Mensch-Roboter-Interaktion / Beziehung

Persönlichkeitspsychologie - Beziehungspsychologie

Mitgefühl für einen Roboter

10.09.2018 Eine auf dem IEEE Symposium of Robot and Human Interactive Communication (RO-MAN) in Nanjing, China - der größten Konferenz im Bereich Mensch-Roboter-Interaktion - vorgestellte Studie untersuchte, ob Menschen Mitgefühl für einen Roboter im Alltagsleben aufbringen können.

roboter
Bild: Erik Stein

Ein im Supermarkt als Aushilfe arbeitender Roboter bat die Kunden des Geschäfts um Hilfe. Sie sollten ihm die Namen von verschiedenen Produkten nennen, die er zum Üben brauche.

In solch einem Szenario untersuchten die Wissenschaftler Faktoren, die eine Rolle spielen könnten, ob Menschen sich sozial gegenüber Robotern verhalten.

Prof. Dr. Kolja Kühnlenz von der Hochschule Coburg (Mensch-Roboter-Interaktion) und Kollegen haben dabei einen NAO eingesetzt. Dieser Roboter ist dem Erscheinungsbild des Menschen nachempfunden, schreiben die Wissenschaftler. Die Maschine hat Arme, Beine und ein Gesicht. Allerdings kann der Roboter keine menschlichen Gesichtsausdrücke zeigen.

Sympathie mit dem Roboter

NAO verhielt sich in den Experimenten auf zwei unterschiedliche Weisen:

  1. Entweder zeigte sich der Roboter dem Menschen emotional angepasst (er gab vor, Gefühle verstehen zu können; z.B. fragte er nach dem Befinden und antwortete, dass es ihm auch so gehe)
  2. oder neutral.

Wenn sich der Roboter emotional verhielt, waren die menschlichen Probanden eher bereit, ihm zu helfen. Auch sprachen sie ihm eher menschliche Merkmale zu und empfanden ihm gegenüber Mitgefühl. Erfasst haben die Forscher diese deutliche Zunahme der Bereitschaft zu helfen, indem sie die Zahl der Produkte zählten, die die Testpersonen dem Roboter nannten.

Bildung der Versuchspersonen

Obwohl er sein Hilfegesuch nicht durch einen menschlichen Gesichtsausdruck herausstellen konnte, kamen die Probanden dem Roboter zur Hilfe. Ein wichtiger Einflussfaktor war, ob sie vorher bereits Kontakt zu Robotern hatten. Wer mit Robotern vorher nichts zu tun hatte, verhielt sich deutlich reservierter. Auch das Bildungsniveau der befragten Personen wirkte sich auf ihre Verhaltensweisen dem Roboter gegenüber aus.

Die Studienbefunde bestätigen die bisherige psychologische Forschungsarbeit der Wissenschaftler. Um die Zusammenarbeit bzw. Interaktion zwischen Menschen und Robotern zu verbessern, scheint eine zusätzliche Bindungsphase zwischen Mensch und Maschine sinnvoll zu sein, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Hochschule Coburg; IEEE Symposium of Robot and Human Interactive Communication

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter