Gewalt in den Medien

Medienpsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit den Auswirkungen der Gewalt in den Medien (wie Film und Fernsehen, Computerspielen) auf unsere Psyche beschäftigen.

Gewalt in Filmen: Wirkung auf das Gehirn

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass die Reaktion einer Person auf gewalttätige Bilder von der Verschaltung in ihrem Gehirn abhängt und davon, wie aggressiv sie davor war.

Die Studie zeigt, dass das Angucken bzw. Nicht-Anschauen gewalttätiger Filme verschiedene Gehirnaktivitäten bei Personen mit unterschiedlicher Aggressionsausprägung verursacht. Die Befunde können Auswirkungen auf Interventionsprogramme gegen aggressives Verhalten, welches in der Kindheit begann, haben.

"Unser Ziel war es, zu untersuchen, was im Gehirn von Menschen vor sich geht, wenn sie gewalttätige Filme ansehen", sagte Nelly Alia-Klein, Professorin für Neurobiologie und Psychiatrie am Friedman Brain Institute und der Icahn School of Medicine at Mount Sinai. "Wir nahmen hypothetisch an, dass, wenn die Leute zu Beginn aggressive Eigenschaften haben, sie Gewaltdarstellungen anders verarbeiten, als nicht-aggressive Personen - diese Theorie wird von unseren Befunden unterstützt."

Gewalt im Fernsehen
Bild: Nemo/pixabay

Nach der Beantwortung eines Fragebogens wurden 54 Männer vom Forscherteam in zwei Gruppen gesteckt: die eine mit Personen, die aggressivere Persönlichkeitseigenschaften besaßen (inkl. physische Attacken ausgeübt hatten) und eine zweite Gruppe ohne diese Tendenz. Das Gehirn der Teilnehmer wurde gescannt während sie

Die Scans maßen bei den Teilnehmern die Stoffwechselaktivität im Gehirn, einem Marker der Hirnfunktionen. Außerdem wurde der Blutdruck alle 5 Minuten festgestellt und sie wurden in 15 Minuten-Intervallen gefragt, wie sie sich fühlten.

Während die Probanden im Scanner lagen und nichts taten (Gedanken konnten frei umherwandern), zeigten die aggressiveren Teilnehmer eine ungewöhnlich hohe Gehirnaktivität in Regionen, die aktiv sind, wenn man nichts Bestimmtes tut. Dies legt nahe, dass die aggressiveren Teilnehmer eine andere Hirnfunktionskarte haben als nicht so aggressive Teilnehmer, sagten die Wissenschaftler.

Hirnaktivität

Interessanterweise zeigten die Teilnehmer aus der aggressiven Gruppe weniger Hirnaktivität im orbitofrontalen Cortex (Gehirnregion, die mit emotionsgebundener Entscheidungsfindung und der Selbstbeherrschung verbunden ist) während sie die gewalttätigen Filme ansahen als die Teilnehmer der nicht-aggressiven Gruppe.

Die aggressiven Teilnehmer beschrieben, sich inspirierter, entschlossener und weniger verwirrt oder nervös als die nicht-aggressiven Teilnehmer beim Anschauen der gewalttätigen Filme (Tag 1) zu fühlen (im Vergleich zum 'emotionalen' 2. Tag). Im Einklang mit diesen Reaktionen - während des Anschauens der gewalttätigen Bilder - ging der Blutdruck der aggressiven Teilnehmer mit der Zeit fortlaufend runter, während der Blutdruck der nicht-aggressiven Teilnehmer zunahm.

"Wie eine Person auf ihre Umgebung reagiert, hängt vom Gehirn des Betrachters ab", sagte Dr. Alia-Klein.

"Aggression ist eine Eigenschaft, die sich zusammen mit dem Nervensystem im Laufe der Zeit mit Beginn in der Kindheit entwickelt. Die Verhaltensmuster werden gefestigt und das Nervensystem bereitet sich darauf vor, die Verhaltensmuster im Erwachsenenalter fortzusetzen, in dem die Persönlichkeit zunehmend gefestigt ist. Dies könnte die Wurzel für die Unterschiede zwischen den Menschen sein, die aggressiv und nicht-aggressiv sind, und wie Filme, Medien sie zu bestimmten Handlungen motivieren.

Wir hoffen, dass diese Befunde Pädagogen die Möglichkeit geben, Kinder mit aggressiven Eigenschaften zu erkennen und zu lehren, auf welche Weise aggressives Material insbesondere sie 'aktiviert'."

© PSYLEX.de - Quelle: Friedman Brain Institute, September 2014

Kein Zusammenhang zwischen Gewalt in Filmen, Computerspielen und 'realer' Gewalt

06.11.2014 Seit den 1920ern haben Gelehrte und Politiker die Gewalttätigkeiten in Filmen und anderen Medien für die ansteigende Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich gemacht. Doch zwei neue im Journal of Communication veröffentlichte Studien widerlegen diese Behauptung.

Christopher Ferguson von der Stetson Universität, USA, verglich das Aufkommen an Gewalttätigkeiten in den Medien mit der Gewaltanwendung in der Gesellschaft zwischen 1920 und 2005.

Filme

In der 1. Studie schätzten unabhängige Bewerter die Häufigkeit und Drastik der Gewalt in populären Filmen zwischen 1920 und 2005 ein. Diese wurden für die entsprechenden Jahre mit den Tötungsdelikten in Beziehung gesetzt.

Insgesamt gab es keinen Zusammenhang zwischen der Gewaltdarstellung in Filmen und der Mordrate. Jedoch schienen Gewalt in Filmen und Mordraten in der Mitte des 20. Jahrhunderts leicht zu korrelieren (zusammenzuhängen); dieser Trend kehrte sich nach 1990 aber um, so dass die Darstellungen von Gewalt im Film mit weniger Morden in Verbindung standen. Vor den 1940ern war Filmgewalt ebenso mit weniger Morden verbunden.

Computer-/Videospiele

In der zweiten Studie verglichen die Forscher Gewalt in den zwischen 1996 und 2011 herausgegebenen beliebtesten Computer-/Videospielen (eingeschätzt durch das Entertainment Software Ratings Board - ESRB) und die Bundesdaten zur Häufigkeit der Jugendgewalttätigkeit in derselben Zeitperiode.

Es zeigte sich, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Gewalt in Computerspielen und der Jugendgewalt gab (allerdings stellte sich eine sehr deutliche Verbindung zwischen den Computerspiel-Gewalttätigkeiten und einem Rückgang der Häufigkeit von Jugendgewalt heraus - dieser Korrelation maßen die Wissenschaftler aber keine Bedeutung bei, da sie den Zusammenhang für zufällig hielten).

Gewaltdarstellung in den Medien
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

Vorherige Studien haben sich auf Laborversuche und Aggression als Reaktion auf Film- und Computerspielgewalt konzentriert, aber das passt nicht zur Realität. Und bis zu dieser Studie gab es keine, die die langfristigen Auswirkungen überprüften.

Einige Wissenschaftler behaupteten, dass Filme gewalttätiger werden, aber niemand hat überprüft, ob dieses Phänomen ein Problem für die Gesellschaft ist. Diese Studie zeigt als erste, dass Konsum von Gewalt in Filmen und Computerspielen zwar zugenommen hat, dies aber keine problematischen Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.

Die Gesellschaft hat ein beschränktes Maß an Ressourcen und Aufmerksamkeit um dem Problem beizukommen und die Verbrechensrate zu reduzieren. Es besteht also ein Risiko, von dringenden Sorgen wie Armut, Bildung, sozioökonomischen Ungerechtigkeiten und der psychischen Verfassung abzulenken, und die Ursache an einem falschen Ort (wie der Gewalt in den Medien) zu suchen, sagte Ferguson.

© PSYLEX.de - Quelle: Journal of Communication / Stetson Universität, November 2014

Gewaltdarstellungen in den sozialen Medien können Traumata auslösen

12.05.2015 Das Betrachten von Gewalt (in den Nachrichten) via sozialer Netzwerke kann bei dem anfälligen Betrachter Symptome hervorrufen, die denen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ähnlich sind.

Dr. Pam Ramsden von der University of Bradford erklärte die Zusammenhänge auf der jährlichen Konferenz der British Psychology Society in Liverpool.

Indirekte oder Sekundäre Traumatisierung

Die negativen Auswirkungen des Kontakts mit dem Leiden anderer (z.B. bei Angehörigen der Gesundheitsberufe) sind schon seit längerem bekannt. Verschiedene Studien haben die negativen psychologischen Reaktionen dokumentiert, die auf indirekte Exposition mit traumatisierten Menschen folgen - Indirekte Traumatisierung oder Sekundäre Traumatisierung genannt.

"In den sozialen Medien können detailliert gewalttätige Geschichten, Videos und Fotos von jedem 'konsumiert' werden. Diese Ereignisse zu beobachten und die Qualen der Betroffenen zu fühlen, kann auf unseren Alltag wirken. In dieser Studie wollten wir überprüfen, ob Personen längerfristige Auswirkungen wie Stress und Angst und in einigen Fällen posttraumatische Belastungsstörungen davontragen, wenn sie diese Abbildungen betrachten."

189 Teilnehmer (das Durchschnittsalter war 37 Jahre, fast ausgeglichenes Geschlechterverhältnis) füllten klinische Beurteilungsbögen für PTBS, einen Persönlichkeitsfragebogen, einen Fragebogen zur Erfassung von sekundärer Traumatisierung und einen, der verschiedene Gewaltdarstellungen der Nachrichtenereignisse in den sozialen Medien oder dem Internet betraf (9/11 Twin Tower Angriff, Schießereien in Schulen und Selbstmordattentate).

22% wurden traumatisiert

Die Analyse zeigte, dass 22% der Teilnehmer deutlich von den Medienereignissen traumatisiert wurden. Diese Personen schnitten hoch bei den klinischen Maßen für PTBS ab. Und dies, obwohl keiner ein vorheriges Trauma hatte, nicht bei den traumatischen Ereignissen zugegen war und sie nur über die sozialen Medien beobachtet hatte. Diejenigen, die die Ereignisse häufiger betrachteten, waren am schwersten betroffen.

Dr. Ramsden sagte: "Er beunruhigt, dass fast ein Viertel derjenigen, die die Bilder sahen, hoch beim PTBS-Test abschnitten. Das Risiko für Personen mit extrovertierter Persönlichkeit war sogar noch etwas höher.

Mit einem ständig anwachsendem Zugang zu sozialen Medien und dem Internet durch Tablets und Smartphones müssen wir sicherstellen, dass die Leute über die Risiken Bescheid wissen, wenn sie diese Abbildungen betrachten, und dass adäquate Unterstützung für diejenigen, die sie benötigen, zur Verfügung steht."

In einer früheren Studie konnte die Autorin bereits zeigen, dass auch das Anschauen von Gewaltdarstellungen in den TV-Nachrichten Symptome von posttraumatischer Belastungsstörung nach sich ziehen kann.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Bradford, British Psychology Society; Mai 2015

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