Existentielle Psychologie

Psychologie-Lexikon - Philosophische Psychologie

Definition

Die existentielle Psychologie ist ein Bereich der P., der sich der Erforschung und Untersuchung existentieller Fragen widmet. Wobei auch die Auswirkung der Beschäftigung mit diesen Fragen auf die Psyche untersucht wird.

Ähnliche Begriffe

Existenzanalyse von Viktor Emil Frankl, nach der die geistige Dimension des Menschen in den Blick genommen wird und sein existenzielles Streben nach einer Bedeutung im Leben als dessen primäre Motivationskraft angesehen wird.

Die von Alfried Längle weiterentwickelte Existenzanalyse, die dem Menschen helfen möchte, mit innerer Zustimmung zum eigenen Handeln und Dasein leben zu können.

Die existentielle Therapie von Irvin David Yalom nimmt an, dass die Beschäftigung mit den existentiellen 'letzten' Fragen - Tod, Freiheit, Isolation und Sinnlosigkeit an sich schon heilsam für die menschliche Psyche ist.

Die Unterdrückung, Vermeidung existentieller Fragen, Glaubensfragen und die psychische Gesundheit

23.12.2016 Die Beschäftigung mit den existentiellen Fragen (wie z.B. Tod und Sterben, Sinn im Leben) ist mit einer besseren psychischen bzw. emotionalen Gesundheit verbunden.

Und die Vermeidung (die Angst) vor der Auseinandersetzung mit den existentiellen Fragen und Sorgen, Glaubensfragen - den großen Fragen des Lebens - ist verknüpft mit einer schlechteren psychischen Verfassung, wobei Depression, Ängstlichkeit und Probleme bei der Emotionsregulation verstärkt auftreten.

Tabu-Themen

Religiöse und spirituelle Konflikte - Glaubenskrisen oder Fragen zum Glauben, der Moral und des Sinns im Leben - dies sind häufig Tabu-Themen, und die Versuchung, sie wegzuschieben oder zu vermeiden ist stark, sagt die Professorin für Psychologie Julie Exline Professor von der Case Western Reserve Universität.

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Bild: Unsplash

Wenn die Menschen vermeiden, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, werden Angst und Depression tendentiell intensiver, als wenn sie sich diesen Fragen stellen, sagt sie.

Andersherum konnten die Psychologen feststellen, dass die offenene Konfrontation mit diesen grundsätzlichen Fragen und Werten des Lebens mit einer besseren psychischen Verfassung einherging.

Die Studie basierte auf einer Befragung von 307 Erwachsenen zu ihren jüngeren Lebenserfahrungen und wurde im Fachblatt Journal of Contextual Behavioral Science veröffentlicht.

Die Ergebnisse der Studie waren:

Das Unvermögen / die Vermeidung sich mit diesen grundsätzlichen existentiellen Fragen zu beschäftigen, kann zu sozialen Beeinträchtigungen führen; zu verlorenen Gelegenheiten, sich mit andersdenkenden Menschen oder unangenehmen Situationen zu beschäftigen, und kann sie als bedrohlich erscheinen lassen.

Dieses Vermeidungsverhalten kann zur Ablehnung ganzer Gruppen führen, basierend auf den religiösen Unterschieden oder der wahrgenommenen Inkongruenz - zum Beispiel aufgrund der Sexualität, geschlechtsbasierten Identität und religiösen oder nicht-religiösen Ansichten, sagte Exline.

Akzeptanz beunruhigender Gedanken

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann auf eine proaktivere Weise stattfinden. So scheinen Menschen emotional gesünder zu sein, wenn sie bedrückende bzw. beunruhigende Gedanken akzeptieren (lernen).

Spirituellen, religiösen bzw. existentiellen Zweifeln auf eine objektive Weise zu entgegnen, scheint zu helfen, sagte sie. Man mag sie aufarbeiten können oder nicht, aber zumindest kann man tolerieren, dass sie da sind.

Wann Vermeidung psychisch ungesund ist

Vermeidung selbst ist nicht ein Problem; eher kann das Verhalten problematisch werden, wenn die Flucht schädlich oder persönlichen Zielen abträglich ist, und zu einem starren Muster des Erlebens und der Reaktion auf die Welt wird.

Regelmäßige psychische Vermeidung kann es schwierig machen, sich mit Dingen zu identifizieren, sich mit ihnen zu beschäftigen oder die Qualitäten zu erfahren, die einem erst den Sinn des Leben geben, sagte die Psychologin.

Intrusive Gedanken

Es wird emotionale und kognitive Energie benötigt und aufgewendet, um diese existentiellen Gedanken wegzuschieben; aber das wird sie nicht daran hindern, sich im Laufe der Zeit wieder zu melden (intrusive Gedanken).

Ständig von diesen Gedanken aufgesucht zu werden, kann eine Belastung für die emotionale Gesundheit bedeuten, insbesondere, wenn jemand dies als moralisch nicht akzeptabel und gefährlich ansieht, schließt Exline.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Case Western Reserve Universität, Journal of Contextual Behavioral Science - DOI: 10.1016/j.jcbs.2016.10.002; Dez. 2016

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