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Medienpsychologie

Medienpsychologie: News und Forschungsartikel, die sich mit dem Einfluss von Film und Fernsehen auf unsere Psyche beschäftigen.

Mentale Kraft stärken durch Fernsehglotzen

Wiederholungen von Lieblings-TV-Sendungen laden den Akku wieder auf. Eine provozierende neue Studienarbeit sagt, dass die Couchaktivität des Anschauens von Fernseh-Wiederholungen durchaus positive Aspekte hat.

Den Akku aufladen

Forscher der Universität Research Institute on Addictions, Buffalo, USA, stellten fest, dass das Anschauen von Wiederholungen von gerne gesehenen TV-Sendungen hilft, die Energie wiederherzustellen, Dinge in Angriff zu nehmen, bei Menschen, die ihre Reserven an Willenskraft oder Selbstkontrolle verbraucht haben.

Willenskraft und Selbstkontrolle

Im Ergebnis werden zwei Studien von Jaye Derrick beschrieben, Ph.D. Derrick glaubt, dass Willenskraft und Selbstkontrolle Bestandteile unseres emotionalen 'Bankkontos' und als solches begrenzte Mittel sind, die auch verbraucht werden können.

"Die Leute haben einen eingeschränkten Pool dieser wertvollen geistigen Ressourcen", sagte Derrick. "Wenn sie sie für eine Aufgabe verwenden, verbrauchen sie etwas von diesen beschränkten Ressourcen. Deshalb haben sie weniger Willenskraft und Selbstkontrolle für die nächste Aufgabe.

"Nach ausreichender Zeit kehren diese mentalen Ressourcen zurück. Jedoch gibt es Wege, damit um sie schneller wiederherzustellen."

Einer dieser Wege ist, Ihre Lieblings-TV-Sendungen wieder anzuschauen, sagen Derricks Forschungsergebnisse.

Während man das macht, glaubt sie, taucht man in die Ersatzbeziehungen mit den Charakteren der Fernsehsendungen ein. Wir finden es tröstlich, hauptsächlich weil wir schon wissen, was die Charaktere sagen und tun werden. Alles, das wir tun müssen, ist dazusitzen zurück und es zu genießen.

Wiederholt TV-Lieblingssendungen anschauen

"Wenn Sie eine Ihrer Lieblingssendungen wiederholt anschauen, müssen Sie sich normalerweise nicht anstrengen, um zu kontrollieren, was Sie denken, sagen oder tun. Sie brauchen keine mentale Energie für die Selbstkontrolle oder Willenskraft aufbringen", sagte Derrick.

"Zur gleichen Zeit genießen Sie Ihre 'Interaktion', mit den Charakteren der TV-Sendung, und diese Aktivität stellt Ihre Energie wieder her."

"Die stärkende Wirkung, die ich gefunden habe, beschränkt sich aber auf das wiederholte Anschauuen von Lieblings-Fernsehsendungen," sagte Derrick. "Nur anzuschauen, was auch immer im Fernsehen läuft, liefert nicht denselben Nutzen. Und, eventuell überraschenderweise, auch eine neue Episode einer bevorzugten Fernsehsendung zum ersten Mal zu schauen, liefert nicht denselben Nutzen."

In der Tat können die Wirkungen dieser fiktionalen "sozialen Ersatzbeziehung" besser als tatsächliche soziale Interaktion mit wirklichen Leuten unter einigen Umständen funktionieren.

"Obwohl es positive Ergebnisse aufgrund sozialer Interaktion gibt, wie das Gefühl energetisch aufgeladen zu werden, kann "sagte Derrick," menschlicher Austausch auch Gefühle der Ablehnung, Ausschluss und Ächtung produzieren, was die Willenskraft vermindert".

Fernsehen ist nicht nur schlecht

Die Befunde Derricks können einige Vorstellungen zerstreuen, dass Fernsehen ausschließlich schlecht ist.

"Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass Lieblings-Fernsehsendungen tatsächlich das prosoziale Verhalten der Menschen steigern können. Besonders nach dem Nachdenken über eine bevorzugte Fernsehsendung sind die Leute bereiter, anderen zu verzeihen, sind bereiter, einem Fremden zu helfen, und sind bereiter, für ihren Beziehungs-Partner etwas zu opfern", sagte sie.

© PSYLEX.de - Quelle: Social Psychological and Personality Science, Sept. 2012

Warum schauen wir oft dieselben Filme

Medienpsychologie: Die Leute schauen immer wieder 'ihre' Filme und hören immer wieder 'ihre' Musik, wegen der garantierten Ergebnisse dieser Handlungen, behauptet eine neue Studie.Herausgegeben in Journal of Consumer Research, ergab die Untersuchung, dass Personen Wiederholungen geniessen, wegen ...lesen Sie selbst.

Freude über kleine Details

Cristel Russell, Professorin für Marketing an der American University, Washington D.C., demonstrierte, dass sich die Menschen auch auf die Aussicht freuen, subtile Details wiederzuentdecken, die sie vergessen haben könnten.

Russell bemerkt: "Wir stellten fest, dass wiederholendes Konsum-Verhalten fünf Hauptzwecken dient: regressiv, progressiv, wiederaufbauend, relational und reflektierend zu sein".

Nicht nur aus nostalgischen Gründen

Die Forscher fanden heraus, dass Personen Handlungen wiederholen, wie etwa dasselbe Buch zu lesen oder ein Musikalbum oftmals wiederzuhören, (auch) aus komplexeren Gründen tun, als einfach aus nostalgischen.

Motivationen sind tief sitzend

Russell beobachtete, dass die Motivationen, die die Leute eine Auszeit von ihren hektischen Plänen und Tagesabläufen nehmen lassen, um dieselbe Aktivität wieder und wieder zu machen, sehr "tief sitzend und ergreifend" sind.

Dr. Victoria Williamson, Musik-Psychologin, sagt dazu: "Nostalgie hat sowohl ein rückwirkendes als auch proaktives Element:

Musik kann eine Dosis gewünschter Emotionen und Erinnerungen liefern, die 'in der Zeit eingefroren' sind, dies aber kann auch eine Reflexion auf unseren gegenwärtigen Lebenszustand hervorbringen".

"Musik zu hören, ist eine Lernerfahrung, und niemand nimmt alles beim ersten Hören auf. Durch wiederholtes Zuhören baut unser musikalisches Gedächtnis ein Gerüst, auf das / zu dem wir langsam die feinen komplizierten Details hinzufügen, was zu unserem Vergnügen beiträgt".

Frage: Was glauben Sie ? Was gibt es Ihnen, denselben Film, dasselbe Buch, Musikstück viele Male wieder zu 'geniessen' ?

© PSYLEX.de - Quelle: Journal of Consumer Research. Juni 2012

Actionfilme machen dick

Frühere Studien haben bereits einen Zusammenhang zwischen Fernsehen und einer höheren Kalorienaufnahme gefunden. Aber dies gilt nicht für alle Fernsehprogramme.

Forscher der Cornell Universität in New York stellten fest, dass Actionfilme die Zuschauer dazu verführen können, doppelt so viel wie bei anderen Programmen zu essen.

"Wir stellen fest, dass, wenn Sie einen Actionfilm sehen, während Sie knabbern, Ihr Mund ebenfalls mehr Action hat", sagte Studienautor Aner Tal. "Mit anderen Worten: je mehr das Programm ablenkt, desto mehr isst man."

Actionfilm vs. TV-Show

Süßigkeiten
Bild: Hans Braxmeier (pixabay)

Für die Studie knabberten 94 Studenten M&Ms, Kekse, Mohrrüben und Weintrauben während sie 20 Minuten eines Fernsehprogramms anschauten. Ein Drittel der Teilnehmer beobachtete einen Ausschnitt eines Actionfilms (Die Insel), ein Drittel eine Talkshow, und ein Drittel schaute 'Die Insel' ohne Ton.

"Teilnehmer, die Die Insel anschauten, aßen fast doppelt so viele Snacks (also 98 Prozent zusätzlich) wie diejenigen, die die Talkshow ansahen", sagte Brian Wansink, Koautor der Studie. "Selbst diejenigen, die "Die Insel" ohne Ton vorgesetzt bekamen, aßen 36 Prozent mehr."

Die Personen, die den ablenkenderen Inhalt anschauten, konsumierten also mehr Kalorien:

Gesunde Snacks bei bestimten TV-Programmen

"Stimulierendere Programme mit vielen Kameraschnitten ziehen Sie in das Geschehen hinein und lenken Sie davon ab, was Sie essen. Solche Actionfilme können Sie dazu bringen, mehr zu essen, weil Sie weniger darauf aufpassen, was Sie in Ihren Mund stecken", erklärteTal in Journal of the American Medical Association: Internal Medicine.

Man sollte die Snacks vor dem Fernsehen portioniert auf den Tisch bringen, wenn man vorhat Actionfilme anzuschauen; die ganze Tüte Chips oder Kekse auf dem Fernsehtisch würden sonst sehr schnell unbemerkt weggeknabbert werden.

Oder: Stellen Sie gesundes Knabberzeug - wie Mohrrüben, Weintrauben und ähnliches - auf den Tisch. Denn die gute Nachricht der Studie ist, dass auch von den gesunden Snacks mehr gegessen wird, sagte Wansink.

© PSYLEX.de - Quelle: Cornell Universität / Journal of the American Medical Association, Sept. 2014

'Desensibilisierte' Eltern lassen Kinder eher Gewalt/Sex-Filme gucken

21.10.2014 Wenn Eltern durch Gewalttätigkeit und Sex in Filmen desensibilisiert werden, scheinen sie auch eher laxer darin, was sie ihre Kinder sehen lassen, sagt eine neue Studie.

Die Forscher zeigten 1.000 Eltern von 6- bis 17-jährigen Kindern mehrere Filmclips. Die Teilnehmer schienen sich - je mehr Clips sie sahen - immer weniger am gewalttätigen bzw. sexuellen Inhalt der Ausschnitte zu stören. Und, während dies geschah, wuchs auch ihre Bereitschaft, ihre Kinder die Filme sehen zu lassen.

Die rasche Veränderung der elterlichen Haltung war überraschend, sagte der leitende Forscher Daniel Romer von der Universität Pennsylvania, Annenberg Public Policy Center, in Philadelphia, USA. "Wir sahen eine wirklich bemerkenswerte Desensibilisierung".

Er vermutet, dass die in Pediatrics veröffentlichten Befunde auf einen Grund für die Freigabe von gewalttätigen Filme an Minderjährige deuten: Die Angestellten, die die Filme auf Altersfreigabe prüfen (in Deutschland ist das die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft - FSK), werden wahrscheinlich ebenso durch die beunruhigenden Inhalte desensibilisiert.

Romers Team stellte weiterhin fest, dass auch die Anzahl der Filme, die die Eltern in ihrem Alltag sahen, eine Auswirkung hat: Die größte Desensibilisierung zeigte sich bei Eltern, die in der Woche vor dem Experiment mindestens 11 Filme gesehen hatten. Diese stuften Gewalt/Sex in den Filmen am harmlosesten ein.

Und die Verhaltensänderung war nicht auf hypothetische Kinder beschränkt. Die Bereitschaft der Eltern, ihre eigenen Kinder die Filme sehen zu lassen, nahm mit der Anzahl der Clips zu, sagte Romer.

Empfehlungen

"Ich bin nicht sicher, ob die Eltern merken, dass ihre eigenen Fernsehgewohnheiten ihre Entscheidungen beeinflussen, was sie ihren Kindern zumuten, aber das ist etwas, worüber sie sich klar werden sollten."

Romer legt den Eltern nahe, etwas eingehender über die Filme nachzudenken, die sie ihre Kinder sehen lassen. Selbst wenn den Eltern eine gewalttätige Szene nicht viel ausmacht, sagte er, sollte man überlegen, wie es sich anfühlen könnte, wenn man sie zum ersten Mal sieht.

Romer legt der Motion Picture Association of America (MPAA) - dem US-Pendant der FSK - nahe, die Möglichkeit zu berücksichtigen, dass das Personal, welches Hunderte von Filmen pro Jahr anschaut, desensibilisiert werden kann.

© PSYLEX.de - Quelle: Universität Pennsylvania, Annenberg Public Policy Center / Pediatrics, Oktober 2014

Binge-Watching mit psychischen Problemen verbunden

02.02.2015 Mit Binge-Watching, auch Film- oder Serienmarathon oder Komaglotzen genannt, wird mehrstündiger TV-Konsum bezeichnet, wobei üblicherweise mehrere Folgen einer Serie 'am Stück' angeschaut werden - eine Studie entdeckte einen Zusammenhang mit psychischen Problemen.

Harmlose Sucht?

Obwohl einige Leute behaupten, dass Binge-Watching eine harmlose Sucht ist, zeigen die Befunde unserer Studie, dass es nicht ganz so harmlos ist, sagte Studienautor Yoon Hi Sung von der University of Texas (Austin), USA.

Die Studie befragte mehr als 300 Menschen im Alter zwischen 18 und 29 zu ihren Fernsehgewohnheiten und Stimmungen.

Deprimiert, einsam und mit wenig Selbstbeherrschung

Es zeigte sich, dass je einsamer und deprimierter die Befragten waren, desto wahrscheinlicher neigten sie zum Binge-Watching. Mit dem Dauerglotzen versuchten sie sich von ihren negativen Gefühlen abzulenken, sagten die Forscher auf dem jährlichen Meeting der International Communication Association in Puerto Rico.

Die Forscher stellten auch fest, dass Personen, denen die Selbstbeherrschung fehlte, wahrscheinlicher dem Binge-Watching verfallen waren. Sie waren außerstande den Fernseher auszuschalten, selbst wenn sie noch andere Aufgaben zu erledigen hatten.

Körperliche Erschöpfung und Probleme wie Fettleibigkeit und andere Gesundheitsprobleme sind mit Binge-Watching verbunden, und sie sind ein Grund zur Sorge, sagte Sung. Wenn dieses Dauerglotzen jedoch ausufert, können die Betroffenen Arbeit und ihre Beziehungen zu anderen vernachlässigen. Obwohl sie wissen, dass sie nicht so viel Fernsehen schauen sollten, haben sie Schwierigkeiten, dem Wunsch weitere Episoden anzuschauen zu widerstehen, sagten die Wissenschaftler.

"Unsere Forschungsarbeit ist ein Schritt auf dem Weg, Binge-Watching als wichtiges Medien- und soziales Phänomen zu erkunden", schlossen sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Texas, International Communication Association; Jan. 2015

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