Selbstüberschätzung, Vermessenheitsverzerrung

Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl ist die Wertung, die man von sich, seinen Fähigkeiten, seiner Persönlichkeit hat. Selbstüberschätzung verzerrt diese Einschätzung.

Übersteigertes Selbstvertrauen schlägt zuweilen Besonnenheit

Eine Forschungsstudie stellt fest, dass fehlerhafte Überzeugungen sich manchmal als nützlich erweisen können.

Übersteigertes Selbstvertrauen ist manchmal nützlich

Forscher entdeckten, dass in einigen Situationen blindes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Herausforderungen zu meistern oder Konflikte zu gewinnen - auch bekannt als Selbstüberschätzung, eine gute Sache sein kann.

Die Studie ist in der Zeitschrift Nature herausgegeben worden.

Die Forscher stellten fest, dass übersteigertes Selbstvertrauen tatsächlich genaue Beurteilungen/Untersuchungen in einer großen Vielfalt von Situationen schlägt, sei es im Sport, Geschäftsleben oder sogar im Krieg.

Manchmal schlägt es fehl

Jedoch kann diese aggressive Perspektive zu bedeutsamen Ausfällen oder Fehlentscheidungen führen. In der Studie führen die Autoren den finanziellen Zusammenbruch 2008 und den Irak Krieg 2003 als Beispiele dafür an, als ein extrem übersteigertes Selbstvertrauen fehlschlug.


Bild: Übersteigertes Selbstvertrauen ? ;-)

Forscher von der Universität von Edinburgh und der University of California, San Diego verwendeten ein mathematisches Modell, um die Auswirkungen der Selbstüberschätzung über Generationen zu simulieren. Das Modell stellte übertrieben zuversichtliche Strategien, genauen/angemessenen und solchen mit weniger zuversichtlichen Strategien gegenüber.

Die Forscher stellten fest, dass übersteigertes Selbstvertrauen häufig belohnt wird, solange die mit dem Konflikt verbundenen Belohnungen groß genug sind, verglichen mit den Kosten, die dafür aufgewendet werden müssen.

Im Kontrast dazu, geht es Leuten mit unvoreingenommenen, genauen Wahrnehmungen normalerweise schlechter.

Evolution begünstigte auch ein übersteigertes Selbstvertrauen

Die Befunde unterstützen die Ansicht, dass über einem langen Zeitraum das evolutionäre Prinzip der natürlichen Zuchtwahl wahrscheinlich eine Ausrichtung auf eine Selbstüberschätzung bevorzugt haben wird.

Leute mit einer "bulish" (voranstürmenden) Mentalität würden vermutlich mehr Nachkommen erzeugen als jene mit einer reservierteren Perspektive.

Das evolutionäre Modell zeigte auch, dass übersteigertes Selbstvertrauen in Anbetracht von hohen Ungewissheit- und Risiko-Leveln am meisten belohnt wird. Wenn wir unbekannten Feinden oder neuen Technologien gegenüber stehen, wird übersteigertes Selbstvertrauen zu einer noch besseren Strategie.

"Das Modell zeigt, dass übersteigerte Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten sich plausibel entwickeln kann in einem breiten Spektrum von Umwelten, wie auch in Situationen in denen es dann fehlschlägt.

Die Frage ist jetzt, wie man menschliches übersteigertes Selbstvertrauen kanalisieren kann, so dass wir davon profitieren können, während wir die gelegentlichen Katastrophen vermeiden", sagte Forscher Dominic Johnson, Ph.D.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Nature, Sept. 2011

Warum man nicht auf 'alleswissende' Experten hören sollte

Psychologen fanden in mehreren Experimenten heraus: Je mehr eine Person ihr eigenes Wissen zu einem Thema überschätzte, desto wahrscheinlicher hielt sie erfundene 'Fakten' für wahr.

Selbsternannte Experten

In einer in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlichten Studie nahmen 100 Menschen an einem Quiz zu allgemeinen Fragen über Finanzthemen teil. Allen wurden Termini (Fachbegriffe) aus dem Finanzwesen genannt, von denen die meisten real waren - aber nicht alle.

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Bild von: Gerd Altmann

Drei Termini waren aber erfunden: 'Vorbewertete Bestände', 'festverzinslicher Abzug' und 'annualisierter Kredit'.

Die selbsternannten finanziellen Experten behaupteten mit größerer Wahrscheinlichkeit, dass sie über diese drei völlig erfundenen Begriffe Bescheid wussten.

Je höher die Teilnehmer ihr eigenes Wissen zu finanziellen Dingen im Allgemeinen einschätzten, desto eher fühlten sie sich in der Lage, diese erfundenen Fachbegriffe zu erklären.

Trotz besseren 'Wissens'

Dasselbe Muster tauchte auch bei anderen Fachbereichen auf, wie z.B. in der Biologie, Literatur, Philosophie und Geographie.

Und obwohl die Teilnehmer in einem weiteren Experiment davor gewarnt wurden, dass mehrere der Begriffe erfunden waren, überschätzten einige der Personen, die sich für Experten hielten, ihr Wissen.

Die Biologie-'Experten' behaupteten z.B., sie wüssten was 'Metatoxine' sind und was 'biosexuell' bedeutet.

Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenz

In einem dritten Experiment wollten die Wissenschaftler bestätigen, dass die Selbsteinschätzung der eigenen Kompetenz die Menschen zu diesem Verhalten antreibt.

Hier wurden die Teilnehmer zufällig drei Gruppen zugeteilt: 1/3 nahm an einem 'leichten' Geographie-Quiz teil und 'bestand' dieses ohne Mühe, so dass sie sich selbst für 'Experten' auf diesem Gebiet hielten. Das 2. Drittel nahm an einem schweren Quiz teil und der Rest machte kein Quiz mit.

Es zeigte sich, dass die Geographie-'Experten' sehr 'viel mehr wussten' als die anderen beiden Gruppen: Sie wussten Bescheid über die frei erfundene Stadt 'Kaschmir in Oregon'.

Studienautorin Stav Atir von der Cornell University sagte, dass ein wenig Wissen wirklich eine gefährliche Sache sein kann:

"Unsere Arbeit legt nahe, dass die scheinbar einfache Aufgabe, das eigene Wissen zu beurteilen, doch nicht so einfach ist. Dies gilt insbesondere für Personen, die glauben, einen relativ hohen Wissensstand zu haben."

Die Forscher wollen nun versuchen herauszufinden, warum sich Menschen in dieser Form selbstüberschätzen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychological Science; Juli 2015

Wie übergroßes Selbstvertrauen zu schlechten Entscheidungen führen kann

15.08.2016 Die Verbindung zwischen einem übergroßen Selbstvertrauen und einer schlechten Entscheidungsbildung wurde von Psychologen und Neurowissenschaftlern der Monash Universität und dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften untersucht.

Metakognitive Fähigkeit

Menschen variieren stark in ihrer Wahrnehmung dessen, was sie glauben zu wissen und was sie nicht wissen - der metakognitiven Fähigkeit, und im Allgemeinen sind sie zu zuversichtlich, wenn sie ihre eigenen Leistungen bewerten und überschätzen sie. Das führt häufig zu einer schlechten Entscheidungsfindung mit potenziell unglückseligen Folgen laut der im Fachblatt Social, Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlichten Studie.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten aus dem ReSource Projekt, einer großen Studie zu östlichen und westlichen mentalen Trainingsprogrammen, die am Max Planck Institut durchgeführt wurde.

Die Versuchspersonen wurden im MRT-Scanner beobachtet, während sie Aufgaben zur sozialen Kognition durchführten. Dabei beobachteten die Freiwilligen eine Person in einem Video, die eine Geschichte erzählte, und sollten dann eine schwierige Frage zu den Aussagen der Person beantworten.

Anschließend sollten die Probanden angeben, wie überzeugt sie von der Richtigkeit ihrer Antwort waren. Die Forscher maßen dann, wie gut die Versuchsteilnehmer bei der Bewertung ihrer eigenen Akkuratesse waren; ein Prozess, der Metakognition genannt wird.

Aktivitäten im Gehirn

Je überzeugter die Testteilnehmer von ihrer Leistung waren, desto höher war die Aktivierung in Gehirnregionen wie dem Striatum, ein Bereich, der mit der Belohnungsverarbeitung verbunden wird, sagte Studienautor Dr. Pascal Molenberghs vom Fachbereich für Psychologie an der Monash.

Aber zu viel Vertrauen ging mit einer schlechteren metakognitiven Fähigkeit einher, sagte Koautor Fynn-Mathis Trautwein.

Höhere metakognitive Genauigkeit war mit einer Abnahme der Aktivität im vorderen mittleren präfrontalen Kortex verbunden, eine bereits mit der Metakognition zur Wahrnehmung und dem Gedächtnis verbundene Region.

Zusammengefasst zeigen die Befunde, dass, obwohl Zuversicht eine belohnungsartige Komponente besitzt, kann sie zu einem übersteigerten Selbstvertrauen führen, das wiederum die Entscheidungsbildung untergraben kann.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Monash Universität, Social, Cognitive and Affective Neuroscience - DOI: 10.1093/scan/nsw093; August 2016

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