Facebook-Psychologie

Medienpsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit dem Einfluss von Facebook auf unsere Psyche/Psychologie beschäftigen. Facebook ist ein soziales Netzwerk, welches 2012 über eine Milliarde registrierte Nutzer hat.

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Facebook: Die Statusmeldungen mancher geben Aufschluss über deren Persönlichkeit

24.05.2015 Psychologen der Brunel Universität London analysierten Facebook Benutzer, um den Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften und Motiven beim Posten bestimmter Status-Updates zu untersuchen.

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Es wurden die Daten von 555 Facebook-Usern gesammelt, die an einer Online-Befragung zu den 'Big Five' Persönlichkeitseigenschaften - Extraversion, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit - sowie den Charakeristika Selbstwertgefühl und Narzissmus, teilgenommen hatten.

Die Forschungsarbeit fand heraus:

Soziale Integration und Ausgrenzung

Psychologiedozentin Dr. Tara Marshall sagte dazu in der Zeitschrift Personality and Individual Differences: "Es scheint wenig überraschend zu sein, dass die Facebook Statusaktualisierungen die Persönlichkeitseigenschaften der Leute widerspiegeln. Es ist jedoch wichtig, zu verstehen, warum sie über bestimmte Themen auf Facebook schreiben, denn ihre Status-Updates werden unterschiedlich mit 'Likes' und Kommentaren belohnt.

Personen, die mehr Likes und Kommentare erhalten, erfahren eher die Vorteile sozialer Integration, während diejenigen, die keine erhalten, sich ausgegrenzt fühlen.

Obwohl die Ergebnisse zeigen, dass Narzissten prahlen, zahlt es sich für sie aus, denn sie bekommen mehr Likes und Kommentare zu ihren Statusaktualisierungen. Es könnte aber auch sein, dass ihre Facebook Freunde höflich Unterstützung anbieten, während sie im Geheimen eine Abneigung gegen solche egotistischen Zurschaustellungen haben.

Es könnte einigen helfen, wenn sie eine größere Sensibilisierung dabei entwickeln würden, wie die Status-Updates von den Freunden wahrgenommen werden, denn dann könnten sie Themen vermeiden, die eher verärgern oder belästigen als dass sie unterhalten, sagte sie.

Das Forscherteam sagte, dass weitere Studien die Reaktionen auf bestimmte Statusthemen untersuchen sollten; wie sympathisch die erscheinen, die sie veröffentlichen; und ob bestimmte Themen ein größeres Risiko beinhalten, 'entfreundet' zu werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Brunel Universität London, Personality and Individual Differences; Mai 2015

Positive Statusmitteilungen rufen eher Freude als Neid hervor

15.06.2015 Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien haben in 2 Forschungsarbeiten untersucht, welche Emotionen durch positive Facebook-Statusaktualisierungen hervorgerufen werden.

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Bild: Gerd Altmann

Viele Medien haben davor gewarnt, dass die überwiegend positiven Posts auf Facebook eher Neid hervorrufen würden. Die Forscherinnen Ruoyun Lin und Sonja Utz unteruchten in einer Online-Umfrage und einem Experiment, ob dem tatsächlich so ist.

Dazu sollten die Teilnehmer die letzten vier Statusupdates in ihrer Facebook-Chronik beurteilen. Es zeigte sich, dass die Facebook-Teilnehmer tatsächlich eher froh als missgünstig waren, wenn ihre Freunde positive Mitteilungen veröffentlichten.

Dabei konnte auch eine Dosis-Wirkungs-Beziehung festgestellt werden: Je positiver die Mitteilung, desto größer war die Freude oder aber auch die Missgunst.

Abhängigkeit von der Beziehungsstärke

Abhängig war die Emotion auch von dem Beziehungsgrad:

"Kam der Beitrag von einem nahestehenden Freund und nicht von einem losen Bekannten, empfanden die Befragten ein höheres Maß an Freude bzw. an gutartigem, motivierendem Neid", erklärte Ruoyun Lin in Computers in Human Behavior.

Facebooknutzer mit wenig Selbstwertgefühl zeigten eher Neid; dies war unabhängig von der Beziehungsintensität zum Absender der Mitteilung.

Die Forscherinnen konnten aber folgendes nicht ausschließen: Die Resultate zum Beziehungsgrad könnten z.B. auch dadurch beeinflusst werden, dass "enge Freunde andere Inhalte als Bekannte (oder der Facebook-Algorithmus wählt andere Inhalte aus)" wählten.

Experiment

Deshalb wurde in einem Experiment allen Facebook-Teilnehmern dasselbe Urlaubsbild gezeigt. Es sollte in diesem Experiment auch zwischen bösartigem und gutartigem Neid differenziert werden.

Die Teilnehmer sollten sich bei dem Foto vorstellen, dass es entweder von einer nahestehenden Person, einem Bekannten oder einer emotional sehr unwichtigen Person käme.

Auch in dieser Studie überwog die Freude, und wenn Neid empfunden wurde, dann gutartiger. Die Emotion war auch hier abhängig von der Beziehungsnähe: Je intensiver die Beziehung, desto größer die Emotion.

Bösartiger Neid trat nur bei chronischen Neidern auf, die aber immer neidisch reagieren: in der Offline-Welt oder auf Facebook; bei einer Mitteilung des guten Freundes oder einer relativ unbekannten Person.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Leibniz-Institut für Wissensmedien, Computers in Human Behavior; Juni 2015

Fördert Facebook eher Empathie oder Egozentrik?

Es wird angenommen, dass das Wachstum der sozialen Netze im Internet die Natur unserer sozialen Beziehungen und wie wir uns präsentieren und wahrnehmen verändert hat. Aber Experten sind sich uneins, ob soziale Medien wie Facebook uns eher egozentrischer (selbstbezogener, selbstzentrierter) oder empathischer (mitfühlender gegenüber anderen) machen.

Ein neue Studie von Tracy Alloway, University of North Florida, untersuchte die Beziehung zwischen erwachsenen Facebook Benutzern im Alter zwischen 18 und 50 und fand eine bunte Mischung: einige Facebook-Features sind eher mit Egozentrik, andere eher mit Empathie verbunden.

Alloway und ihr Team befragten mehr als 400 Personen nach ihren Facebook Verhalten, z.B. wie viele Stunden pro Tag sie auf Facebook verbrachten, und wie oft sie ihren Status aktualisierten. Sie baten die Teilnehmer auch darum, ihr Profilbild zu bewerten: fanden sie sich physisch attraktiv, cool, schön und modisch?

Die Teilnehmer der in Social Networking veröffentlichten Studie waren überwiegend alleinstehend, nutzten Facebook im Durchschnitt zwei Stunden pro Tag und hatten etwa 500 männliche/weibliche Freunde. Die meisten Teilnehmer (89,5%) hatten ein Bild von sich als Profilfoto. Der Narzissmus der Teilnehmer wurde durch einen Standardfragebogen eingeschätzt.

Narzissmus

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Bild: Narziss von Caravaggio

Bei den Männern zeigten nur deren Profilbildbewertungen ein Vorhersagepotential für Narzissmus. Bei den Frauen sagten sowohl deren Profilbewertungen als auch die Häufigkeit ihrer Statusaktualisierungen etwas über ihren Narzissmus aus.

Narzisstische Personen haben eine übertriebene Ansicht hinsichtlich ihrer Attraktivität und wollen sie mit der 'Welt' teilen. Das Profilbild ist der greifbarste Aspekt der Online-Selbstpräsentation eines Benutzers, was es zu einem Prüfstein für Narzissten macht, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

"Jeder Narziss braucht einen reflektierenden Spiegel. Wie bei Narziss, der in den See starrt, um seine Schönheit zu bewundern, sind soziale Netze wie Facebook unser moderner See geworden", sagte Alloway.

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Die Studie zeigte auch, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab.

Während Männer - laut Test - narzisstischer auf Facebook waren, bewerteten narzisstische Frauen ihre Profilbilder als physisch attraktiver, schöner und cooler.

Frauen änderten ihr Profilbild (mindestens einmal alle zwei Monate) auch öfter als Männer (einmal alle drei Monate).

Dies kann bedeuten, dass narzisstische Frauen Facebook eher als einen reflektierenden Spiegel verwenden (als narzisstische Männer dies tun).

Jedoch bemerkte Alloway, dass viele andere Facebook-Aktivitäten nicht mit Narzissmus verbunden waren. "Die Anzahl der Freunde, die sie hatten, selbst wie oft sie Fotos von sich posteten, war nicht mit narzisstischen Tendenzen verbunden", sagte sie.

"Diese Muster besagen: während Facebook ein Werkzeug für Narzissten sein kann, ist es doch mehr als nur ein reflektierender See."

Mitgefühl / Perspektivenübernahme

Außerdem zeigten die Befunde an, dass einige Facebook-Aktivitäten, z.B. Chatten, mit Empathie-Aspekten verbunden waren: so wie ein besseres Abschneiden bei der Perspektivenübernahme - der Fähigkeit, sich in die Position/Situation eines anderen zu versetzen (bei Männern, Frauen erzielten hier weniger Punkte).

Das Fotofeature in Facebook stand auch mit einer verbesserten Fähigkeit bei Männern und Frauen im Zusammenhang, sich in fiktive Situationen hineinzuversetzen.

Aber nur bei Frauen wurde festgestellt, dass das Anschauen von Videos mit dem Ausmaß verbunden war, mit dem sie sich mit der Verzweiflung anderer identifizieren konnten.

Die Studie schließt, dass einige Facebook-Aktivitäten - wie Chatten - einige Aspekte des Einfühlungsvermögens fördern.

Obwohl das Fotofeature mit Narzissmus verbunden war, zeigen die meisten Befunde, dass soziale Netzwerke in erster Linie ein gutes Tool zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Kontakten/Verbindungen sind, als dass sie ein Werkzeug zur Selbstdarstellung sind.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of North Florida/Social Networking, Juli 2014

Studie zur Psychologie der Facebook-Likes

03.05.2017 Laut einer vorläufigen auf der jährlichen Konferenz der British Psychological Society in Brighton vorgestellten Studie der Universität South Wales heben die 'Likes' auf sozialen Netzwerken wie Facebook nicht das psychische Wohlbefinden der Empfänger, und verbessern auch nicht die Stimmung, wenn man betrübt ist.

Studienautor Dr. Martin Graff vom Fachbereich Psychologie befragte insgesamt 340 Teilnehmer über die sozialen Plattformen Twitter und Facebook mit Hilfe von Persönlichkeitsfragebögen. Die Befragten sollten auch zu 25 Aussagen Stellung beziehen, die erfassen sollten, ob der/die Befragte es wertschätzte, in den sozialen Medien durch Likes bestätigt zu werden.

Die Statements waren zum Beispiel: 'Die Aufmerksamkeit, die ich über die sozialen Medien bekomme, tun mir gut' oder 'Ich würde die Beliebtheit von jemandem einschätzen, abhängig davon, wieviel Likes er/sie bekommt'.

Geringe Selbstachtung

Die Analyse zeigte, dass Teilnehmer, die darauf aus waren, mehr bzw. viele Likes zu bekommen (z.B. indem sie andere darum baten oder sie bezahlten), mit größerer Wahrscheinlichkeit eine geringere Selbstachtung hatten und weniger vertrauensvoll erschienen.

Das Gleiche traf auf diejenigen zu, die ihre Beiträge oder ein Bild von sich löschten, wenn sie nicht genug Likes erhielten.

Facebook-Likes verbessern nicht das psychische Wohlbefinden

Die Ergebnisse zeigten auch, dass 'geliked' werden nicht wirklich das psychische Wohlbefinden der Empfänger der Likes verbesserte; sie fühlten sich nicht besser 'in ihrer Haut' und konnten auch nicht davon profitieren, wenn ihre Stimmung unten war.

Graff sagte: Die Proliferation (Wucherung) des Gebrauchs sozialer Medien hat zu genereller Besorgnis über die Effekte auf unsere psychische Verfassung geführt. Obwohl dies eine relativ kleine Skala-Studie ist, zeigen die Ergebnisse, dass die Art und Weise, wie wir mit sozialen Medien interagieren, beeinflussen kann, wie wir uns fühlen - und dies nicht immer positiv, schloss er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität South Wales, British Psychological Society; Mai 2017

Soziale Online-Unterstützung und psychisches Wohlbefinden

11.03.2018 Eine im Fachblatt Journal of Media Psychology veröffentlichte Studie untersuchte das Verhältnis zwischen der Nutzung von Social-Network-Sites (insbesondere Facebook), der Online-Sozialunterstützung und dem psychischen Wohlbefinden.

Dr. Sonja Utz von der Universität Tübingen und Kollegen beobachteten niederländische Nutzer von sozialen Netzwerken über einen längerfristigen Zeitraum (2013 bis 2017) und untersuchten die Auswirkungen verschiedener sozialer Medien.

Soziale Unterstützung

Die Befunde zeigen, dass Facebook vor allem zur Freundschaftspflege aufgesucht wird, wobei auf diesem Netzwerk nicht nur "illusorische Freundschaften" gepflegt werden. Denn der Umgang mit den "virtuellen Freunden" bietet den Facebookanwendern auch konkrete psychologische und soziale Vorteile, schreiben die Wissenschaftler.

So berichteten die Facebook-Befragten eher als Nichtnutzer, sie hätten online soziale Unterstützung erhalten.

Die Menge der sozialen Unterstützung hing davon ab, wie sehr die Nutzer danach fragten - je mehr sie fragten, desto mehr erhielten sie.

Langfristig führte dies zu einem sich verstärkenden Effekt. Waren Facebook-User schon mal sozial unterstützt worden, baten sie später (nach einem halben Jahr) auch eher ihre Facebookfreunde um Hilfe.

Stress / psychisches Wohlbefinden

Die Nutzung des sozialen Freunde-Netzwerks über eine längere Zeit war auch nicht mit mehr Stress oder einem geringeren psychologischen Wohlbefinden (Lebenszufriedenheit) verbunden.

Die in früheren Studien gezeigte Verknüpfung zwischen der Facebooknutzung und dem psychischen Wohlbefinden konnte die aktuelle psychologische Forschungsarbeit also nicht bestätigen.

Allerdings steigerte die erhaltene soziale Unterstützung nicht automatisch die Lebenszufriedenheit.

LinkedIn

Ein Nebenergebnis der Studie zeigte, dass Business-Netzwerke wie LinkedIn den Nutzern scheinbar Informationsvorteile im beruflichen Kontext brachten, wobei eine aktive Netzwerknutzung und Aufbau des sozialen Netzes besonders wichtig seien.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Tübingen; Journal of Media Psychology - http://econtent.hogrefe.com/doi/full/10.1027/1864-1105/a000222

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