Persönlichkeitspsychologie
Geburtsfolge, Bewegungsmuster

Psychologie-Lexikon

Einfluss der Geburtsfolge auf Persönlichkeitsmerkmale

20.10.2015 Eine deutsche Studie der Universitäten Leipzig und Mainz bestätigt die Resultate einer vorherigen Forschungsarbeit: Die Geschwisterposition hat nur einen sehr geringen Einfluss auf die Persönlichkeitseigenschaften und die Intelligenz.

geschwister
Bild: Bess Hamiti

Die in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America präsentierte Studie untersuchte, ob die Position in der Geschwisterreihe Auswirkungen auf Persönlichkeit und Intelligenz hat und analysierte dazu die Daten von mehr als 20.000 erwachsenen Teilnehmern aus Großbritannien, USA und Deutschland.

Die Resultate

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Leipzig und Mainz, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America; Okt. 2015

Bewegungsmuster offenbaren Charakterzüge

Persönlichkeitspsychologie
Wie ich mich bewege gibt Auskunft über meine Persönlichkeitsmerkmale

23.03.2016 Eine in der Zeitschrift Interface veröffentlichte Studie der University of Exeter sagt, dass die individuelle Art der Bewegung einen Einblick in die Persönlichkeit geben kann.

Danach neigen Menschen mit ähnlichen Verhaltenscharakteristika dazu, ihre Körper in der gleichen Weise zu bewegen.

Individuelle motorische Signatur (IMS)

Laut den Forschern hat jeder Mensch eine individuelle motorische Signatur (IMS) - eine 'Blaupause' der subtilen Unterschiede in der Art und Weise wie er sich bewegt im Vergleich zu anderen, z.B. in der Bewegungsgeschwindigkeit, Geschmeidigkeit oder Leichtigkeit der Bewegung.

Die Wissenschaftler benutzten ein einfaches Spiegelspiel, in dem zwei 'Spieler' die Bewegungen des anderen imitieren sollten. Es zeigte sich: Teilnehmer mit ähnlichen Bewegungsmustern neigen dazu, organisierte kollektive Verhaltensweisen zu zeigen.

Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen

Das Forscherteam nimmt an, dass Personen mit vergleichbaren Bewegungsentwürfen es deshalb leichter finden werden, sich in zwischenmenschlichen Beziehungen aufeinander abzustimmen.

Außerdem kann laut den Forschern die IMS einer Person - und wie sie mit anderen interagiert - einen Einblick in ihre psychische Verfassung gewähren und so einen zukünftigen Weg der personalisierten Vorhersage, Diagnose oder Behandlung ebnen.

Studienautor Professor Krasimira Tsaneva-Atanasova sagte: Menschen, die sich in einer bestimmten Art bewegen, werden auch auf ähnliche Weise reagieren, wenn sie gemeinsame Aufgaben durchführen. Im Wesentlichen geben unsere Bewegungen einen Einblick in unsere innewohnenden Charakterzüge.

"Was wir demonstrieren, ist, dass Menschen normalerweise reagieren und mit anderen interagieren wollen, die ihnen selbst ähnlich sind. Aber was unsere Studie auch zeigt, ist, dass Bewegungsmuster einen Hinweis auf die Verhaltenseigenschaften einer Person geben", was zukünftig bei bestimmten Erkrankungen hilfreich sein könnte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Exeter, Interface; März 2016

Geburtsreihenfolge: Effekt auf Persönlichkeit oder IQ

19.07.2015 Für alle, die glauben, dass die Reihenfolge der Geburt Eigenschaften wie Persönlichkeit und Intelligenz beeinflusst, verkündet eine Studie mit 377.000 Teilnehmern gute Nachrichten:

Ja, die Studie fand heraus, dass Erstgeborene einen höheren IQ und durchgehend eine andere Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaften haben als die später Geborenen. Aber die Unterschiede sind so klein, dass sie keine praktische Relevanz im Leben der Menschen haben.

Unterschied beim IQ

Die Analyse stellte fest - wie eine große andere Studie zuvor, dass Erstgeborene einen einzigen IQ-Punkt Vorsprung vor den später Geborenen haben, sagte Rodica Damian von der University of Illinois. Die Differenz ist statistisch zwar signifikant aber bedeutungslos, sagte sie im Journal of Research in Personality.

Persönlichkeitseigenschaften

Die Befunde stellten auch konsistente Unterschiede in den Persönlichkeitseigenschaften zwischen Erstgeborenen und den später geborenen Geschwistern fest. Erstgeborene neigten zum Beispiel eher zu größerer Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit und zu weniger Angst als später Geborene. Aber diese Unterschiede waren "äußerst geringfügig" - eine Korrelation von 0.02 ... solch ein Zusammenhang ist in der realen Welt praktisch nicht bemerkbar, sagte Studienautor Brent Roberts.

Störfaktoren

Die Studie kontrollierte auf potentielle Störfaktoren - wie Lebensstandard einer Familie, Kinderzahl und das relative Alter der Geschwister zum Zeitpunkt der Analyse, die die Ergebnisse verzerren könnten, sagte Damian.

Zum Beispiel tendieren reichere Familien zu weniger Kindern; haben also einen höheren Anteil an Erstgeborenen, die auch Zugang zu mehr Ressourcen haben, die wiederum IQ oder Persönlichkeit beeinflussen können, sagte sie.

Frühere Studien zum Geburtsreihenfolge-Effekt

Viele vorherige Studien zum Geburtsreihenfolge-Effekt litten unter kleinen Stichprobenumfängen, sagte Damian. Viele verglichen Kinder mit ihren Geschwistern - ein "innerhalb der Familie" Design, das von manchen als besser eingeschätzt wird, als Kinder verschiedener Familien zu vergleichen, wie es die neue Analyse tat.

"Aber solche Studien messen die Persönlichkeit jeden Kindes oft nicht individuell", sagte sie. Sie fragen nur ein Kind - normalerweise das älteste, z.B.: 'Bist Du gewissenhafter als Dein(e) Bruder / Schwester?'" Die Ergebnisse unterscheiden sich je nachdem, wen Sie fragen.

Ein anderes größeres Problem mit 'In-Familien' Studien ist, dass das älteste Kind immer älter ist", sagte Roberts. "Die Leute sagen: 'Aber mein ältestes Kind ist verantwortungsbewusster als mein jüngstes Kind.' Ja, und es ist auch älter."

Subgruppe vs. Hauptgruppe

Das Team analysierte auch eine bestimmte Subgruppe der Kinder: Und zwar diejenigen, die genau zwei Geschwister hatten und mit beiden Eltern zusammenlebten. Dies erlaubte den Forschern, nach spezifischen Unterschieden zwischen Erst- und Zweitgeborenen oder Zweit- und Drittgeborenen zu suchen.

Die Befunde bestätigten die Resultate der größeren Studie, die bestimmte Unterschiede zwischen den Ältesten und dem zweiten Kind und zwischen dem zweiten und den dritten Kindern fand. Aber auch hier war das Ausmaß der Unterschiede wieder "winzig", sagte Roberts.

Einfluss auf die Erziehung

Was wir aus dieser Studie lernen können, sagte Damian, ist, dass der Geburtsreihenfolge-Effekt wahrscheinlich nicht die Erziehung beeinflusst - denn er steht nicht bedeutend mit der Persönlichkeit oder dem IQ der Kinder in Zusammenhang.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Illinois, Journal of Research in Personality; Juli 2015

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