Psychologie der Ungleichbehandlung

Psychologie-Lexikon - Motivationspsychologie

Arbeitsmotivation: Ungleichheit der Chancen (durch Ungleichbehandlung) zieht die Motivation aller nach unten.

05.09.2020 Ungleiche Entlohnung verringert die Arbeitsmotivation der Menschen, selbst bei denen, die in den Genuss unfairer Vorteile kommen, hat eine in PLOS One veröffentlichte Studie ergeben.

Die Psychologen um Filip Gesiarz vom University College London fanden heraus, dass große Unterschiede in der Entlohnung, die für die gleiche Aufgabe angeboten werden, die Zufriedenheit der Menschen mindern, was wiederum ihre Motiavation zur Arbeit verringert.

Gesiarz vom Fachbereich Psychologie & Sprachwissenschaften der UCL sagt: Hier konnten wir die psychologischen Auswirkungen der Ungleichbehandlung aufzeigen, und wie sie die Produktivität und das Wohlbefinden aller Beteiligten beeinträchtigen kann.

Ungleichheit bei der Behandlung verringert die Motivation sich zu bewerben


Bild: pixabay

Die Ergebnisse könnten erklären, wie psychologische Mechanismen, abgesehen von strukturellen Barrieren, zu höherer Arbeitslosigkeit und niedrigeren Bewerbungen an Universitäten von Menschen aus benachteiligten Verhältnissen beitragen können. Es sei schwieriger, sich selbst zu harter Arbeit zu motivieren, wenn man weiß, dass andere Menschen für die gleiche Anstrengung großzügiger belohnt werden.

Für die Studie wurden 810 Teilnehmer gebeten, eine einfache Aufgabe gegen etwas Geld zu erledigen. In verschiedenen Szenarien in drei Experimenten wurde den Teilnehmern gesagt, dass andere Menschen besser oder schlechter für die gleiche Aufgabe bezahlt würden, und zwar in unterschiedlichem Ausmaß der Ungleichheit.

Es wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, die Arbeit an einer bestimmten Aufgabe abzulehnen, und bei einigen der Experimente wurden sie auch gefragt, wie sie sich fühlten.

Wenn das System ungerecht ist

Die Psychologen stellten fest, dass die Menschen weniger bereit waren zu arbeiten, wenn ihnen gesagt wurde, dass es große Unterschiede in der Bezahlung zwischen ihnen und den anderen Teilnehmern gäbe; einigen wurde gesagt, dass andere Menschen wesentlich schlechter bezahlt würden als sie selbst.

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen weniger motiviert sind zu arbeiten, wenn sie schlechter als andere bezahlt werden, aber auch, wenn sie das ganze System als ungerecht empfinden.

Die psychologischen Ergebnisse zeigten, dass ein großes Lohngefälle zu größerer Unzufriedenheit führte, die wiederum mit einer geringeren Arbeitsbereitschaft verbunden war.

Die Menschen weigerten sich eher, in einem unfairen Szenario mit großer Ungleichbehandlung zu arbeiten, selbst wenn sie davon profitieren würden - und obwohl ihre Weigerung eine persönliche Entscheidung war, die keine Auswirkungen auf die Belohnungen anderer Menschen hatte.

Die Psychologen nehmen an, dass die durch willkürliche Ungleichheitbehandlung hervorgerufenen negativen Gefühle zum Teil erklären könnten, warum benachteiligte Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit Ängste und Depressionen erleben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PLOS One - https://doi.org/10.1371/journal.pone.0237914

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