Die gesunde Persönlichkeit

Persönlichkeitspsychologie

Haben Sie eine gesunde Persönlichkeit? Psychologen glauben, die Antwort zu kennen

28.12.2018 Was sind die psychologisch gesündesten Persönlichkeitsmerkmale? Wissenschaftler haben sich für die Charakterisierung der gesunden Persönlichkeit interessiert, solange sie versuchen zu verstehen, wie sich Menschen voneinander unterscheiden.

Eine im Fachblatt Journal of Personality and Societal Psychology veröffentlichte Studie meint unter Verwendung einer zeitgenössischen Merkmalsperspektive einen Prototyp einer gesunden Persönlichkeit gefunden zu haben. D.h., die Ergebnisse beschreiben die Ansichten über eine gesunde Persönlichkeit aus der Perspektive von Psychologen und Laien eines bestimmten Landstrich und unser heutigen Zeit.

Grundlage: die Big Five

Die Forscher um Wiebke Bleidorn vom Fachbereich Psychologie der Universität California, Davis nehmen an, dass die gesunde Persönlichkeit mit einem hohen Maß an Übereinstimmung in Bezug auf die 30 Facetten des "Big Five"-Modells der Persönlichkeitsmerkmale beschrieben werden kann.

Dieses Modell gliedert die Persönlichkeit in fünf Hauptfaktoren: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Geringer Neurotizismus; offen und aufrichtig

Wissenschaftler haben auch Facetten für jeden dieser Faktoren identifiziert, die spezifischere Verhaltensweisen beschreiben. In dieser Studie waren sich Experten und Laien einig, dass eine gesunde Persönlichkeit aus einem niedrigen Neurotizismus bei gleichzeitig hoher Offenheit für Gefühle, Wärme, positive Emotionen und angenehmer Aufrichtigkeit besteht.

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Bild: Jan Hoekstra

Die Psychologen wollte in dieser Studie die Frage nach der gesunden Persönlichkeit angehen, indem sie ein Experten-Konsens-Modell des psychisch gesunden Menschen erstellten, das Hunderte von professionellen Persönlichkeitspsychologen zusammen mit Hunderten von Studenten aus Texas und Michigan befragte. Sie fanden eine Übereinstimmung zwischen diesen Gruppen darüber, was eine gesunde Persönlichkeit bedeutet. Es ist aber fraglich, ob diese Ansicht auch auf andere Teile der Welt übertragbar ist.

Unter Verwendung der Big Five als Rahmen und eines Experten-Konsensansatzes versuchten die Forscher zunächst, ein grundlegendes Merkmalsprofil eines prototypischen gesunden Individuums zu erstellen.

In einem zweiten Schritt testeten sie anhand von Daten aus sieben unabhängigen Stichproben von über 3.000 Teilnehmern, ob das generierte gesunde Persönlichkeitsprofil zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit einer gesunden Persönlichkeit auf individueller Ebene verwendet werden kann.

Dazu berechneten sie für jeden Teilnehmer einen gesunden Persönlichkeitsindex, der angab, wie ähnlich sein individuelles Persönlichkeitsprofil dem von Experten erstellten Profil für die gesunde Persönlichkeit entsprach.

Selbstwertgefühl, Selbstkonzept und Optimismus

Personen mit gesunden Persönlichkeitsprofilen hatten tendenziell höhere Punktewerte bei Selbstwertgefühl, Klarheit des Selbstkonzepts und Optimismus.

Impulsivität, Selbstkontrolle, Aggressivität und Aufmerksamkeit

Personen mit gesunden Persönlichkeitswerten beschrieben sich auch eher als in der Lage, Impulsen zu widerstehen, ihr Verhalten zu regulieren und ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Sie beschrieben sich selbst auch als weniger aggressiv und antisozial.

Narzissmus und Psychopathie

Die Verknüpfungen mit den Werten von Narzissmus und Psychopathie ergaben jedoch ein komplexeres Bild. Insbesondere Menschen mit gesunden Persönlichkeiten punkteten tendenziell geringer in den maladaptiven Aspekten des Narzissmus wie Ausbeutung, dafür relativ höher in den potenziell adaptiven Aspekten der Grandiosität und Selbstständigkeit.

In ähnlicher Weise punkteten Menschen mit gesünderen Persönlichkeiten bei den maladaptiven Facetten von Psychopathie wie Schuldzuweisungen, Externalisierung oder Enthemmung, aber relativ höher bei den adaptiveren Facetten dieser Skalen wie Stressimmunität oder Kühnheit.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Personality and Societal Psychology - DOI 10.17605/OSF.IO/7WXKP

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