Freunde, Freundschaft vs. Familie

Sozialpsychologie

Sind Freunde besser für uns als die Familie?

06.06.2017 Die Macht der Freundschaft wird im Alter stärker und kann sogar wichtiger werden als die Beziehung zu Familienmitgliedern, zeigt eine neue psychologische Forschungsarbeit der Michigan State Universität.

In zwei Studien mit fast 280.000 Menschen stellte Studienautor William Chopik fest, dass Freundschaften zunehmend wichtiger für die Lebenszufriedenheit und die Gesundheit im Laufe des Lebens werden. Und bei älteren Erwachsenen sind Freundschaften sogar ein stärkerer Prädiktor für Gesundheit und Glück als die Beziehungen zu Familienmitgliedern.

Gesundheit und Lebenszufriedenheit

In der ersten Studie analysierte Chopik Umfrageergebnisse zu Beziehungen und selbstbewerteter Gesundheit und Lebenszufriedenheit von 271.053 Teilnehmern aller Altersgruppen aus fast 100 Ländern. Die zweite Studie untersuchte Daten aus einer separaten Umfrage über Unterstützung / Belastung in den Beziehungen und chronischen Erkrankungen von 7.481 älteren Erwachsenen in den Vereinigten Staaten.

Laut der ersten Studie waren sowohl Familien- als auch Freundschaftsbeziehungen mit einer besseren Gesundheit und mehr Lebenszufriedenheit verbunden, aber nur Freundschaften wurden auch zu einem stärkeren Prädiktor (Vorhersagevariablen) für Gesundheit und Lebensglück im fortgeschrittenen Alter.

Belastung und Unterstützung

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Bild: Steve Buissinne

Die zweite Studie zeigte ebenso, dass Freundschaften sehr einflussreich waren: Wenn Freunde die Ursache von Belastungen waren, berichteten die Teilnehmer über mehr chronische Krankheiten. Waren die Freunde eine Quelle der Unterstützung, waren die Teilnehmer glücklicher bzw. zufriedener.

Chopik - Assistenzprofessor für Psychologie - sagte im Fachblatt Personal Relationships, dass dies vielleicht an der optionalen Natur der Beziehungen läge: Im Laufe der Zeit behalten wir die Freunde, die wir mögen und die uns guttun, und trennen uns von den übrigen.

Freunde bieten auch Unterstützung für Menschen, die keinen Beziehungspartner haben oder für diejenigen, die nicht auf die Familie in Zeiten der Not zurückgreifen können. Freunde können auch Einsamkeitsgefühle älterer Menschen vertreiben, wenn diese z.B. trauern und oft entwickeln bzw. bauen sie ihr soziales Leben nach dem Ruhestand erneut aus.

Belastende Familienbeziehungen

Familienbeziehungen sind oft auch sehr erfreulich, sagte der Psychologe, aber manchmal sind sie mit belastenden, negativen und monotonen Beziehungen verbunden.

Freundschaften stehen oft erst an 2. Stelle in der Beziehungsforschung, fügte Chopik hinzu, was seltsam ist, besonders wenn man bedenkt, dass sie für unser Glück und unsere Gesundheit einflussreicher sein können als andere Beziehungen.

Freundschaften helfen uns über Einsamkeit und schwere Zeiten, können aber oft schwerer im Verlauf des Lebens aufrechterhalten werden, sagte der Psychologe.

Wenn eine Freundschaft sich im Laufe der Zeit als beständig erwiesen hat, dann weiß man, dass es ein guter Freund / eine gute Freundin sein muss - jemand, den man um Rat und Hilfe bitten kann und ein Mensch, den man in seinem Leben haben möchte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Michigan State Universität, Personal Relationships; Juni 2017

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