Gier

Persönlichkeitspsychologie

Definition: Die Gier ist ein Streben nach mehr, immer mehr...dieses Bedürfnis kann nicht gestillt werden. Sie zeichnet sich durch die Bereitschaft aus, auch auf Kosten anderer zu handeln.

Gierige Menschen sind blind für Warnungen

Gier ist kein guter Lehrmeister: Deutsche Forscher konnten eine Verbindung zwischen dem riskanten Verhalten einer Person, ihrer fehlenden Fähigkeit zu lernen und ihrer Gier (als Charaktermerkmal) herstellen.

Psychologe Patrick Mussel und Kollegen stellten sich die Frage (angesichts der weltweiten Finanzkrise), inwiefern das Persönlichkeitsmerkmal Gier Aussagen über riskante Handlungsweisen machen kann.

Gier-Test

Dazu entwickelten die Forscher der Universität Würzburg einen Fragebogen, der die Ausprägung der Gier des Befragten erfassen sollte.

"Der Test [zur Gier] erfasst den Wunsch nach mehr, koste es was es wolle - einschließlich einem exzessiven Streben nach materiellen Gütern", erklärt Mussel in der Zeitschrift Social Neuroscience: "Eine gierige Person zeichnet sich in unserer Definition durch die Bereitschaft aus, dass ihr Streben nach mehr auf Kosten von anderen geht."

Die Wissenschaftler ließen 20 Wirtschaftsstudenten die sogenannte "Balloon-Analogue-Risk-Task" Aufgabe ausführen, bei der die Teilnehmer einen auf einem Monitor dargestellten Ballon aufpumpen sollten. Der Gewinn sollte dabei von der Menge der Luft abhängen, die die Teilnehmer hineinpumpten. Jedoch gewann man nichts, wenn der Ballon platzte. Der Gewinner sollte schließlich einen realen Preis bekommen. Anschließend füllten die Teilnehmer den 'Gier-Test' aus.

Die Gierigeren pumpten mehr

Nicht überraschend, pumpten die - laut Test - gierigeren Teilnehmer den Ballon mehr auf als die nicht so gierigen Probanden. Die Versuchspersonen zeigten also einen Zusammenhang zwischen Ausprägung der Gier und riskantem Verhalten.

Interessanterweise steigerte sich dieser Effekt, wenn die Probanden mit der Biografie eines Menschen mit ausgeprägter Gier beschäftigen sollten. "Hier wurde das Persönlichkeitsmerkmal Gier gewissermaßen aktiviert", sagt Mussel.

Lernen aus Fehlern

Durch die Aufzeichnung der zugrundeliegenden kognitiven Prozesse während der Aufgabe mit einem Elektroenzephalogramm (EEG), konnten die Forscher feststellen, dass Teilnehmer mit hoher Ausprägung der Gier eine charakteristische Reaktion auf den Stimulus des Ballonplatzens vermissen ließen.

Gierige Probanden zeigten beim Aufpumpen des Ballons fast immer die gleiche Reaktion, egal ob sie erfolgreich waren oder nicht.
Die Forscher nehmen deshalb an, dass gierige Menschen Probleme haben, aus Fehlern zu lernen und ihr Handeln danach auszurichten.

Auch Psychopathen haben laut früheren Untersuchungen damit ihre Schwierigkeiten.

Den Effekt erklären sich die Wissenschaftler damit, dass warnende/negative Stimuli aus der Umgebung von gierigen Menschen schlichtweg ignoriert werden und deshalb gleichbleibend riskant handeln (siehe Spekulationsblasen).

Dieses riskante (und ignorante) Verhalten dürfte auch durch bestimmte Faktoren ausgelöst bwz. verstärkt werden (bspw. hohe Boni für Manager).

© PSYLEX.de - Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg / Social Neuroscience, Oktober 2014

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