Narzissmus (Psychologie, Psyche)

Persönlichkeitspsychologie

Forschung und Newsartikel zur Psychologie des Narzissmus: der (übertriebenen) Selbstverliebtheit, die sich oft egozentrisch, arrogant und ausgeprägt selbstsüchtig zeigt.

Kann man Narzissten an ihrer Sprache erkennen?

08.04.2015 Der übermäßige Gebrauch von Personalpronomen der 1. Person Singular, oder einer 'Ich-Sprache' ist nicht eindeutig mit Narzissmus und einer übermäßiger Selbstfokussierung verbunden.

Entgegengesetzt der weit verbreiteten Ansicht, eine übermäßige Verwendung von Singularpronomen der 1. Person - also Wörter wie 'ich', 'mir' und 'mich' - zeigt nicht unbedingt eine narzisstische Tendenz an laut einer Studie der Psychologin Angela Carey und ihrem Team von der Universität von Arizona.

Ich-bezogene Wörter

Narzissten haben ein unrealistisches Überlegenheitsgefühl, schätzen ihre Wichtigkeit zu hoch ein und legen einen zu hohen Fokus auf sich selbst, sagte Koautor Matthias Mehl in Journal of Personality and Social Psychology. Deshalb scheint es vernünftig anzunehmen, dass Narzissten häufig 'Ich-bezogene' Wörter benutzen.

Diese These wurde bereits 1988 an der University of California, Berkeley getestet und der Zusammenhang bestätigt; jedoch bestand die Studie nur aus 48 Teilnehmern. Seitdem konnte keine weitere wissenschaftliche Studie die damaligen Befunde wiederholen. Weil es aber in der Gesellschaft eine solch verbreitete Auffassung hinsichtlich dieser Hypothese gibt, wollten die Forscher sie noch einmal unter einer strengeren Umgebung testen.

Kultureller Vergleich

Carey und Mehl arbeiteten mit Wissenschaftlern von vier anderen Universitäten in den USA und zwei in Deutschland zusammen, um mehr als 4.800 Teilnehmer für die Studie zu rekrutieren (67% waren Frauen). Die Teilnehmer sollten über sich oder ein neutrales Thema reden oder schreiben. Außerdem wurden sie auf Narzissmus getestet. Ihr Punktestand beim Narzissmus-Test wurde dann mit ihrem Gebrauch der Personalpronomen in der 1.Person Singular verglichen.

Ergebnis: Es gab keinen Zusammenhang. Ein leicht höherer Zusammenhang bei den Männern war jedoch nicht statistisch bedeutsam.

"Der interessanteste Befund ist, dass sich die Ergebnisse zwischen den beiden Ländern (Deutschland und USA) nicht sehr unterschieden", sagte Mehl. "Wir waren sehr davon überrascht, wie einheitlich dieser nahe-null Befund war."

Narzissten zu identifizieren, ist wichtig, sagte Carey. Weil ihr Größenwahn, Selbstfokus und ihre Selbstüberschätzung langfristig gesellschaftlich toxisch werden und negative Folgen für Beziehungen haben können.

"Die nächste Frage ist natürlich: Wie sonst - wenn nicht durch die ich-bezogene Sprache - offenbart sich Narzissmus durch die Sprache", sagte sie. "Wir arbeiten an dieser Frage in einer Folgestudie mit Hilfe derselben Daten."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Arizona, Journal of Personality and Social Psychology; April 2015

Unterschiede zwischen Narzissmus und hoher Selbstachtung

13.02.2016 Trotz der weitverbreiteten Ansicht, dass Narzissten ein äußerst hohes Selbstwertgefühl oder Selbstachtung haben, zeigt eine neue Studie, dass die Eigenschaften von Narzissmus und hohem Selbstwertgefühl sich viel deutlicher unterscheiden und unzusammenhängender sind als die meisten Menschen glauben.

Nach der Überprüfung der Forschungsliteratur konnten Wissenschaftler mehrerer Universitäten die folgenden Unterschiede zwischen Narzissten und Menschen mit hoher Selbstachtung feststellen:

Überlegenheitsgefühl und Selbstakzeptanz

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Bild: Gerd Altmann

Narzissten fühlen sich anderen überlegen, aber sich selbst mögen sie nicht unbedingt. Tatsächlich hängen die Gefühle der Narzissten sich selbst gegenüber vollständig von den Meinungen anderer ab.

Im Gegensatz dazu denken Menschen mit hohem Selbstwertgefühl nicht, dass sie anderen überlegen sind, und sie neigen dazu, sich selbst zu akzeptieren - ohne Rücksicht darauf, was andere über sie denken.

"Auf den ersten Blick scheinen Narzissmus und Selbstwertschätzung ein und dasselbe zu sein, aber sie unterscheiden sich in ihrer eigentlichen Natur", sagte Studienautor Eddie Brummelman von der Universität Amsterdam. "Narzissten fühlen sich anderen überlegen, aber sind nicht unbedingt mit sich selbst zufrieden."

Beziehungsfähigkeit und Suche nach Bewunderung

Narzissten haben wenig übrig für warme, vertraute Beziehungen. Ihr Hauptziel im Leben ist: anderen zu zeigen, wie überlegen sie sind; und sie sehnen sich und suchen konstant Bewunderung von anderen. Wenn Narzissen die Bewunderung erhalten, die sie sich so sehr wünschen, fühlen sie sich stolz und begeistert. Bekommen sie aber nicht die ersehnte Aufmerksamkeit, fühlen sie sich beschämt und können auch verärgert und aggressiv reagieren.

Leute mit großem 'Selbstbewusstsein' sind dagegen mit sich zufrieden und empfinden kein besonders ausgeprägten Sinn der Überlegenheit über andere. Stattdessen nehmen sie sich als wertvolle Personen war, aber nicht als wertvoller als andere. Sie wünschen enge, vertraute Beziehungen zu anderen Menschen und müssen nicht übertrieben bewundert werden. Personen mit hohem Selbstwertgefühl werden selten aggressiv oder böse gegenüber anderen.

Abgesehen von den Unterschieden in der Persönlichkeit und den Folgen haben Narzissmus und Selbstachtung bemerkenswert deutliche unterschiedliche Kindheitsursprünge, und sie entwickeln sich im Verlaufe des Lebens auch unterschiedlich, schreiben die Autoren in Current Directions in Psychological Science.

Lebensqualität

Zusammenfassend ist ein starkes Selbstwertgefühl eine positive, das Leben verbessernde Qualität, während Narzissmus eine ungesunde Eigenschaft ist, die letztlich ins Unglück führt.
Interventionen sollten Menschen mit narzisstischen Eigenschaften helfen, wahren Selbstwert zu entwickeln.

"Die Unterscheidung zwischen Narzissmus und Selbstwertschätzung hat wichtige Auswirkungen auf die Behandlungsbemühungen. In den letzten Jahrzehnten ist die westliche Jugend zunehmend narzisstisch geworden. Es ist deshalb wichtig, Behandlungen zu entwickeln, die Narzissmus zügeln und den Selbstwert steigern", sagt Brummelman.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Amsterdam, Current Directions in Psychological Science; Feb. 2016

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