Auswirkungen von Altruismus

Sozialpsychologie

Belohnungen für prosoziales Verhalten? Studie untersuchte die Auswirkungen von Altruismus auf Gesundheit und Wohlbefinden

06.09.2020 Laut einer in Psychological Bulletin veröffentlichten Studie kann es positive Auswirkungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen mit sich bringen, wenn sie Altruismus zeigen und anderen Menschen helfen.

Aber nicht jedes altruistische Verhalten ist für den Gebenden gleich vorteilhaft. Die Stärke des Zusammenhangs hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Art der Freundlichkeit, der Definition von Wohlbefinden sowie Alter, Geschlecht und anderen demographischen Faktoren des prosozial Handelnden.

Prosoziales Verhalten und Wohlbefinden

Frühere Studien haben zum Teil gezeigt, dass altruistisch bzw. prosozial handelnde Menschen 'glücklicher' sind und eine bessere psychische und körperliche Gesundheit haben als Menschen, die nicht so viel Zeit damit verbringen, anderen zu helfen.

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Bild: Marco Lachmann-Anke

Allerdings haben nicht alle Studien Belege für diesen Zusammenhang gefunden, und die Stärke dieser Verbindung variiert in der psychologischen Forschungsliteratur stark.

Um diese Unterschiede besser zu verstehen, führten Bryant P.H. Hui von der University of Hong Kong und seine Kollegen eine Metaanalyse von 201 unabhängigen Studien mit insgesamt 198.213 Teilnehmern durch, die den Zusammenhang zwischen prosozialem Verhalten und Wohlbefinden untersuchte.

Insgesamt stellten sie fest, dass zwischen beiden ein eher geringerer Zusammenhang besteht. Obwohl die Effektgröße gering war, ist sie laut Hui dennoch aussagekräftig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen täglich freundliche Handlungen ausführen.

Informelles und formelles altruistisches Handeln

Die Psychologen stellten fest, dass zufällige Akte der altruistischer Freundlichkeit, wie z.B. einem älteren Nachbarn beim Tragen von Lebensmitteln zu helfen, stärker mit dem allgemeinen Wohlbefinden in Verbindung gebracht wurden als formelles prosoziales Verhalten, wie z.B. geplante Freiwilligenarbeit für eine Wohltätigkeitsorganisation.

Das mag daran liegen, dass informelle Hilfe eher beiläufig und spontan ist und leichter zur Bildung sozialer Verbindungen führen kann, so Hui. Informelles Geben sei auch abwechslungsreicher und werde weniger fad oder eintönig, sagte er.

Eudämonisches Wohlbefinden

Die Forscher fanden auch eine stärkere Verbindung zwischen Freundlichkeit und dem sogenannten eudämonischen Wohlbefinden (das sich auf die Selbstverwirklichung, das Erkennen des eigenen Potenzials und das Finden eines Lebenssinns konzentriert) als zwischen Freundlichkeit / Altruismus und hedonischem Wohlbefinden (das sich auf Zufriedenheit und positive Gefühle bezieht).

Auswirkungen nach Alter, Geschlecht, Methodologie

Die Auswirkungen variierten je nach Alter. Jüngere altruistisch Handelnde berichteten über ein höheres Niveau des allgemeinen Wohlbefindens, des hedonischen Wohlbefindens und der psychologischen Gesundheit, während ältere prosozial Handelnde über ein höheres Niveau der körperlichen Gesundheit berichteten.

Auch zeigten Frauen im Vergleich zu Männern einen stärkeren Zusammenhang zwischen Prosozialität und verschiedenen Werten des Wohlbefindens - vielleicht, weil von Frauen stereotyperweise erwartet wird, dass sie sich altruistischer verhalten - sich mehr um andere kümmern und mehr geben und daher der Studie zufolge ein stärkeres Gefühl des guten Willens haben, in Übereinstimmung mit diesen sozialen Normen zu handeln.

Schließlich stellten die Psychologen fest, dass Studien, die speziell auf die Messung des Zusammenhangs zwischen Prosozialität und Wohlbefinden ausgerichtet waren, eine stärkere Verbindung zwischen beiden zeigten als Studien, die Daten aus anderen großen Erhebungen analysierten, die nicht speziell auf dieses Thema ausgerichtet waren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychological Bulletin, 2020; DOI: 10.1037/bul0000298

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