Musik (Psychologie, Psyche)

Medienpsychologie

Musikpsychologie: News und Forschungsartikel, die sich mit dem Einfluss der Musik auf unsere Psyche beschäftigen.

Wie Krebspatienten Musik benutzen

Sehr wenige Behandlungen oder Therapien, die von Krebspatienten erduldet werden, können als nicht unangenehm beschrieben werden. Doch eine explorative Studie zeigt die positive Wirkung, die Musik als individuelle Bewältigungsstrategie haben kann, wenn man mit Krebs konfrontiert ist.

Musiknoten

Die schwedische Professorin Fereshteh Ahmadi führte persönliche Interviews mit 17 Krebspatienten (im Alter von 24 bis 73) durch. Alle hörten oder spielten Musik als Mittel, um mit ihrer Krankheit zurechtzukommen, und erzählten detailliert ihre Gedanken und Emotionen während der Studie. Ahmadi fand, dass, obwohl alle Formen von Musik den Patienten zu helfen schienen, verschiedene Musikstile unterschiedlich halfen.

Die Wirkungen der verschiedenen Musikstile

Kunst / Musik in die Behandlung einbauen

Ihre Befunde zusammenfassend, schließt Ahmadi, dass: "Musik spielt eine wichtige Rolle bei der Begegnung mit Krebs in diesen Fällen; es ist essentiell, dass Krebstherapeuten und Angehörige der Heilberufe etwas mehr von ihrer Aufmerksamkeit auf die Musik lenken sollten.

Die bedeutende Rolle von Kunst, insbesondere Musik, bei gesundheitlichen Dingen, sollte anerkannt und weitere Studien auf diesem Gebiet sollten angestrengt werden."

Die Studie ist ein essentieller Beitrag dazu, das riesige Spektrum der Emotionen von Krebspatienten während der Behandlung zu verstehen, und Strategien zu entwickeln, die den Betroffenen helfen, Tag für Tag mit dem Druck durch die Krankheit fertigzuwerden.

© PSYLEX.de - Quelle: University of Gävle, Juli 2013

Melancholische Musik belohnt mit positiven Emotionen

12.11.2014 Traurigkeit ist entmutigend; viele vermeiden diese Stimmung. Wir fordern Kinder auf, nicht so traurig auszusehen. Wir sagen Erwachsenen, sie sollen lächeln. Wir verschreiben Antidepressiva, wenn jemand zu lange traurig ist. Also warum geben Menschen ihr Geld aus, um traurige Lieder zu hören?


Wohltuende emotionale Effekte

Eine Studie der Freien Universität Berlin herausgegeben in PLOS ONE, zeigt - wie bereits eine Studie vor ihr, wir berichteten hier, dass für viele Menschen das Hören von melancholischer Musik zu wohltuenden emotionalen Effekten führen kann.

"Das Ziel unserer Studie war, ein besseres Verständnis zu bieten, warum die Leute sich mit trauriger Musik beschäftigen" sagten die Forscher Liila Taruffi und Stephan Koelsch (Professor für Musikpsychologie, Musiktherapie).

In ihrer Online-Studie befragten sie 772 Teilnehmer verschiedenen Alters nach ihren Erfahrungen mit trauriger Musik. Die Autoren wollten die Prinzipien und die lohnenden Aspekte untersuchen, die durch melancholische Musik ausgelöst bzw. hervorgerufen werden.

Nostalgie

Die Ergebnisse zeigten, dass Nostalgie (statt Traurigkeit) die am häufigsten durch traurige Musik hervorgerufene Emotion war. Dementsprechend wurden die Erinnerungen als das wichtigste Prinzip bewertet, welches durch Traurigkeit hervorgerufen wurde.

Zusätzlich ruft auch das Merkmal Empathie Traurigkeit über Ansteckung, Bewertung, und durch eingreifende soziale Funktionen hervor. Die aktuellen Befunde zeigen an, dass emotionale Reaktionen auf melancholische Musik facettenreich sind, vom Einfühlungsvermögen moduliert werden, und mit einem mehrdimensionalen Genusserleben verbunden sind.

Kontrolle negativer Emotionen und Stimmungen

Offenbar kann das Hören von trauriger Musik, wohltuende Gefühlsauswirkungen haben, wie die Regulation negativer Emotionen und Stimmungen, als auch das Spenden von Trost. Die heilsamen emotionalen Auswirkungen bilden die wesentliche Motivation für die Beschäftigung mit trauriger Musik im Alltagsleben.

Behandlung emotional labiler Menschen

Eine andere interessante Beobachtung der Autoren war, dass "die guttuenden Gefühlsauswirkungen trauriger Musik bei emotional instabilen Personen verstärkt werden, denn unsere Ergebnisse legen nahe, dass sie melancholische Musik verstärkt einsetzen, um Emotionen zu regulieren."

Weiter sagten sie: "Die Würdigung trauriger Musik erfolgt auf eine stimmungskongruente Weise und ist unter Personen mit hohem Einfühlungsvermögen und niedriger emotionaler Stabilität verstärkt vorzufinden".

Die Autoren sagen: "Die Ergebnisse betonen, dass für die meisten Menschen die Beschäftigung mit trauriger Musik im Alltagsleben mit ihrem Potential in Verbindung steht, ihre negativen Stimmungen und Emotionen zu regulieren, als auch Trost zu spenden."

Die Forscher hoffen, dass die Studienbefunde potentielle Auswirkungen auf die Entwicklung von Musiktherapie haben, um "Gesundheit und Wohlbefinden sowohl bei gesunden Menschen zu verbessern, als auch bei der Behandlung von psychischen Störungen zu helfen".

© PSYLEX.de - Quelle: PLOS ONE / Freie Universität Berlin, November 2014

Traurige Musik bewegt vor allem Empathen

Warum einige Menschen positive Gefühle haben, wenn sie trauriger Musik lauschen

18.09.2016 Viele Menschen empfinden traurige Musik entspannend, doch sehr empathische Menschen können melancholische Melodien als sehr intensiv, positiv und tief bewegend erleben laut einer neuen in Frontiers in Psychology publizierten Studie der Universitäten Durham und Jyväskylä.

Intensiver und positiver Musikgenuss trauriger Musik

Die Forscher aus England und Finnland fanden heraus, dass die Persönlichkeit hilft, die Reaktion auf Musik vorherzusagen. Die Resultate der Studie können Musiktherapie und Rehabilitationstechniken beeinflussen, sagen die Wissenschaftler.


Bild: Gerd Altmann

In der Studie hörten 101 Frauen und Männer zwischen 20 und 67 Jahren - ihnen unbekannte - traurige, instrumentale Musik und beschrieben ihre emotionale Reaktion auf das, was sie hörten. Ihre Reaktion auf die Musik wurde in eine von drei Hauptgruppen eingeteilt: Gefühl der Entspannung, Gefühl von Ergriffenheit / Rührung und ein eher ängstliches Gefühl.

Diejenigen, die sich ergriffen fühlten, beschrieben ihre Erfahrung als sehr traurig, aber auch als intensiv und angenehm.

Paradoxes Vergnügen

Es ist bereits schon vorher bekannt gewesen, dass Menschen ein paradoxes Vergnügen erleben können, wenn sie sich mit tragischer Kunst beschäftigen, aber dies scheint bei denjenigen ausgeprägter zu sein, die eine bessere Fähigkeit haben, sich mit den Gefühlen anderer Leute zu beschäftigen, sagte Musikpsychologe Tuomas Eerola, Prof. für Musik-Kognition.

Andererseits berichteten die Teilnehmer mit der geringsten Empathie nicht über ein Gefühl der Ergriffenheit beim Hören von trauriger Musik, sagte er.

Die Forscher bemerkten, dass die Persönlichkeiten der Teilnehmer voraussagen halfen, welche Probanden eine emotionale Reaktion auf die Musik haben würden. Die empathischeren und den Empfindungen anderer gegenüber sensitiveren berichteten häufig über starke positive Emotionen, und dass sie von den traurigen instrumentalen Musikstücken berührt worden seien.

Empathie verursacht die emotionalen Reaktionen

Durch die Verwendung von unbekannter instrumentaler trauriger Musik im Experiment konnten die Forscher die meisten anderen Ursachen für Emotionen - wie bestimmte Erinnerungen und Lyrik - ausschließen. Die emotionalen Reaktionen der Teilnehmer mussten also von der Musik selbst verursacht worden sein, sagte Studienkoautorin Jonna Vuoskoski vom Fachbereich für Musikpsychologie von der Universität Oxford.

Die Tatsache, dass sehr empathische Zuhörer sich von der traurigen Musik ergriffener fühlten, weist darauf hin, dass sie im Stande waren, sich in die Gefühle zu versenken, die durch die Musik durch eine Form der Empathie ausgedrückt werden, sagte die Musikpsychologin.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Durham und Jyväskylä, Frontiers in Psychology - dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2016.01176; Sept. 2016

Was der Musikgeschmack über die gesellschaftliche Schicht aussagt

04.06.2015 Lieben Sie klassische Musik? Oder eher Pop, Volksmusik und Schlager oder doch eher Heavy Metal? Eine kanadische Studie hat herausgefunden, dass Ihre musikalischen Vorlieben und Abneigungen mehr über Sie aussagen, als Sie glauben.

Die Studie analysierte 1.595 Telefoninterviews mit Erwachsenen aus Vancouver und Toronto, die nach ihren Vorlieben und Abneigungen bezüglich 21 musikalischen Genres befragt wurden.

Vorlieben nach Bildung und Einkommen

Es zeigte sich, dass ärmere, weniger gebildete Teilnehmer eher zu Country-Musik (in Deutschland wären es vielleicht Volksmusik und Schlager), Disco, Easy Listening (engl. "leichtes Hören" - Musik, die nebenbei laufen kann), Golden Oldies, Heavy Metal und Rap neigen. Dagegen hörten die wohlhabenderen, gebildeteren Befragten eher Genres wie Klassik, Blues, Jazz, Oper, Pop, Reggae, Rock, Welt-Musik und Musicals.

Die Forschung streift ein heiß diskutiertes Thema in der kulturellen Soziologie: Wird die soziale Schicht von bestimmten kulturellen Geschmäckern begleitet, und werden die "Eliten" durch eine breite Palette an Vorlieben definiert, wodurch sie sich unterscheiden.

Die Studie zeigt, dass Einkommen und Bildung nicht die Bandbreite des musikalischen Geschmacks einer Person beeinflussen. Jedoch bildet die Klasse (Schicht) und andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Immigrantenstatus und Ethnizität unseren musikalischen Geschmack auf interessante und komplexe Weise.

Abneigungen

Was Menschen nicht hören wollen, spielte auch eine wichtige Rolle bei der Errichtung von Klassengrenzen. "Was die Teilnehmer der 'Oberschicht' mochten, wurde von den Angehörigen der 'Unterschicht' abgelehnt und umgekehrt", sagte Studienautor Gerry Veenstra von der University of British Columbia in der Zeitschrift Canadian Review of Sociology.

Zum Beispiel zeigten die Teilnehmer mit der geringsten Bildung eine achtmal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Abneigung von klassischer Musik als die Gebildesten der Studie. Dagegen wurden die Genres wie Country-Musik, Easy Listening und Golden Oldies mit größerer Wahrscheinlichkeit von den gebildeteren Teilnehmern abgelehnt.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of British Columbia, Canadian Review of Sociology; Juni 2015

Musik kann die unbewusste Einstellung gegenüber anderen Kulturen beeinflussen

14.02.2017 Eine im Fachblatt Psychology of Music veröffentlichte Studie untersuchte, ob das Hören von Musik (fünf Minuten) anderer Kulturen dem Zuhörer zu einer positiveren Einstellung gegenüber diesen Kulturen verhilft.

Beziehung und Zusammenarbeit

Vorherige Forschungsarbeiten hatten bereits gezeigt, dass Musizieren die Beziehung und Zusammenarbeit unter Teilnehmern fördern kann; die aktuelle Studie zeigt, dass selbst das Musikhören die Haltung bzw. Einstellung des Zuhörers gegenüber anderen kulturellen Gruppen unbewusst zum Positiven verändern kann.

musikhören
Bild: Gerd Altmann

Die Musikpsychologie-Professoren Eric Clarke und Dr. Jonna Vuoskoski von der Universität Oxford und die Musiksoziologie-Professorin Tia DeNora von der Universität Exeter nutzten den sogenannten Impliziten Assoziationstest, um Veränderungen in der unbewussten kulturellen Neigung von Zuhörern nach dem Einspielen westafrikanischer oder indischer Popmusik zu erfassen.

Abhängig von Empathie

Sie fanden eine Verschiebung hin zu positiveren Gefühlen gegenüber der Zielkultur - obwohl nicht alle Zuhörer von der Musik beeinflusst wurden: Menschen mit einer empathischen Persönlichkeit waren gegenüber den Musikeffekten empfänglicher; Menschen mit einer geringeren Ausprägung der Empathie ließen sich eher nicht beeinflussen.

Musik leistet eine ganze Reihe von psychologischen und sozialen Funktionen, verbindet Menschen und beeinflusst die Emotionen und das Verhalten von Menschen, sagte der Musikpsychologe Clarke.

Verbessern des kulturellen Verständnisses

Und es ist wichtig zu erkennen, dass Musik auch trennende Eigenschaften hat. Aber in einer Zeit des zunehmenden Nationalismus und der Isolationspolitik stellen die Ergebnisse unserer Studie ermutigende Belege für das Potential der Musik aus, das kulturelle Verständnis zu verbessern, sagte Clarke.

Musik ist keine 'Zauberkugel', die automatisch Barrieren überwindet und Leute zusammenbringt; ein bestimmtes Maß an Offenheit und Empathie ist ebenfalls erforderlich, fügte die Musikpsychologin Vuoskoski hinzu.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Oxford, University of Exeter, Psychology of Music - DOI: 10.1177/0305735616680289; Feb. 2017

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Kommentar ... gesellschaftliche Schicht

14.02.2016 Kommentar von Islo:

Während meiner Arbeit im Theater stellte ich fest, dass unglaublich viele Opern-Sänger Heavy Metal hörten und sehr viele metaler klassische Musik hörten. Da gibt es auch sehr viele Strömungen. Rap und Schlager- ja, das kann ich mir vorstellen. Disco und Easy ist in der jüngeren Generation unheimlich beliebt- egal, welche Schicht. Das lässt sicher durch die jetzige Zeit und gesellschaftliche Ansprüche erklären.
Irgendwas muss im Leben noch Easy sein- im Zweifelsfall die Musik.

Kommentar zu ... Melancholische Musik

02.01.2016 Kommentar von Hugo:

Musik, und die damit beeinflussenden und erweckten gefühlten Emotionen, die sich unweigerlich auf die Psyche (seelischen reaktionalen Emfindungen="Emotionale Intelligenz") auswirken können, sowie zum Guten als auch zum bösen Spiel mit uns sozialen Geschöpfen (Wesen), die auch "Menschen" genannt werden.

14.02.2016 Kommentar von Bernd Willimek:

'Musikpsychologie' - dieser Begriff steht heute vor allem für den Versuch, den attraktiv klingenden Begriff zu vermarkten. Fragen Sie doch einmal die sogenannten 'Musikpsychologen', warum Mollakkorde traurig klingen können. An der Antwort, die dann kommt, werden Sie merken, dass diese Leute überhaupt nichts zur Wirkung von Musik sagen können.

Zur Musikpsychologie sagt der international renommierte Herausgeber Prof. Dr. Dr. Hörmann auf Seite 97 seiner Arbeit 'Ton-Psychologie' in der Zeitschrift 'Musik-, Kunst- und Tanztherapie', Hogrefe Verlag, 2014, Seite 97: 'Mit tieferen Kenntnissen der Musikpsychologie als Gebiet der musikalischen Wirkungsforschung, die sich nicht auf die im gegenwärtigen mainstream herrschende Statistik beschränkt, die für künstlerisches Musizieren weitgehend irrelevant ist, wie B. und D. Willimek (2014) zurecht kritisieren, kann sich ein orginärer und und orgineller künstlerischer Austausch im ganz besonderen individuellen Tun und seiner unverkennbarer expressiven Wirkung entfalten.'

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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