Vergewaltigung (Psychologie)

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News/Forschung zur Psychologie der Vergewaltigung

Emotionale Vergewaltigungsopfer werden als glaubwürdiger empfunden

14.09.2019 Vergewaltigungsanzeigen, die psychologisch / emotional gestresst bei der Polizei aufgenommen werden, werden als glaubwürdiger wahrgenommen als emotional kontrolliert vorgetragene Vergewaltigungsvorwürfe, berichtet eine im Psychological Bulletin veröffentlichte Forschungsarbeit.

Faye Nitschke vom Fachbereich Psychologie der Universität Queensland sagt, die Ergebnisse seien alarmierend, da Emotionen nichts mit Ehrlichkeit oder Genauigkeit zu tun haben.

Glaubwürdigkeit der Aussagen

Im Durchschnitt gehen nur neun Prozent der Vergewaltigungsvorwürfe gegenüber der Polizei in Australien, den Vereinigten Staaten und Europa vor Gericht, sagt Nitschke.

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Bild: Ulrike Mai

In bis zu 88 Prozent der Vergewaltigungsfälle kennen sich Vergewaltigungsopfer und der Beschuldigte - Bekannte oder Dates - und die Aussage der Beschwerdeführerin über die Zustimmung ist entscheidend.

Das Team analysierte 20 Studien mit 3.128 Teilnehmern, die Strafrechtsexperten, Community-Mitglieder und Scheinjuroren waren.

Die Psychologen fanden heraus, dass vermeintliche Vergewaltigungsopfer mit verzweifeltem emotionalen Verhalten als glaubwürdiger wahrgenommen wurden als ihre emotional kontrollierteren Gegenparts und Beschwerdeführer, die andere Emotionen zeigten, sagte Frau Nitschke.

Viele vergewaltigte Frauen / Männer zeigen bei der Zeugenaussage keinen Distress (psychologische Belastung), so dass die Wirkung von Emotionen bei Glaubwürdigkeitsentscheidungen eine Erklärung für die unverhältnismäßig hohe Zahl von Vergewaltigungsfällen sein kann, die im Strafrechtssystem nicht vor Gericht gestellt werden, schreibt die Psychologin.

Emotionales Verhalten ist kein zuverlässiger Indikator für Ehrlichkeit

Es sei ein besonders besorgniserregendes Ergebnis, dass Strafjustizexperten, einschließlich Richter, Polizeibeamte und Auszubildende, bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit von der Emotion der vermeintlichen Vergewaltigungsopfer beeinflusst werden.

Da emotionales Verhalten kein zuverlässiger Indikator für Ehrlichkeit ist und Opfer, die nicht als glaubwürdig angesehen werden, ein wichtiger Grund dafür sind, warum Fälle nicht durch die Strafrechtspflege laufen, sollte die Behandlung von Fehleinschätzungen über den Grad der Emotionalität eines vermeintlichen Vergewaltigungsopfers eine Priorität sein, sagte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychological Bulletin - DOI: 10.1037/bul0000206

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