Positive, glückliche, schöne Erinnerungen (Psychologie)

Positive Psychologie / Glücksforschung

Positive Erinnerungen stärken das Immunsystem

18.09.2014 Sich an das Positive zu erinnern, verbessert das Immunsystem und erhöht die Langlebigkeit bei älteren Menschen, laut einer in Psychology and Aging veröffentlichten Studie.

"Trotzdem viele Menschen das späte Lebensalter oft mit Untergangsstimmung und Trübsal in Verbindung bringen, sind ältere Leute oft positiver eingestellt als jüngere. Unsere Befunde legen nahe, dass dieser Fokus auf das Positive älteren Menschen hilft, ihre schwindende Gesundheit zu stärken", sagte Dr. Elise Kalokerinos von der University of Queensland, Australien.

In der Studie zeigten die Forscher 50 Erwachsenen im Alter zwischen 65 und 90 Jahren eine Reihe positiver und negativer Fotos. Die Teilnehmer wurden später darum gebeten, sich an die Fotos zu erinnern, während die Wissenschaftler ihre Immunfunktionen mit Hilfe von Blutproben maßen.

Die Forscher stellten fest, dass die Teilnehmer, die sich eher an die positiven als negativen Bilder erinnerten, verbesserte Immunfunktionen zeigten - bis zu zwei Jahre später (so lange wurde getestet).

Jemand, der sich eher auf die positiven Informationen als auf die negativen konzentriert, könnte besser in der Lage sein, mit stressenden Situationen zurechtzukommen. Er/sie könnte langfristig eine positivere Lebensauffassung annehmen, und positive soziale Interaktionen aufrechterhalten und so könnte dies dem Immunsystem zugute kommen, sagte die Forscherin.

"Wir wissen bereits, dass Glück/Wohlbefinden eine Reihe gesundheitlicher Vorteile bringt und diese Forschungsstudie zeigt, dass die Fokussierung auf positive Informationen den gleichen Effekt für ältere Menschen haben könnte."

"Diese Befunde weisen auf die Möglichkeit, dass die Menschen im späteren Alter positiver werden, und so ihre eigene Langlebigkeit erhöhen", sagte Kalokerinos.

© PSYLEX.de - Quelle: Psychology and Aging / University of Queensland, September 2014

Können positive Erinnerungen helfen, psychische Probleme zu behandeln?

21.04.2016 Eine in der Zeitschrift Psychology and Psychotherapy: Theory, Research and Practice veröffentlichte Studie der Universität Liverpool untersuchte, ob der Einsatz von positiven Erinnerungen in Interventionen wirksam positive Emotionen erzeugen kann.

In der von Dr. Peter Taylor vom Fachbereich für Psychologie, Gesundheit und Gesellschaft geleiteten Studie versuchten die Forscher durch mentale Bilder positiver Erinnerungen positive Affekte bzw. Emotionen auszulösen.

Bei 123 Teilnehmern wurden die autoaggressiven Tendenzen (schlecht über sich selbst denkend; sich selbst herabsetzend; verletzende, beleidigende Gedanken; Empfinden von Scham), soziale Sicherkeit (Gefühle der Wärme und Verbundenheit) und Freude über Fragebögen erfasst.

Broad Minded Affective Coping (BMAC)

Die Teilnehmer sollten dann eine jüngere positive Erinnerung, die sie zusammen mit einer anderen Person hatten, abrufen.

Im Anschluss daran folgten sie auditiven Instruktionen, die sie durch eine Entspannungsübung und ein therapeutisches Werkzeug namens soziales Broad Minded Affective Coping (BMAC) leitete, das zur Verbesserung von Stimmungen entwickelt wurde. Das Ziel der Entspannungsübung war, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf sich selbst und den Moment zu richten.

Die soziale BMAC-Intervention führte den Teilnehmer durch eine positive soziale Erinnerung. Die Probanden wurden dazu ermutigt, alle Sinne einzubinden, über die Bedeutung der Erinnerung nachzudenken, die positiven Gefühle zu genießen, die sie erlebten, und die positiven Gefühle der anderen Person(en) zu erwägen, darüber nachzudenken, welche Gefühle sie haben und welche Bedeutung diese für sie hätten. Dieses Gefühl sollte der Teilnehmer dann auskosten.

Bei den Teilnehmern wurden vor und nach der Intervention positive und negative Affekte, soziale Sicherkeit und Freude erfasst.

Es zeigte sich, dass warme positive Emotionen und das Gefühl sozialer Sicherheit verstärkt wurden, während der negative Affekt vermindert wurde.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Liverpool, Psychology and Psychotherapy: Theory, Research and Practice - DOI: 10.1111/papt.12095; April 2016

Warum glückliche Erinnerungen (trotzdem) oft schwinden

20.07.2017 Psychologen der Universität von Southern California berichten, dass die Hoffnung auf lebenslange Erinnerungen an eine glückliche Zeit nur Wunschdenken sein könnte.

Normalerweise nehmen viele an, dass man sich oft an glückliche Momente in der Vergangenheit erinnert - wie z.B. an eine romantische Reise nach Venedig oder Paris; doch die neuen Befunde zeigen, dass wir oft überschätzen, wie oft wir tatsächlich an diese angenehmen Erinnerungen denken oder darüber sprechen.

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Bild: Kelsey Vere (pixabay)

Die Forschungsarbeit legt sogar nahe: Je mehr Menschen erwarten, sich an solche glücklichen Momente zu erinnern, desto mehr überschätzen sie es.

Ablenkungen!

Ein Teil des Problems ist, dass wir vergessen uns zu erinnern, schreiben die Psychologen Stephanie Tully und Tom Meyvis. Wir glauben, dass wir uns diese Erfahrung / diese Erlebnisse für immer merken werden - aber berücksichtigen nicht die Ablenkungen des Alltagslebens, die diese schönen Erinnerungen schwerer zugänglich machen.

In zwei Experimenten zeigten Tully und Meyvis, dass Teilnehmer, die an ein zukünftiges Erlebnis dachten, vorhersagten, sie würden öfter an dieses Erlebnis denken und darüber sprechen, als andere Teilnehmer dies in Hinblick auf ein tatsächlich in der Vergangenheit erlebtes Ereignis gemacht haben.

Überschätzung!

Die Studienautoren demonstrierten diese Effekte in Längsschnittstudien, in denen sie dieselben Teilnehmer über eine längere Zeit beobachten konnten.

In einer Studie gingen die Teilnehmer zu einem U.S. Open Tennisturnier und sagten einen Tag später voraus, dass sie sich öfter daran erinnern würden, als sie es dann tatsächlich taten - wie sie dann zwei Monate später berichteten. Darüber hinaus galt:

Je mehr sie die Tennisspiele genossen, desto höher überschätzten sie ihr Erinnern daran.

In weiteren Experimenten konnte die psychologische Studie zeigen, dass sich diese Überschätzung auch auf andere Formen der Retrospektion erstreckt - wie das Anschauen von Fotos einer afrikanischen Safari und Tweeten über Beyond Wonderland, einem teuren Musikfestival.

Die Befunde bestätigten - so die Psychologen - dieser Effekt rührte nicht daher, weil die Menschen das Interesse verlieren.

Die Wissenschaftler betonen, dass sich der Wunsch zu erinnern nicht im Laufe der Zeit verändert. Stattdessen werden die vergangenen Erfahrungen im Laufe der Zeit weniger spürbar, und so vergessen die Menschen einfach, sich daran zu erinnern, sagte Tully.

Ein Memento erwerben

In einem abschließenden psychologischen Experiment betrachteten die Forscher die Auswirkung des Kaufens von Andenken.

Insbesondere Menschen, die Andenken, Souvenirs oder professionelle Fotos des untersuchten Ereignisses kauften, sagten nicht voraus, dass sie sich öfter erinnern oder über das Erlebnis sprechen würden als andere (die kein Andenken gekauft hatten).

Tatsächlich berichtete die Souvenir-Gruppe zwei Monate später aber über häufigere Erinnerungen an das Erlebte (und häufigeres Betrachten der Fotos). Digitale Fotos zeigten sich nicht so effektiv.

Erreichbarkeit der Erfahrung, der Erinnerung

Diese Ergebnisse stimmen mit der Annahme überein, dass die tatsächliche Retrospektion stark von der Erreichbarkeit der Erfahrung abhängt, die durch sichtbare Erinnerungsgegenstände unterstützt wird, schreiben die Psychologen im Fachblatt Journal of Personality and Social Psychology.

Mit anderen Worten, wenn Sie ein Souvenir kaufen möchten, tun Sie es, sagen die Wissenschaftler. Mit dem Miniatur-Eiffelturm oder der Gondel auf dem Schreibtisch, wird man sich definitiv öfter an glückliche Momente in Paris bzw. Venedig erinnern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Southern California; Journal of Personality and Social Psychology - DOI: 10.1037/pspa0000094; Juli 2017

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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