Facebook-Psychologie

Medienpsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit dem Einfluss von Facebook auf unsere Psyche/Psychologie beschäftigen.

Lesen, Schreiben und ... Facebook?

Soziale Medien während der Unterrichtszeit

Eine neue Studie zeigt, dass etwa 94 Prozent der israelischen High-School-Schüler auf soziale Medien (Facebook und YouTube) über ihre Telefone während der Unterrichtszeit zugreift.

Forscher der Universität von Haifa sagten, dass nur 4 Prozent der Schüler berichteten, ihre Mobiltelefone überhaupt nicht während der Unterrichtszeit zu gebrauchen.

Häufigerer Gebrauch bei strengen Lehrern

Die Forscher stellten auch fest, dass in Klassen mit freizügigeren Lehrern der Gebrauch der Mobiltelefone niedriger war, als in Klassen, in denen der Lehrer eine strenge Disziplin verlangte.

Internetsurfen, Musik, Fotos, Spiele, SMS

"Die Schüler benutzten ihre Smartphones auf verschiedene Art: um im Internet zu surfen auf soziale Medien wie Facebook zuzugreifen, um Musik zu hören, um Fotos zu machen, Spiele zu spielen, und Textnachrichten (SMS) und Fotos zu versenden", sagten die Forscher.

"Auf Grundlage unserer Befunde gibt es fast keinen Moment während der Unterrichtszeit, in der ein Schüler nicht sein Handy benutzt".

Die Studie, durchgeführt von Dr. Itai Beeri, University of Haifa's School of Political Sciences, beinhaltete 591 Schüler der Klassen 9-12 und 144 Lehrer verschiedener Fächer von drei israelischen Schulen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Haifa, Dez. 2012

Facebook: Selbsthilfe und Selbsttherapie

Wenn man in Facebook über sich schreibt ist dies nicht (immer nur) narzisstisch; tatsächlich basiert es auf einer uralten Praxis, die den Menschen dabei helfen kann, sich selbst besser zu verstehen und Dinge auf die Reihe zu bekommen, sagt eine Medienforscherin.

Selbsttherapie in sozialen Netzwerken

Eine neue Studie von Dr. Theresa Sauter vom ARC Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation zeigt, dass soziale Netzwerke im Internet eine Form der Selbsttherapie sein können.

"Soziale Netzwerke wie Facebook laden die Nutzer ein, kontinuierlich ihre Gedanken und Handlungen mit anderen zu teilen, ihre Fehler zuzugeben und ihre Erfolge hervorzuheben", sagte Dr. Sauter.

"Dies macht sie zu Orten bzw. Werkzeugen der Selbstreflexion."

Tagebuch: therapeutisches Werkzeug

"Es ist wie ein Tagebuch zu führen, bloß ist es öffentlicher, häufiger und aktueller. Für die Benutzer kann es zu einem therapeutischen Werkzeug werden, welches ihnen dabei hilft zu verstehen, wie sie sich fühlen, und wie sie aus ihren Fehlern lernen können."

Indem sie Erfolge posten - über die Zubereitung eines guten Essens oder über den Erfolg bei einer Arbeit - zeigen die Benutzer, dass sie ihr Alltagsleben erfolgreich meistern können, ergab Dr. Sauters Studie. Wenn sie andererseits bei Facebook öffentlich ihre Fehler zugeben, zeigen sie das Bewusstsein, dass sie von dem, was sie für ein gutes, normales und ethisches Verhalten halten, abgewichen sind.

Dadurch teilen sie ihre eigenen Überlegungen mit und laden zu Rückmeldungen ihrer Freunde und Verbindungen ein.

"Jedoch ist dies nicht unbedingt eine bewusste Praxis: es ist ein Nebenprodukt, wenn man Facebook regelmäßig nutzt. Während öffentliches Schreiben über sich selbst zuvor auf eine intellektuelle Elite beschränkt war, macht es die soziale Medientechnik nun jedem zugänglich", sagte sie.

Soziale Medien: täglicher Beichtstuhl

"Solche Praktiken haben ihre Präzedenzfälle in der Geschichte: im antiken Griechenland und der frühen Christenheit, als die Menschen schrieben, um über ihr Leben nachzudenken oder ihre Sünden zu beichten und um Verzeihung zu bitten."

Heute sind soziale Medien zum täglichen Beichtstuhl geworden.

"Zum Beispiel schreiben die Nutzer, dass sie ihre Steuern nicht bezahlt haben oder ungesundes Essen gekauft haben, und fragen dann ihre Freunde, ob sie 'schlechte Menschen' sind. Sie beichten, dass sie sich nicht an die Normen und Standards gehalten haben, die sie sich selbst gesetzt haben."

Dr. Sauter sagte, dass häufigeres Posten die Nutzer dazu anrege, mehr über ihr eigenes Verhalten nachzudenken, obwohl sie sich dessen nicht bewusst sind.

"Während des Tages, wenn die User nachdenken, wie sie ein Ereignis auf Facebook oder Twitter darstellen können, reflektieren sie darüber, was sie getan haben, und wie dies mit dem auf eine Linie gebracht werden kann, was von ihnen erwartet wird", sagte sie.

"Das Schreiben auf sozialen Netzwerkseiten ist also mehr als nur ein Kanal für narzisstische Prahlerei oder ein Weg sich auszudrücken und mit anderen zu kommunizieren.

"Menschen können diese Orte benutzen, um an sich selbst zu arbeiten. Es soll nicht bedeuten, dass sie neue Persönlichkeiten auf Facebook schaffen, sondern eher, dass sie durch das Schreiben sich verstehen lernen und ihre eigene Identität entwickeln."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Queensland University of Technology, Jan. 2014

Mehr Facebook-Freunde bedeuten mehr Stress

Eine große Anzahl von Freunden auf Facebook zu haben scheint beeindruckend, aber eine neue Studie der Universität Edinburgh Business School behauptet: je mehr sozialen Kreisen man online angehört, desto wahrscheinlicher werden soziale Medien zu einer Stress-Quelle.

Stress und Angst durch Arbeitgeber und Eltern

Im Besonderen entsteht mehr Stress und Angst, wenn Arbeitgeber oder Eltern hinzugefügt werden.

Stress ergibt sich, wenn ein Nutzer eine 'Version' von sich auf Facebook zeigt, die für einige Online-'Freunde' nicht akzeptabel ist, wie z.B. Fluchen, Leichtsinniges zeigen, Trinken und Rauchen.

Seit sich ältere Leute Facebook und Co. anschließen, wird dies ein wachsendes Problem, da deren Erwartungen oftmals ganz andere sind als jene der jüngeren Benutzern.

Etwa 55 Prozent der Eltern folgt ihren Kindern auf Facebook. Und die Hälfte der Arbeitgeber sagten aus, schon mal jemanden aufgrund seiner Facebook Seite nicht eingestellt zu haben.

Statistik der Facebook Freunde

Die Forscher stellten fest, dass im Durchschnitt die User Facebook Freunde aus sieben verschiedenen sozialen Kreisen haben. Die häufigste Gruppe war: Freunde offline bekannt (97 % fügten diese als online Freunde hinzu), gefolgt von: erweiterte Familie (81 Prozent), Geschwister (80 Prozent), Freunde von Freunden (69 Prozent) und Kollegen (65 %).

Der Bericht fand auch heraus, dass mehr Leute Facebook Freunde ihrer früheren Partner sind, als mit ihrem gegenwärtigen Beziehungspartner. Nur 56 Prozent der Benutzer waren Freund ihres Beziehungspartners, verglichen mit 64 Prozent bei den Ex.

Der Report untersuchte 300 Leute auf Facebook, meist Studenten im Alter von durchschnittlich 21. Der Report stellte auch fest, dass nur ein Drittel den Eintrag Privatsphäre für ihr Profil auf Facebook setzten, was benutzt werden kann, um die Informationen zu kontrollieren, die von verschiedenen Arten von Freunden gesehen werden können.

Die Party ist vorbei

Ben Marder, Autor des Berichts, sagte: "Facebook war eine große Party für all Deine Freunde, wo sie tanzen, trinken und flirten konnten. Aber jetzt, mit Deiner Mama, Deinem Papa und Deinem Chef dort, wird die Party eher zu einem angstmachenden Ereignis voll von potenziellen sozialen Landminen".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Edinburgh, Nov. 2012

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Kommentar zu: Selbsthilfe und Selbsttherapie

06.12.2015 Kommentar von Barbara:

Interessant wäre, wie viele Nutzer tatsächlich ehrlich ihre Gefühle offenbaren und offen für Rat und Kritik ihrer 'Freunde' sind. Ich stelle es mir einfacher vor, wenn man tatsächlich nur mit Vertrauenspersonen vernetzt ist. Irgendwelchen Kollegen oder Ex-Mitschülern würde ich jedenfalls nicht so viel von mir erzählen wollen.

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