Weisheit (Psychologie)

Persönlichkeitspsychologie

Definition

Definition: Weisheit im Sinne Platons bezeichnet die Erkenntnis der realen Welt, die allein die Philosophen innehaben. Diese gehen über die Ideenwelt hinaus und erkennen, dass sich die Wirklichkeit anders verhält als die 'Schatten', die die übrigen Menschen für die Realität halten.

Im aristotelischen Sinn ist die Weisheit quasi die Tugend schlechthin. Denn für Aristoteles besteht Tugend darin, von zwei Extremen die Mitte zu finden (Verschwendung und Geiz, Übermut und Feigheit usw.). Und Weisheit ist genau die Tugend, die einen Menschen dazu fähig macht, diese Mitte zu treffen.

Quelle der Weisheit Älterer

Ein langsameres Gehirn kann ein weiseres Gehirn sein. Neue Forschung belegt, dass Weisheit sich mit dem Altern entwickelt, und dass Weisheit das Ergebnis einer Verlangsamung des Gehirns und der Reduzierung der Impulsivität ist.

Verlangsamung des Gehirns - Quelle der Weisheit Älterer

"Ältere Leute reagieren wahrscheinlich weniger gedankenlos auf negative emotionale Stimuli, weil ihre Gehirne sich verlangsamt haben, verglichen mit denen jüngerer Menschen. Dies ist in der Tat das, was wir Weisheit nennen, "sagte Professor Dilip Jeste der University of California, San Diego, der die Forschungsstudie führte.

Während allgemein angenommen wird, dass es für ältere Leute schwierig ist, neue Fähigkeiten zu lernen - z.B.: "Sie können keinem alten Hund neue Kunststücke lehren" - scheint dies eine falsche Vorstellung zu sein.

Frühere Forschungen haben klar gemacht, dass sogar nach Hirnschäden, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, das Gehirn eine erstaunliche Fähigkeit hat, verloren gegangene Funktionen zu regenerieren. Nach Schäden an einem Teil des Gehirns sind andere Bereiche des Gehirns in der Lage, durch Lernen von neuen Funktionen dies zu kompensieren.

Diese Fähigkeit ist als Neuroplastizität bekannt und scheint während des ganzen Lebens weiterzugehen.

Jeste studierte 3.000 San Diego Bewohner im Alter von 60 bis 100. Über eine Periode von drei Monaten wurden die Studienteilnehmer geprüft, ob sie in der Lage waren, eine neue Fähigkeit wie Jonglieren zu lernen. Ihre Fähigkeit zu lernen wurde von MRI Scans durch Überprüfung auf charakteristische Gehirnänderungen bestätigt. Eine bedeutsame Änderung wurde im Bereich des Gehirns entdeckt, die die Antizipation von Wahrnehmungen einschließt.

Neuroplastizität bleibt während des gesamten Lebens

Professor Jeste kommentierte, "wahrscheinlich der aufregendste Durchbruch im letzten Jahrzehnt ist der Befund gewesen, dass diese Neuroplastizität, die Fähigkeit, Neuronen und Synapsen zu generieren, während des ganzen Lebens einer Person weitergeht. MRI Scans haben auch die vier Regionen des Gehirns identifiziert, die zu Weisheit (Amygdala und der linke präfrontale Cortex, der mediale präfrontale cortex, und der dorsolaterale präfrontale Cortex) beitragen. Bei älteren Menschen zeigt sich mehr Aktivität zwischen diesen Regionen als bei jüngeren Leute".

Ältere werden weniger von Emotionen kontrolliert

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Bild: Dopamin

"Das ältere Gehirn ist weniger von Dopamin abhängig, was dadurch weniger impulsiv ist und weniger von Emotionen kontrolliert wird", fand Jeste heraus.

Dopamin ist eine Substanz, die viele Funktionen im Körper hat. Während nicht alle Wirkungen des Dopamins im Gehirn vollständig verstanden werden, wird angenommen, dass Dopamin nicht nur ein Belohnungsaspekt beim Lernen ist, sondern auch als eine Art 'wollen' und 'sich gut fühlen' Substanz ist.

Ältere treffen klügere Entscheidungen

Dadurch, dass ältere Menschen auf unmittelbare Belohnung bzw. Genugtuung weniger angewiesen sind, können sie sich mehr Zeit nehmen, um Handlungen sorgfältig abzuwägen, und sie treffen deshalb klügere Entscheidungen.

Jeste schließt aus seinen Ergebnissen, dass, obwohl ältere Leute einige physische Fähigkeiten verlieren können, sie Vertrauen durch die Kenntnis darüber gewinnen sollten, dass sie klüger werden und neue Fähigkeiten mit dem Alter entwickeln können.

Professor Jeste's Forschungsergebnisse wurden auf dem Royal College of Psychiatrists' International Congress in Edinburgh präsentiert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The Royal College of Psychiatrists, Juni 2010

Weisheit: Eine Fähigkeit des Verstandes und des Herzens (wortwörtlich)?

08.04.2016 Die Schwankungen des Herzschlags können eigene 'Weisheit' beeinflussen laut einer in der Zeitschrift Frontiers in Behavioral Neuroscience veröffentlichten Studie der Universität Waterloo.

Variabilität der Herzrate

Die menschliche Herzrate neigt selbst im Gleichgewichtszustand (Steady-State) - wie z.B. im Sitzen - zu Schwankungen. Die Rate der Herz-Variabilität meint die zeitlichen Schwankungen zwischen den Herzschlägen und ist mit der Kontrolle von Organ-Funktionen durch das Nervensystem verbunden.


Bild: Gerd Altmann

Die Forscher der aktuellen Studie fanden, dass Menschen mit stärker variierender Herzrate auf eine weisere und weniger voreingenommene Weise über gesellschaftliche Probleme vernünftig urteilen können, wenn sie aufgefordert wurden, über ein soziales Problem aus der Perspektive einer dritten Person nachzudenken.

Sollten die Teilnehmer der Studie jedoch aus der eigenen Perspektive vernünftig urteilen, konnte keine Beziehung zwischen Herzrate und weiserem Urteil festgestellt werden.

"Wir wussten bereits, dass Menschen mit größerer Schwankung der Herzrate eine höhere Leistung bei den Exekutivfunktionen des Gehirns - wie dem Arbeitsgedächtnis - zeigen", sagt Studienautor und Psychologie-Professor Igor Grossmann.

Jedoch bedeutet dies nicht notwendigerweise, dass diese Leute tatsächlich klüger oder weiser sind - tatsächlich benutzen einige Menschen ihre kognitiven Fähigkeiten, um unkluge Entscheidungen zu treffen.

Um ihre kognitiven geistigen Anlagen für klügere Urteile zu kanalisieren, müssen Personen mit einer größeren Variabilität der Herzrate zuerst ihre egozentrischen Ansichten überwinden, sagte er.

Definition weiser Urteilsfähigkeit

Weises Urteilen wurde in der Studie definiert als Fähigkeit,

Die Studie legt nahe, dass Schwankungen der Herzrate und denkende Prozesse zusammenarbeiten, um kluges Nachdenken über komplizierte soziale Probleme zu ermöglichen; sie öffnet damit eine Tür für die weitere Erforschung weiser Urteilsfähigkeit der sich hier überschneidenden kognitiven und physiologischen Forschungsbereiche.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Waterloo, Frontiers in Behavioral Neuroscience - http://dx.doi.org/10.3389/fnbeh.2016.00068; April 2016

Wer die eigenen Tugenden wertschätzt, denkt weiser

30.10.2017 Von Beziehungsproblemen bei Freunden bis hin zu Spannungen auf der Arbeit können wir die Probleme anderer Menschen oft besser verstehen als unsere eigenen - denn während wir die Probleme unserer Freunde mit weiser und klarer Objektivität angehen, betrachten wir unsere eigenen Probleme oft durch eine persönliche, fehlerhafte und emotionale Linse.

Eine neue psychologische Forschungsarbeit legt nahe, dass nicht jeder Probleme hat, seine eigenen persönlichen Probleme vernünftig, klug bzw. weise anzugehen. Menschen, die motiviert sind, das Beste in sich selbst und in anderen zu entwickeln, zeigen diese Voreingenommenheit nicht - sie denken genauso weise über ihre eigenen Probleme nach wie bei den Problemen anderer.

Intellektuelle Bescheidenheit / Demut

Menschen, die ihre eigenen Tugenden (Vorzüge, hervorragenden Eigenschaften) schätzen, sind laut den Befunden eher in der Lage, kluge weitreichende Entscheidungen für sich selbst zu treffen und persönliche Vorurteile - beobachtet in früheren psychologischen Studien - zu überwinden, erklärt der Psychologe Alex Huynh vom Fachbereich Psychologie der Universität Waterloo.

Das läge zum Teil daran, dass sie erkennen können, dass ihre Perspektiven vielleicht nicht ausreichen, um eine Situation vollständig zu verstehen, ein Konzept, das als intellektuelle Bescheidenheit bzw. Demut bezeichnet wird.

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Bild: Sophie Janotta

Frühere Forschungsarbeiten haben sich in der Regel auf die Frage konzentriert, wie sich Situationen auf das Niveau weiser Argumentation auswirken können, aber die aktuellen Ergebnisse legen nahe, dass auch persönliche Motivationen eine Rolle spielen können.

Tugend und Weisheit

Dies ist die erste Arbeit, die diese Konzeptualisierung von Tugend und Weisheit hinterfragt, eine Verbindung, die die Philosophen seit über zwei Jahrtausenden zum Gegenstand ihrer Überlegungen machen, sagte Huynh.

Um diese Verbindung zwischen persönlichen Idealen und dem Denken zu erforschen, befragten die Forscher 267 Universitätsstudenten mit Hilfe eines Fragebogens, inwieweit sie motiviert seien, ihren eigenen Tugenden zu folgen.

Dann sollten diese über einen persönlichen Konflikt oder den Konflikt eines engen Freundes nachdenken; sich vorstellen, dass der Konflikt noch ungelöst sei, und beschreiben, wie sie über die Situation dachten und fühlten.

Schließlich bewerteten sie, wie nützlich verschiedene kluge Denkstrategien (z. B. Suche nach einem Kompromiss, Einbringen einer Außenseiterperspektive) bei der Auseinandersetzung mit dem Konflikt wären.

Erwartungsgemäß hielten die Teilnehmer, die über das Dilemma eines Freundes nachdachten, klügere Strategien für sinnvoller als die Teilnehmer, die über ihre persönlichen Probleme nachdachten, schreiben die Studienautoren in der Fachzeitschrift Psychological Science.

Motivation, Tugenden höher einzuschätzen

Doch die Motivation, eigene Tugenden (also wichtige und erstrebenswert geltende Charaktereigenschaften, die eine Person befähigen, das sittlich Gute zu verwirklichen) zu verfolgen, schien diese Lücke zu schließen. Teilnehmer, die über persönliche Probleme nachdachten, bewerteten Strategien mit weisen Überlegungen als wertvoller, wenn die Motivation - die "Tugendlichkeit" höher einzuschätzen - größer war.

Weitere Analysen ergaben zwei bestimmte Aspekte klugen / weisen Denkens (Überlegungen), die am wichtigsten waren:

  1. die Betrachtung der Sichtweisen anderer Menschen und
  2. die intellektuelle Bescheidenheit.

Menschen, die eigene Tugenden wertschätzen, können klügere Gedanken bzw. Argumente vorbringen, weil sie erkennen, dass das Verständnis des vollen Umfangs ihres Problems es notwendig macht, über ihre persönliche Perspektive hinauszugehen.

Eine zweite Online-Studie mit 356 Teilnehmern ergab ähnliche Resultate.

Der übergroße Fokus auf die eigene Perspektive

Jeder ist anfällig dafür, sich zu sehr auf seine eigene Sicht der Dinge zu fokussieren, aber das trifft nicht für alle Menschen zu, schreiben die Psychologen. Wie diese Ergebnisse zeigen, können eigene Persönlichkeit und Motivationsorientierung die Fähigkeit beeinflussen, persönliche Probleme gelassener und klüger anzugehen, sagte Huynh.

Huynh und Kollegen hoffen, dieses Verhältnis in zusätzlichen experimentellen psychologischen Studien zu untersuchen, und zu überprüfen, ob das Training, tugendhafte Motive mehr zu schätzen - d. h., sich auf die persönlichen Ideale zu konzentrieren und einen Beitrag zur Förderung anderer zu leisten - die Fähigkeit verbessert, weisere Denkstrategien zu verwenden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Waterloo; Psychological Science - doi.org/10.1177/0956797617722621; Okt. 2017

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