Erziehungspsychologie

Psychologie-Lexikon

Forschung/News zur Erziehungspsychologie, einem Teilbereich der Psychologie, der sich mit der Erforschung der psychologischen Vorgänge bei der Erziehung beschäftigt.

Alleinerziehung macht Mütter nicht unglücklich

Ein Kind allein aufzuziehen birgt viele Herausforderungen - aber hat keine negative Auswirkung auf die Zufriedenheit der Frau, laut einer in Journal of Happiness Studies erschienenen Untersuchung.

Alleinerziehung

Alleinerziehung wird oft als Grund für eine Reihe von Lebenswidrigkeiten angesehen. Alleinerziehende Mütter müssen mit organisatorischen und finanziellen Problemen klarkommen. Sie leiden auch unter einem Mangel an partnerschaftlicher Unterstützung und sozialer Missbilligung.

In dieser neuen Studie konnten die Forscher der Umeå Universität, Wittgenstein in Österreich, der Warsaw School of Economics und der Cardinal Stefan Wyszynski Universität in Polen zeigen, dass nicht die Geburt des Kindes per se zu einem Rückgang der Zufriedenheit bei alleinerziehenden Müttern führt.

"Trotz aller Schwierigkeiten und Probleme - oder vielleicht gerade deswegen - treten die Kinder ins absolute Zentrum des Universums der Frau und werden zum wichtigsten und hellsten Aspekt ihres Lebens", sagte Koautorin Monika Mynarska. "Außerdem geben Kinder den Frauen oft die Kraft, Entscheidungen zu treffen, zu denen sie vor der Schwangerschaft nicht in der Lage waren."

Verantwortlich für das Wohl eines Kindes zu sein, half vielen der interviewten Frauen, unglücklichen oder pathologischen Beziehungen zu entkommen, und machte sie vorsichtiger und anspruchsvoller, wenn sie eine neue Partnerschaft eingingen. Daher kann die Mutterschaft das Leben einer Frau auf eine "bessere Spur" bringen.

Die Geburt eines Kindes hatte bei den interviewten Frauen entweder keine Auswirkung oder steigerte das Glück der alleinerziehenden Mütter, sagte Forscherin Anna Baranowska-Rataj. Die positiven Aspekte glichen die negativen der Alleinerziehung aus oder übertrafen sie sogar.

Die Studie wurde in Polen durchgeführt, wo die Akzeptanz der Alleinerziehung noch relativ gering und die sozialen Unterstützungssysteme limitiert sind. Unter diesen sehr ungünstigen Bedingungen könnte man starke negative Auswirkungen auf Glück und Zufriedenheit der alleinerziehenden Frauen erwarten.

© PSYLEX.de - Quelle: Umeå Universität, Wittgenstein in Österreich, Warsaw School of Economics und Cardinal Stefan Wyszynski Universität, April 2014

Erziehungsmaßnahme: 'Versohlen' von Babys

Laut einer neuen Studie, ist das 'Versohlen' der eigenen Kinder (selbst wenn diese noch sehr klein sind) immer noch relativ weit verbreitet.

Anm.: Auch wenn die Studie aus den USA kommt, werden die Verhältnisse in Deutschland nicht unähnlich sein; man bedenke nur allein die vielen Todesfälle bei Kleinkindern und Babys, was nur die absolute Spitze dieses Verhaltens darstellen.

Körperliche Züchtigung immer noch verbreitet

Kind Prügel

Forscher der Universität von Michigan stellten fest, dass etwa 30% der einjährigen Babys mindestens einmal von ihrer Mutter, dem Vater oder beiden Eltern im vorangegangenen Monat versohlt wurden.

Eine frühere Studie hatte sich auf Kinder im Alter von drei Jahren konzentriert. In diesem Alter ist die körperliche Züchtigung üblich. Aber die letzten Befunde zeigen, dass selbst Kinder, die noch nicht laufen können, schon geschlagen werden.

Studien haben gezeigt, dass dieses 'Versohlen' mit einem aggressiveren Verhalten, Depressionen und anderen psychischen Problemen bei den Kindern verbunden ist.

In der neuen Studie überprüften die Forscher über mehrere Jahre 2.788 in Städten wohnende Familien. Die Studie zeigte, dass das Schlagen der einjährigen Kinder durch Mutter, Vater oder gegenwärtigen Partner der Mutter den Einsatz des Jugendamts im Alter zwischen 1 und 5 nach sich zog. In dieser Zeit wurden etwa 10 Prozent der Familien mindestens einmal vom Jugendamt aufgesucht.

Fehlende Erziehungskompetenz

Dr. Shawna Lee und Andrew Grogan-Kaylor von der Universität von Michigan sagen, dass es sehr dumm und töricht ist, Babys zu versohlen, und eine 'Kaskade' inadäquaten elterlichen Verhaltens auslösen kann.

Ihre Forschung ist eine Momentaufnahme eines größeren Problems: Vielen Menschen fehlt einfach die Erziehungskompetenz, Alternativen zum Versohlen einzusetzen.

"Besuche im Krankenhaus und beim Hausarzt vor und nach der Geburt sind gute Gelegenheiten für Kinderärzte, Krankenschwestern und Sozialarbeiter mit den Eltern über Alternativen zum Versohlen von Babys und Kleinkindern zu sprechen", sagten die Forscher.

Die Studie erschien in Child Abuse & Neglect.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Michigan, März 2014

Autonomie und Respekt in der Beziehung zwischen Mutter und Kind

03.02.2015 Mütter, die die Autonomie ihrer Kinder respektieren, werden später von ihren Kindern positiver gesehen laut einer aktuellen Studie.: Wenn Mütter sehr stark das Spiel ihrer Kinder überwachen und kontrollieren, verspüren diese Kinder weniger den Wunsch, sich auf ihre Mutter einzulassen, sagte Jean Ispa in der Zeitschrift Social Development.

Die Autonomie des Kindes

Die Achtung vor der Autonomie des Kindes ist nicht nur für dessen Entwicklung, sondern auch für eine positive Eltern-Kind-Beziehung wichtig. Die Forscher von der University of Missouri-Columbia stellten fest, dass Mütter, die die Autonomie ihrer Kinder unterstützten, positiver von ihren Kindern betrachtet wurden als Mütter, die in ausgeprägter Weise Verhaltensregeln vorgaben.

Ispas Studie mit mehr als 2.000 Müttern und ihren Kindern maß das mütterliche direktive Verhalten bzw. den Umfang, mit dem Mütter die Aktivitäten ihrer Kinder (Alter der Kinder: zwei Jahre) beim Spiel kontrollierten und dann während einer Diskussion auf Gebieten zu denen Meinungsverschiedenheiten bestanden (Kinder waren nun in der fünften Klasse).

Kontrollverhalten der Mutter

Die Wissenschaftler stellten fest, dass das Kontrollverhalten der Mutter während des Spiels mit dem Kleinkind den Umfang vorhersagte, mit dem die Kinder (in der 5. Klasse) ihre Mütter positiv oder negativ betrachteten.

Ethnizität oder Geschlecht der Kinder machten keinen Unterschied.

"Mütter, die ihre Kleinkinder stark kontrollierten, zeigten auch ein stark direktives Verhalten, wenn ihre Kinder das Jugendalter erreichten", sagte Ispa.

"Bei Kleinkindern benutzten die Mütter hauptsächlich körperliche Kontrollmöglichkeiten; wenn die Kinder älter waren, wurden die Direktiven eher verbal und psychologisch (etwa: indem vorgegeben wurde, was Kinder sagen dürfen, oder indem ihnen verboten wurde, ihre Meinung zu sagen). Es ist nicht überraschend, dass ihre Kinder beginnen, sie in einer negativen Weise zu betrachten."

Regeln in der Erziehung

Kindern Autonomie zu gewähren, bedeutet nicht, dass Eltern aufhören sollten, Grundregeln festzulegen oder Input zu liefern, bemerkte Ispa.

Sie fügte hinzu, dass Verhaltenskontrollen (wie z.B. die richtige Überquerung einer Strasse) nicht die Mutter-Kind-Beziehung negativ beeinflusst; im Gegensatz zur psychologischen Kontrolle: wie absichtliches Hervorrufen von Schuldbewusstsein oder Kinder aufzufordern, in einer bestimmten Weise zu denken, fühlen und spielen.

Eltern denken oftmals, dass dieses kontrollierende Verhalten die 'richtige Art' ist, Kinder aufzuziehen, aber unsere Forschungsbefunde zeigen, dass das tatsächlich nicht funktioniert, sagte Ispa.

Den Kindern ein altersentsprechendes Autonomieniveau zu erlauben, um sichere Entscheidungen zu treffen, ist sehr gut für Kinder, und sie treffen normalerweise kluge Entscheidungen, wenn sie über sichere Optionen und Folgen informiert wurden.

"Einen guten Anfang kann man mit offenen Diskussionen machen, in denen die Kinder ihre eigenen Standpunkte ausdrücken dürfen. Wenn Sie die Kinder instruieren, erklären Sie die Gründe für Ihre Entscheidungen, statt einfach nur zu sagen: 'weil ich es so sage'", sagte Ispa.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Missouri-Columbia, Social Development (DOI: 10.1111/sode.12108); Jan. 2015

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