Lesepsychologie; Psychologie des Lesens II

Medienpsychologie

Warum Lesen aus Freude uns glücklicher macht

10.02.2016 Eine Forschungsstudie der Universität Liverpool hat herausgefunden, dass lesende Menschen eher mit ihrem Leben zufrieden sind.

Dr. Josie Billington untersuchte die emotionalen, sozialen und psychologischen Vorteile, die regelmäßiges Lesen aus Freude Erwachsenen bietet.

Zuversicht

Laut der Befunde können Bücher unser fundamentales Vertrauen stärken, das wir brauchen, um unsere Ziele zu verfolgen und große Entscheidungen in Bezug auf unser Leben zu treffen:

lesende Frau
Bild: Jan Steiner

Auch andere positive Veränderungen im Leben können durch Bücher in Gang gebracht werden:

Heilmittel für Stress

Ein Drittel (35%) sagten, sie würden gerne mehr lesen, aber Telefon oder Fernsehen würden sie zu oft ablenken. 38% halten das Lesen eines Buches jedoch für den 'ultimativen Stresskiller'.

Selbstvertrauen und Ausgeglichenheit

Die befragten Frauen konnten sich mit dem liebenswerten, unvollkommenen Charakter der Bridget Jones am meisten identifizieren, wobei 10% der Befragten sagten, dass das Lesen über sie tröstet und zeigt: Es ist OK, Fehler zu haben.

Tatsächlich zeigt die Studie, dass wir lieber über Personen lesen, die Fehler machen (23%) und witzig sind (20%) als über Charaktere, die tapfer (19%), loyal (17%) oder nett (11%) sind.

Billington sagte: "Die positiven Wirkungen, die Lesen auf die Gesellschaft haben kann, wurden weithin dokumentiert, und was durch diese Forschungsstudie sehr deutlich gemacht worden ist: Bücher können uns helfen, die kleinen Dinge im Leben zu genießen, und zufriedener mit uns selbst zu sein; eine nützliche und wichtige Mahnung für uns alle, uns an die vielen positiven Seiten zu erinnern, die nur das Lesen bieten kann."

Die Top 5

der inspirierendsten literarischen Charaktere aus den meistverkauften Romanen:

Frauen werden inspiriert von:

Männer werden inspiriert von:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Liverpool; Feb. 2016

Lesen kann die psychische Flexibilität verbessern

03.03.2016 In Experimenten haben Forscher von der University of Liverpool herausgefunden, dass Lesen von Literatur die mentale Flexibilität erhöhen kann.

Wir fördern das Lesen von Literatur, weil wir annehmen, dass es gut für die psychischen Gesundheit und das Wohlbefinden ist, aber es ist nur sehr wenig darüber bekannt, warum Lesen dies tun könnte.

Die Forscher Professor Philip Davis, Dr. Josie Billington et al. führten eine Reihe von Experimenten mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) durch, um die Hirnaktivität von 24 Personen zu analysieren, während sie Poesie oder Prosa-Literatur lasen.

Psychische Flexibilität

Psychische Flexibilität ist die Fähigkeit einer Person, einen Gedankengang oder Handlungen zu wechseln, um angemessen auf sich ändernde Anforderungen einer Situation reagieren zu können. Sie ermöglicht jemandem ein vorheriges Reaktions- oder Verhaltensmuster aufzugeben, und eine Alternative zu generieren, die besser den Anforderungen der aktuellen Situation entspricht.

Das Experiment untersuchte die Fähigkeit der Teilnehmer, Bedeutungen in komplexen poetischen und Prosa-Texten zu verarbeiten und abzuleiten, die entweder eine oder keine signifikante Neubewertung beim Lesen erforderten.

Intrinsische Belohnung

Im Anschluss daran bewerteten die Teilnehmer jedes Stück auf dessen 'poetischen Gehalt' und das Ausmaß, in dem es zu einer Neubewertung der Bedeutung während des Lesens aufgefordert hat. Die Scans zeigten eine erhöhte Aktivität und Konnektivität bestimmter Gehirnnetzwerke, die beim 'Switchen' der Gedanken involviert waren.

Die in der Zeitschrift Cortex veröffentlichte Forschung zeigt, dass die nachhaltige Erfahrung des Lesens von Gedichten starre Erwartungen und Gedanken herausfordert und die mentale Flexibilität durch den Prozess der Bedeutungsneubewertung und der Akzeptanz von neuen Bedeutungen erhöht wird - ein Prozess, der als intrinsische (von innen her kommende) Belohnung erlebt wird, sagte Davis.

"Dies ist besonders vielversprechend, da die aktivierten Bereiche des Gehirns, die ein Belohnungsgefühl im Prozess der Aktivierung vorsehen, besonders bei Menschen mit Depressionen 'unter-vitalisiert' sind."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Liverpool, Cortex; März 2016

Gute Leser sehen Wörter gleich als Bilder

(und müssen sie vorher nicht 'erklingen' lassen)

12.06.2016 Statt jedes Wort zu 'hören' bzw. 'erklingen zu lassen', wie wir es in der ersten Klasse gemacht haben, kann das Gehirn von guten, erfahrenen Lesern vertraute Wörter schnell als Bilder erkennen laut einer in der Fachzeitschrift NeuroImage präsentierten Studie der Universität Georgetown.

Visuelles Wörterbuch

Das funktioniert weil jedes Wort, das man zu lesen lernt, im 'visuellen Wörterbuch' des Gehirns gespeichert wird. Diese Hirnregion agiert getrennt von dem Teil des Gehirns, das die Laute geschriebener Wörter verarbeitet.

Diese visuelle Wörterbuch-Theorie stellt die verbreitete Vorstellung in Frage, dass das Gehirn Wörter jedes Mal akustisch erklingen lassen muss, damit wir sie sehen.

Eine Gruppe von Neurowissenschaftler nimmt an, dass wir sowohl auf die phonologische als auch die visuelle Wahrnehmung eines Wortes zugreifen, wenn wir es lesen, und dass das Gebiet oder die Gebiete des Gehirns, die das eine tun, auch für das andere zuständig sind.

Aber die aktuelle Studie legt nahe, dass dies nicht der Fall ist, sagte Studienleiterin Dr. Laurie Glezer.

Wir zeigen, dass das Gehirn Regionen hat, die sich auf jeweils eine Komponente des Lesens spezialisieren. Das Gebiet, das den visuellen Part übernimmt, unterscheidet sich vom Gebiet, das 'hört', sagte sie.

Die Ergebnisse helfen beim Verständnis, wie das Gehirn die komplizierte Aufgabe des Lesens löst, und warum es zu Lesestörungen wie Dyslexie bzw. Legasthenie kommt, sagten die Wissenschaftler.

Unerfahrene Leser

Unerfahrene oder ungeübte Leser müssen Wörter erklingen lassen, wenn sie sie lesen, was das Lesen zu einem sehr langen und mühsamen Prozess macht, schreibt Glezer. Selbst erfahrene Leser müssen gelegentlich Wörter - die sie nicht kennen - erklingen lassen. Aber sobald man ein fließender, erfahrener Leser ist, muss man die vertrauten Wörter nicht mehr hören; man kann sie sofort lesen.

Gleichklingendes mit unterschiedlicher Bedeutung aktiviert unterschiedliche Neuronen

Unter Zuhilfenahme von MRT ließen die Forscher 27 Teilnehmer in zwei getrennten Experimenten an Worterkennungstests arbeiten. Sie fanden, dass gleichklingende Wortpaare, die aber unterschiedliches ausdrücken - wie hare (deutsch: Hase) und hair (Haare); im Deutschen wären es z.B. Laib und Leib, oder Lid und Lied - völlig unterschiedliche Nervenzellen aktivieren, ähnlich dem Zugriff auf andere Einträge in einem Wörterbuch.

Wenn der Klang des Wortes in diesem Teil des Gehirns Einfluss nehmen würde, würden wir erwarten, dass sie dieselben oder ähnliche Neurone aktivieren, aber das war nicht der Fall - 'hair' und 'hare' waren so unterschiedlich wie 'hair' und 'soup' (Suppe), sagte Glezer.

Diese Entdeckung weist darauf hin, dass diese besondere Gehirnregion nur die visuellen Informationen eines Wortes und nicht den Klang verwendet, sagte sie. Außerdem fanden die Forscher ein weiteres ausgeprägtes Gehirngebiet, das für Klänge empfänglich war, wo 'hair' und 'hare' wirklich gleich ausschauten.

Das legt nahe, dass es eine Region gibt, die den visuellen Part übernimmt, und eine, die den klanglichen übernimmt, erklärte Studienautor Dr. Maximilian Riesenhuber.

Dyslexie / Legasthenie

Riesenhuber sagt, dass diese Ergebnisse erklären helfen, warum Personen mit Dyslexie bzw. Legasthenie langsamer, angestrengter lesen. Aufgrund Problemen bei den phonologischen Prozessen bei Dyslexie ist es schwierig bis unmöglich, ein fein abgestimmtes System zu etablieren, das schnell und effizient Wörter lernt und erkennt.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Georgetown, NeuroImage, doi:10.1016/j.neuroimage.2016.05.072; Juni 2016

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter