Alibi (Psychologie)

News und Forschung zur Psychologie der Aussage (Alibi)

Kompromittierendes Alibi wird glaubwürdiger, wenn man es zuerst verleugnet

21.06.2016 Wenn Sie eines Verbrechens verdächtigt werden, erscheinen Sie mit größerer Wahrscheinlichkeit glaubhafter, wenn Sie zuerst hinsichtlich eines Alibis lügen, und erst danach zugeben, dass Sie sich in der Gesellschaft einer - Sie kompromittierenden - Person (Liebschaft) befanden: Dies ist noch glaubwürdiger, als wenn Sie dieses 'schlüpfrige' Alibi sofort zugegeben hätten.

Rechtssychologe Dr. Ricardo Nieuwkamp entdeckte dies während seiner Forschung über Alibis an der Maastricht Universität.

Alibi ('anderswo')

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Bild: Gerd Altmann

Ein Alibi ist die Behauptung eines Verdächtigen, dass er oder sie das angebliche Verbrechen nicht begangen haben konnte, weil er/sie zur Zeit des Ereignisses an einem anderen Ort war. In der Studie von Nieuwkamp wurde die Kombination eines kompromittierenden Alibis und sich verändernden Alibis bzw. das Beibehalten des ursprünglichen untersucht.

Glaubwürdigeres Alibi

Die Befunde früherer Forschungen hatten gezeigt, dass ein kompromittierendes Alibi glaubwürdiger ist, und dass es mit einer Abnahme der Vertrauenswürdigkeit verbunden ist, sobald der Verdächtige sein Alibi ändert.

Die aktuelle Studie allerdings demonstriert, dass eine Änderung des Alibis zu mehr Glaubwürdigkeit führen kann, wenn es eine Erklärung dafür gibt.

Zum Beispiel: Der Verdächtige lügt bezüglich seines ursprünglichen Alibis, weil er sich des Aufenthalts bei seiner Geliebten schämt, aber wird glaubhaft, indem er später die wahren Verhältnisse zugibt.

Glaubwürdiger: Fehler oder absichtliche Lüge?

Nieuwkamp führte seine Studie mit 150 Teilnehmern (37 Männer) im Alter zwischen 18 und 74 Jahren aus, die alle eine fiktive Kriminalgeschichte lasen. Der 'Verdächtige' nannte entweder das wahre Alibi sofort, oder nannte zuerst ein falsches Alibi und später während des nächsten Verhörs das wahre Alibi.

Die Hälfte der Teilnehmer bekamen im Experiment zuerst ein kompromittierendes als das 'wahre' Alibi präsentiert; der anderen Hälfte wurde ein nicht-kompromittierendes Alibi geboten. Schließlich wurde den Teilnehmern auch der Grund gegeben, warum der Verdächtige ein falsches Alibi am Anfang genannt hatte: Es war entweder ein Fehler oder eine absichtliche Lüge.

Die Teilnehmer sollten die Glaubwürdigkeit dieses Alibis bestimmen, und es wurden dann die Punktwerte zwischen den Gruppen ermittelt.

Es zeigte sich, dass die Glaubwürdigkeit zunahm, wenn der/die Verdächtige sein ursprüngliches Alibi in einen Aufenthalt in einem Hotel mit seiner/ihrem Geliebten veränderte.

Besser noch: Wenn der Verdächtige sofort aussagte, dass er mit seiner Geliebten zusammen war, wurde dieses Alibi als weniger glaubwürdig erachtet, als wenn zuerst darüber gelogen wurde. Dieser Effekt war stärker, als wenn das erste Alibi aufgrund "eines Fehlers" falsch war.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Maastricht Universität; Juni 2016

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