinnern, in der sie sie gelernt hat. Person B kann es allerdings vorziehen, sie in der umgekehrten Reihenfolge abzurufen. Doch der Abruf ist am besten, wenn man seine eigene bevorzugte Abrufstrategie verwenden kann.

Gegenseitige Störung der Abrufstrategien

In einer Gruppe hören die Mitglieder, wie die anderen die Informationen abrufen - wobei die Abrufstrategien konkurrieren; die bevorzugten individuellen Abrufstrategien werden gestört und die Gruppe performt insgesamt schlechter.

Individuen, die allein arbeiten, können ihre bevorzugte Abrufstrategie einsetzen, ohne von den anderen gestört zu werden.

Stör-Faktoren

Mehrere Faktoren beeinflussten das Ausmaß, in dem die kollaborative Hemmung auftritt.

Einer dieser Faktoren war: Kollaboration ist für größere Gruppen schädlicher als für kleinere Gruppen.

Ein anderer war: Freunde und Familienmitglieder arbeiten effektiver zusammen als Fremde.

Aber: Zusammenarbeit verbesserte das spätere individuelle Gedächtnis

Die Studie verglich auch den Abruf von Personen, die vorher in einer Gruppe zusammengearbeitet hatten mit dem von Teilnehmern, die vorher allein gearbeitet hatten. Es zeigte sich, dass die Zusammenarbeit in einer Gruppe den späteren individuellen Abruf erhöhte.

Die Psychologin Dr. Marion nimmt an, dass in einer Gruppe arbeitende Personen mit Informationen erneut konfrontiert werden, die sie möglicherweise schon vergessen haben und dies verbessert dann das Gedächtnis. Eine der wichtigen Aussagen der Studie wäre dann, dass Gruppenarbeit vorteilhaft ist, um das individuelle Erinnern später zu verbessern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Liverpool und Ontario, Psychological Bulletin - DOI: 10.1037/bul0000071; Sept. 2016

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