Glaube, Religiosität und das Gehirn

Geringere Hirnaktivität in den Bereichen kognitive Kontrolle und Denkfähigkeit beim Fokus auf religiöse Werte

27.06.2019 Ein internationales Forscherteam hat festgestellt, dass Menschen eine geringere Aktivität im Gehirn in Bereichen haben, die mit kognitiver Kontrolle und Denkvermögen zusammenhängen, wenn sie sich auf religiöse bzw. spirituelle Werte konzentrieren.

Frühere Forschungen und Einzelberichte haben gezeigt, dass es schwierig ist, die Meinung von Personen zu ändern, sobald sie religiöse Werte zu einem bestimmten Thema entwickeln. Auch sind Angehörige eines religiösen Glaubens oft eher bereit, für eine Sache zu kämpfen und zu sterben als andere.

In diesem neuen Projekt versuchten die Forscher um Nafees Hamid vom Department of Security and Crime Science des University College London mehr darüber zu erfahren, was in den Gehirnen von Menschen vor sich geht, die sich bereit erklärt haben, für eine auf religiösen Werten beruhende Sache zu sterben - in diesem Fall Sympathisanten eines Al-Qaeda-Ablegers namens Lashkar-et Taiba.

Bereit für den Glauben zu sterben?

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Bild: OpenClipart-Vectors

Die Forscher sagen, dass Menschen manchmal Dinge sagen und tun, die im Widerspruch zu dem stehen, was sie wirklich denken oder fühlen. Aus diesem Grund haben sie sich entschieden, mehrere Sympathisanten für bildgebende Verfahren des Gehirns zu gewinnen.

Bei den Tests wurde den Teilnehmern während des fMRT-Scans Fragen gestellt. Die Fragen betrafen Werte ihrer Religiosität bzw. Glaubens, wie z.B. ob sie bereit wären, für ihren Glauben bzw. diese Werte zu kämpfen und zu sterben - im Vergleich zu nicht-religiösen Werten.

Geringere Gehirnaktivität in bestimmten Bereichen

Die Psychologen beobachteten eine geringere Gehirnaktivität in Bereichen, die mit dem Denkvermögen (Vernunft) und der kognitiven Kontrolle zusammenhängen, wenn die Teilnehmer zu religiösen Werten befragt wurden. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass solche Bereiche normalerweise an der Berechnung von Konsequenzen und Kosten beteiligt sind.

Erzählten die Wissenschaftler den religiösen Testpersonen jedoch, dass andere Sympathisanten, die sie kannten, weniger bereit waren, für eine Sache zu sterben, so verringerte sich auch die Bereitschaft der Probanden zu sterben.

Die Ergebnisse zeigen, dass es unterschiedliche Prozesse im Gehirn gibt, wenn sich jemand auf Fragen im Zusammenhang mit stark vertretenen Dingen des Glaubens fokussiert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Royal Society Open Science - DOI: 10.1098/rsos.181585

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