Hässlichkeit (Psychologie)

Sozialpsychologie

News, Forschung zur Psychologie der Hässlichkeit.

Kinder vertrauen hässlichen Menschen weniger

14.06.2016 Sind Schönheit und Hässlichkeit nur oberflächliche Werte? Eine neue in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie der Technischen Universität Zhejiang und der Wenzhou Medical University zeigt, dass Kinder unsere inneren Werte nach dem Aussehen beurteilen - und je hässlicher man ist, desto niedriger fällt die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit aus.

Schönheitsstereotyp

Viele Psychologie-Studien haben die Existenz des sogenannten "Schönheitsstereotyps" belegen können. Dies beschreibt das Phänomen, dass attraktivere Menschen klüger, geselliger und erfolgreicher sind. Attraktiv zu sein, bedeutet, man wird besser von der Bezugsgruppe beurteilt, und attraktivere Menschen werden auch von neugeborenen Babys eher bevorzugt als hässlichere Personen.

Menschen benutzen Hinweise des Gesichts, um Urteile über den Charakter einer Person zu machen - und diese Fähigkeit bzw. Voreingenommenheit, soziale Charakterzüge abzuleiten, ist ein entscheidender Teil sozialer Funktionen und Entwicklung. Obwohl gut erforscht bei Babys und Erwachsenen war die Entwicklung dieser Fähigkeit bei Kindern vorher nicht bekannt.

Die Forscher untersuchten 138 Teilnehmer - Kinder-Gruppen im Alter von acht, zehn und 12 Jahren, und verglichen sie mit einer Gruppe Erwachsener.

Sie verwendeten eine Software zur Generierung von Gesichtern (FaceGen), um 200 Bilder männlicher Gesichter - alle mit einem neutralen Ausdruck und direktem Blick - zu erzeugen.

Vertrauenswürdigkeit und Attraktivität

In der ersten von zwei Sitzungen wurde jedem Teilnehmer jedes Gesicht gezeigt. Die Gesichter sollten auf ihre Vertrauenswürdigkeit eingeschätzt werden. Die zweite Sitzung folgte einen Monat später, in der die Teilnehmer die Übung wiederholen sollten, dieses Mal sollten sie die Attraktivität derselben Gesichter beurteilen.

Die Studie analysierte die Antworten der Kinder und der erwachsenen Kontroll-Gruppe. Die Forscher schauten sich zuerst die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit an, und den Grad der Übereinstimmung innerhalb der und zwischen den Gruppen an. Die Kinder zeigten sich innerhalb derselben Altersgruppen einig darin, wie vertrauenswürdig jedes der Gesichter war.

Stimmten die Antworten der verschiedenen Altersgruppen miteinander und mit der erwachsenen Gruppe überein? Die Forscher fanden, dass der Grad der Übereinstimmung innerhalb und zwischen den Altersgruppen und der erwachsenen Gruppe mit dem Alter zunahm. Sie konnten dadurch ableiten, dass die Fähigkeit der Kinder - die Zuverlässigkeit zu beurteilen - deshalb auch mit dem Alter zunahm.

Dann verglichen die Forscher die Beurteilungen der Vertrauenswürdigkeit und der jedem Gesicht zugewiesenen Attraktivität.

Sie fanden eine starke, direkte Beziehung zwischen den zwei Merkmalen - die Gesichter wurden für vertrauenswürdiger erachtet, wenn sie attraktiver waren - bzw. für weniger vertrauenswürdig, wenn sie hässlicher eingeschätzt wurden.

Mit dem Alter verfestigt sich die Verbindung

Diese Beziehung wurde auch mit dem Älterwerden gefestigt, und zeigt, dass Kinder - wie Erwachsene - auch auf die Attraktivität eines Menschen schauen und sie als Hinweis auf den Charakter benutzen.

Darüber hinaus war die Übereinstimmung der Urteile von Mädchen höher als die von Jungen, und die Beziehung zwischen zwei Beurteilungen bei den Mädchen war enger als bei den Jungen.

Es scheint also, dass das Beurteilen eines Buches nach seinem Umschlag - auch wenn es falsch ist - uns angeboren ist und mit dem Älterwerden noch zunimmt, sagte Studienautor Dr. Fengling Ma.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Technische Universität Zhejiang, Wenzhou Medical Universität, Frontiers in Psychology - DOI: 10.3389/fpsyg.2016.00499; Juni 2016

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