Altruismus (Psychologie)

Sozialpsychologie

Definitionen

Definition: Unter Altruismus versteht man prosoziales Verhalten, das beabsichtigt einer anderen Person oder der Gemeinschaft zu nützen.
Die Motivation altruistischen Tuns ist meist (immer?) egoistischer Natur: so gibt es meist für altruistisches Handeln nicht unmittelbar eine Belohnung oder Nutzen für den altruistisch Handelnden, langfristig meist aber doch. Sie ist verwandt mit der Großzügigkeit.

Starke Reziprozität: altruistisches Handeln wird verstärkt in einer Gemeinschaft, die es fördert.
Altruismus für die Gruppe: altruistisches Handeln kann die Gruppe stärken, wodurch das Individuum wiederum (selbst oder/und seine Gene) gewinnt; ähnlich in der Verwandtschaftsselektion. Reziproker Altruismus: altruistisches Handeln in der Absicht, dass es irgendwann "zurückgezahlt" wird.

Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911: Altruismus (vom ital. altrui, >ein anderer«), im Gegensatz zu Egoismus das uneigennützige Handeln zum Wohle anderer; in der Nationalökonomie werden Handlungen, die den wirtschaftlichen Vorteil anderer bezwecken, altruistisch genannt.

Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. Leipzig, Band 1, 1923: Altruismus - ist eines von den Trutzwörtern, die erst im Gegensatze zu einem ganz andern Worte aufkommen konnten; A. Comte hat es in schlechtem Latein, aber aus edlem Herzen geschaffen und an den Gegensatz von ego und alter gedacht. Es hat in der Sprache der Philosophie mehr Glück gehabt als in der lebendigen Wirklichkeit des menschlichen Handelns. Paul Rée hat den Altruismus sogar unter den Oberbegriff der Instinkte zu bringen gewagt.

Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 1907: Altruismus (nlt. v. alter = der andere, vivre pour autrui) nennt A. Comte (1798-1857) die aus der Liebe zum Nächsten hervorgehende Denk- und Handlungsweise. Der Altruismus ist der Gegensatz zum Egoismus. Comte sieht in ihm die Moral der Zukunft, die als einziges sittliches Motiv des Handelns das Wohl des anderen anerkennen wird. Seit 1889 besteht in Nantes eine Altruisten-Gesellschaft. Auch H. Spencer (1820-1904) vertritt diesen Standpunkt, den übrigens schon die englischen Moralisten des 18. Jahrhunderts eingenommen haben. Ein anderer Name für dieselbe Richtung ist Tuismus (s. d.).

Glaube in Menschen steigert Altruismus

Verbindung zwischen dem Glauben in die Menschen und Altruismus ?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Aktivierung in einer bestimmten Gehirnregion vorhersagt, ob Menschen eher dazu tendieren, egoistisch oder altruistisch zu sein.

"Obwohl, das Verstehen der Funktion dieser Gehirnregion nicht unbedingt zeigen wird, was Menschen wie Mutter Teresa antreibt, kann sie vielleicht doch einen Schlüssel für die Ursprünge von wichtigen Sozialverhalten wie Altruismus geben", sagte Forscher Scott A. Huettel, Ph.D., Neuro-Wissenschaftler am Brain Imaging and Analysis Center.

Definition in der Studie

Altruismus beschreibt die Tendenz von Menschen, das Wohl anderer vor ihr eigenes zu setzen. Warum einige Menschen entscheiden altruistisch zu handeln, ist unklar, sagte der die Studie leitende Dharol Tankersley, Graduierter in Huettels Labor.

Die Studie

"In der Studie untersuchten Forscher das Gehirn von 45 Menschen, während sie entweder ein Computerspiel spielten oder beobachteten, wie der Computer das Spiel allein spielte. In beiden Fällen wurde erfolgreiches Spielen belohnt, indem das gewonnene Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation gespendet wurde, die der Teilnehmer ausgewählt hatte.

Die Forscher scannten das Gehirn der Teilnehmer mit Hilfe einer Technik, die funktionelle Magnetresonanz Kernspintomographie (fMRI) genannt wird, welche harmlose magnetische Impulse benutzt, um Änderungen in den Sauerstoffniveaus zu messen, welches die Nervenzellaktivität anzeigt.

posterior superior temporaler sulcus

Die Scans ergaben, dass eine Region des Gehirns, posterior superior temporaler sulcus, genannt, in einem größeren Grad aktiviert wurde, wenn die Teilnehmer eine Aktion wahrnahmen - also wenn der Computer das Spiel spielte - als wenn sie selbst spielten, sagte Tankersley. Diese Region, die im oberen hinteren Teil des Gehirns liegt, wird im Allgemeinen aktiviert, wenn der Verstand versucht, soziale Beziehungen zu erfassen.

Die Forscher charakterisierten die Teilnehmer, mehr oder weniger altruistisch, dann auf Grundlage von deren Antworten auf Fragen darüber, wie oft sie sich engagierten - also die altruistischen Taten, und verglichen die Gehirnscans der Teilnehmer mit ihrem geschätzten Niveau des altruistischen Verhaltens. Die fMRI Scans zeigten, dass diese gesteigerte Aktivität im posterior superior temporalen sulcus stark die Wahrscheinlichkeit für Altruismus vorhersagte.

Altruismus und Weltanschauung

Laut den Forschern weisen die Resultate darauf hin, dass altruistisches Verhalten eher daher kommen könnte, welche Weltanschauung die Menschen haben

"Wir glauben, dass die Fähigkeit, anderer Leute Handlungen als bedeutungsvoll wahrzunehmen, für Altruismus entscheidend ist", sagte Tankersley.

Autismus und asoziales Verhalten

Die Wissenschaftler sagen, dass wenn man das System im Gehirn studiert, welches den Menschen erlaubt, die Welt als Serie von bedeutungsvollen Interaktionen zu betrachten, dies letztlich auch ein besseres Verstehen von Störungen wie Autismus oder asoziales Verhalten bringen kann, da diese durch Defizite in interpersonalen Interaktionen charakterisiert sind.

© PSYLEX.de - Quelle: Duke University - 2007

Das eigene Leben für andere riskieren ohne nachzudenken?

16.10.2014 Menschen, die ihr eigenes Leben riskieren, um Fremde zu retten, machen dies wahrscheinlich ohne darüber nachzudenken, laut einer Analyse der Berichte von 51 ausgezeichneten, zivilen Lebensrettern.

Intuitiv oder bewusst?

Wissenschaftler von der Yale University ließen die Statements von 51 Empfängern der Carnegie Hero Medal (Auszeichnung in den USA, die besonders selbstlos handelnden Zivilisten verliehen wird, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens fremden Menschen geholfen haben) durch mehrere Hundert Teilnehmer der Studie und einen Computeralgorithmus analysieren. Es sollte herausgefunden werden, ob diese besonders altruistischen Menschen ihre eigenen Taten als intuitiv oder bewusst beschrieben.

"Wir fragten uns, ob extrem altruistisch handelnde Menschen dies ohne nachzudenken tun, oder ob es einer bewussten Selbstkontrolle bedarf, um negative Emotionen wie Furcht außer Kraft zu setzen. Unsere Analysen zeigen, dass extreme Altruisten mit überwältigender Mehrheit über ein sofortiges Handeln und erst späteres Nachdenken berichten", sagte David Rand.

Andrew Carnegie
Andrew Carnegie

Die Autoren stellten fest, dass die Berichte der Lebensretter meistens von Teilnehmern und der Computer-Textanalyse als intuitiv eingeschätzt wurden, selbst in Situationen, in denen der "Held" ausreichend Zeit hatte, vor dem Handeln nachzudenken. Die Teilnehmer schätzten die Berichte ähnlich wie intuitive 'Kontrollstatements' ein und bewerteten sie deutlich intuitiver als Textproben bewusster Aussagen.

Obwohl das Messen eines Charakterzuges eine schwierige Sache ist, legen diese Befunde nahe, dass die meisten extrem altruistischen Handlungen im Wesentlichen von automatischen, intuitiven Prozessen motiviert werden.

Jedoch hängen die Befunde dieser Studie von einigen Schlüsselfaktoren ab, wie: ob die Teilnehmer die Unterschiede zwischen intuitiven und bewussten Verhalten völlig erfassten, und, ob die Medaillenempfänger irgendeine Neigung/Befangenheit während des Interviews verspürten, die ihre Beschreibung der vorherigen Ereignisse beeinflusst haben könnte.

Dr. Rand weist auch darauf hin, dass intuitive Reaktionen nicht unbedingt vererbt werden.

Er glaubt: Menschen wissen bzw. lernen, dass anderen zu helfen normalerweise in ihrem langfristigen Eigeninteresse liegt und deshalb intuitive kooperative Verhaltensweisen entwickeln, statt dass es einen angeborenen kooperativen Instinkt bei sozialen Menschen gibt, der durch die Evolution erhalten wurde.

© PSYLEX.de - Quelle: Yale University / PLoS ONE, Oktober 2014

Altruismus verbessert die eigene emotionale und psychische Gesundheit

22.12.2015 Forscher der Yale University stellten fest, dass Altruismus (in diesem Fall die uneigennützige Unterstützung anderer Menschen), Stress reduzieren und für positive Emotionen und Wohlbefinden sorgen kann, sagte Studienautorin Emily Ansell in der Zeitschrift Clinical Psychological Science.

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Bild: Marco Lachmann-Anke

An der 14-tägigen Studie nahmen 77 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 unter 44 Jahren teil.

Die Teilnehmer notierten in einer Smartphone-App jeden Abend ihre Erlebnisse am Tag; insbesondere wurden stressende Lebensereignisse festgehalten (z.B. zwischenmenschliche, auf der Arbeit/in der Schule, zu Hause, finanzielle, gesundheitliche, Unfälle etc.). Außerdem wurden emotionale Verfassung, Stimmung, mentale Gesundheit abgefragt.

Wohlbefinden

Weiterhin sollten sie angeben, ob sie jemandem an diesem Tag geholfen bzw. unterstützt hätten (jemandem die Tür offengehalten, mit den Schulaufgaben geholfen, jemandem Hilfe angeboten hätten).

Die Ergebnisse zeigten, dass das tägliche Wohlbefinden bei den Teilnehmern sich erhöhte, die anderen Menschen geholfen hatten.

Stress

Außerdem beeinflusste das altruistische Verhalten der Teilnehmer auch ihre Reaktionen auf Stress.

Menschen, die über weniger hilfsbereites Verhalten berichteten, zeigten ein geringeres Niveau an positiven Emotionen und ein höheres an negativen als Reaktion auf ausgeprägten täglichen Stress.

Bei denjenigen, die hilfsbereiter waren, wurden die positiven Emotionen und die psychische Verfassung nicht durch Stress gedämpft und es gab nur eine geringere Zunahme der negativen Emotionen als Reaktion auf hohen täglichen Stress. Mit anderen Worten: Helfendes Verhalten schien die negativen Auswirkungen von hohen Belastungen zu puffern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Yale University, Clinical Psychological Science; Dez. 2015

Intuitiv sind Frauen altruistischer; auch nach Überlegung?

27.02.2016 Frauen sind intuitiv altruistischer als Männer, auch Frauen, die sich eher mit traditionell maskulinen Eigenschaften wie Macht, Dominanz und Unabhängigkeit identifizieren, zeigt eine neue Metaanalyse von 22 Studien der Universität Yale.

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der es erwartet wird, dass Frauen altruistischer sind als Männer", sagte David Rand, außerordentlicher Professor für Psychologie und Wirtschaftswissenschaft und Autor der Studie. Also bekommen Frauen mehr negative Folgen zu spüren, wenn sie nicht altruistisch sind, wodurch sie sich intuitiv großzügiger zeigen, sagte er in der Zeitschrift Journal of Experimental Psychology.

almosen
Bild: Jacques-Louis David

Rand und und Kollegen analysierten die Rolle, die das Geschlecht im sogenannten 'Diktatorspiel' spielt.
Hierbei handelt es sich um einen Test, der das ökonomische Eigeninteresse der Teilnehmer herausfindet: Ein Teilnehmer kann dabei entscheiden, wie ein Geldbetrag zwischen den Teilnehmer aufgeteilt wird.

In einer früheren Forschungsarbeit hatte Rand nur wenig Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Hinblick darauf gefunden, wie Intuition die Kooperation beeinflusst, wenn Menschen im gegenseitigen Interesse zusammenarbeiten.

Intuition

In Experimenten jedoch, die den Altruismus maßen - also, wobei jemand etwas gab, ohne etwas zurückzubekommen - zeigten sich nur die Frauen großzügiger, wenn sie aufgefordert wurden, schnell bzw. intuitiv zu reagieren; Männer waren egoistischer - egal, ob sie intuitiv handelten oder erst abwogen.

Interessanterweise galt dies sogar für Frauen, die sich selbst eher traditionell maskuline Eigenschaften wie Macht, Dominanz oder Unabhängigkeit zuschrieben.

Nach Überlegung

Wurden sie jedoch angehalten nachzudenken, zeigten sich die Frauen mit maskulineren Eigenschaften ebensowenig (wenig) altruistisch wie Männer.

Frauen, die sich eher mit traditionellen femininen Eigenschaften einschätzten - wie Mitgefühl und Freundlichkeit - waren auch altruistischer, wenn sie über ihre Entscheidung nachdenken konnten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Yale, Journal of Experimental Psychology; Feb. 2016

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