Oxytocin (Psyche, Gehirn)

Psychologie-Lexikon - Biologische Psychologie

Einfluss auf Spiritualität

'Kuschelhormon' Oxytocin verstärkt Spiritualität, Sinn und Bedeutung im Leben

23.09.2016 Laut einer in der Fachzeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlichten Studie der Duke University scheint das 'Liebeshormon' Oxytocin - involviert z.B. beim Geburtsprozess und bei sozialen Interaktionen - auch die Spiritualität zu unterstützen.

Psychische Auswirkungen

In der Studie berichteten die Teilnehmer einen größeren Sinn für Spiritualität - kurz nach der Einnahme des Hormons und eine Woche später - zu verspüren. Sie empfanden auch positivere Emotionen während der Meditation, sagte die Studienleiterin Patty Van Cappellen vom Fachbereich für Sozialpsychologie.

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Bild: Benjamin Balazs

Spiritualität und Meditation sind beide mit Gesundheit und Wohlbefinden in früheren Forschungsarbeiten verbunden worden, sagte Van Cappellen. Die Forscher interessierten sich für die biologischen Faktoren, die diese spirituellen Erfahrungen vergrößern können.

Die Studienteilnehmer waren ausschließlich Männer, und die Ergebnisse gelten nur für Männer, sagte Van Cappellen. Im Allgemeinen wirkt Oxytocin etwas anders bei Männern als bei Frauen, sagte die Psychologin. Die Effekte des Hormons auf die Spiritualität von Frauen muss noch untersucht werden.

Um zu untersuchen, wie Oxytocin die Spiritualität beeinflussen könnte, verabreichten die Forscher das Hormon einer Gruppe und ein Placebo der anderen.

Gesteigerte(r) Spiritualität und Lebenssinn

Diejenigen, die das Hormon erhielten, berichteten mit größerer Wahrscheinlichkeit später, dass Spiritualität in ihrem Leben wichtig wäre, und dass das Leben eine Bedeutung bzw. einen Sinn hat.

Diese Resultate zeigten sich auch, nachdem berücksichtigt wurde, ob die Teilnehmer einer organisierten Religion angehörten oder nicht.

Größere Verbundenheit mit allen Lebewesen

Teilnehmer, die Oxytocin erhielten, neigten auch eher dazu, sich selbst als mit anderen Menschen und Lebewesen verbunden zu sehen.

Die Studienteilnehmer nahmen auch an einer geleiteten Meditation teil.

Positivere Emotionen während Meditation

Es zeigte sich, dass die mit dem Neuropeptid behandelten Teilnehmer positivere Emotionen während der Meditation fühlten, einschließlich Ehrfurcht, Dankbarkeit, Hoffnung, Inspiration, Interesse, Liebe und Gelassenheit.

Das Hormon wirkte zwar auf alle Teilnehmer, aber nicht auf alle gleich. Die Wirkung auf die Spiritualität war unter Männern mit einer besonderen Variante des CD38-Gens - ein Gen, dass die Freisetzung des Oxytocins durch die Hypothalamus-Neuronen im Gehirn reguliert - stärker.

Van Cappellen sagte jedoch, dass die Ergebnisse nicht zu sehr verallgemeinert werden sollten: Es gibt z.B. viele Definitionen von Spiritualität.

Spiritualität ist komplex und wird durch viele Faktoren beeinflusst, sagte die Psychologin. Jedoch scheint Oxytocin wirklich beeinflussen zu können, wie wir die Welt wahrnehmen, und was wir glauben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Duke University, Social Cognitive and Affective Neuroscience - DOI: 10.1093/scan/nsw078; Sept. 2016

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