Kommunikationspsychologie

Klatsch und Tratsch (Psychologie)

Psychologische Studie: Wer tratscht am meisten, wer am negativsten?

04.05.2019 Es gibt einen überraschenden Mangel an Informationen in der Psychologie darüber, wer klatscht und tratscht und wie dies geschieht, angesichts des öffentlichen Interesses und der Meinung zu diesem Thema, sagt Psychologin Megan Robbins von der University of California - Riverside.

Definition

Wenn man den Tratsch wie ein Wissenschaftler betrachten möchte, muss man das Werturteil, das wir dem Wort Klatsch zuweisen, außenvorlassen. Klatsch und Tratsch sind nach Ansicht von Psychologen per se nicht schlecht.

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Bild: Takuro Obara

Es geht nur um Gespräche über jemanden, der nicht anwesend ist. Solch ein Gespräch könnte positiv, neutral oder negativ sein.

In der aktuellen psychologischen Forschungsarbeit betrachteten Robbins und Alexander Karan die Daten von 467 Personen - 269 Frauen, 198 Männer - die an einer von fünf Studien teilnahmen. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 58 Jahre alt.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter werteten die über tragbare Rekorder aufgezeichneten Gespräche als Tratsch, wenn es um jemanden ging, der nicht anwesend war. Insgesamt gab es 4.003 Fälle von Klatsch. Sie kategorisierten dann den Tratsch in drei Kategorien: positiv, negativ oder neutral.

Die Assistenten kodierten den Klatsch weiter, je nachdem, ob es sich um einen Prominenten oder Bekannten handelte; sowie das Thema und das Geschlecht des Gesprächspartners.

Wer klatscht worüber / am häufigsten?

Unter den Ergebnissen:

Ein abschließendes Ergebnis? Jeder tratscht. Klatsch ist allgegenwärtig, schließen die Psychologen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Social Psychological and Personality Science - DOI: 10.1177/1948550619837000

Klatsch / Tratsch ist nicht nur negativ zu sehen: Es fördert das stellvertretende Lernen und erleichtert die soziale Bindung

28.04.2021 Interessanterweise besteht die überwältigende Mehrheit unserer Kommunikation aus sozialen Themen, die Selbstauskünfte und Diskussionen über andere beinhalten, was im weitesten Sinne als Klatsch und Tratsch bezeichnet wird, schreiben die Autoren einer in Current Biology veröffentlichten psychologischen Studie.

Über die genaue soziale Funktion von Klatsch und Tratsch ist jedoch wenig bekannt, da die Forschung stark von populären Intuitionen beeinflusst ist, die Klatsch und Tratsch als sinnloses Gerede abtun, sagt die Studienautorin Eshin Jolly vom psychologischen Fachbereich des Dartmouth College.

Unter Verwendung eines neuartigen empirischen Paradigmas, das reale Interaktionen zwischen vielen Teilnehmern beinhaltet, liefern die Studienautoren Belege dafür, dass Klatsch ein reichhaltiges, facettenreiches Konstrukt ist, das eine entscheidende Rolle beim stellvertretenden Lernen und der sozialen Bindung spielt.

Das Experiment

Die Psychologen schufen ein lebensnahes Szenario in einem Online-Spielexperiment, in dem man Mitglied einer Community ist und von den Handlungen aller anderen Community-Mitglieder betroffen ist, von denen man die meisten aber nur selten beobachtet und nur selten direkt mit ihnen interagiert. In einigen Spielen konnten die Teilnehmer privat mit einem anderen Spieler in der Gruppe chatten.

Dies ermöglichte es den Spielern, Informationen über das Verhalten anderer Spieler an ihren Partner weiterzugeben. Anschließend berichteten die Spieler über ihre Bereitschaft, wieder mit dem jeweiligen Spieler zu spielen.

Die Befunde zeigen, wie die Sichtbarkeit oder das Fehlen der Sichtbarkeit des Verhaltens anderer den Gesprächsinhalt zwischen Selbstauskunft und Diskussionen über andere verschiebt.

Stellvertretendes Lernen und Bindung

Soziale Informationen, die durch Klatsch und Tratsch erworben werden, helfen beim stellvertretenden Lernen und beeinflussen direkt das zukünftige Verhalten und die Eindrucksbildung.

Gleichzeitig beeinflussen sich die Gesprächspartner gegenseitig, bilden mehr ähnliche Eindrücke und bauen robuste soziale Bindungen auf.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die sich miteinander unterhielten, sich am Ende des Spiels am meisten miteinander verbunden fühlten und sogar ähnliche Eindrücke von den anderen Spielern in ihrer Gruppe hatten.

In Übereinstimmung mit früheren Forschungsarbeiten trägt Klatsch auch dazu bei, die Kooperation in Gruppen zu fördern, ohne dass formale Sanktionsmechanismen erforderlich sind.

Insgesamt zeigen diese Ergebnisse die reichhaltigen und vielfältigen psychosozialen Funktionen und Auswirkungen dieses allgegenwärtigen menschlichen Verhaltens und legen den Grundstein für zukünftige Untersuchungen, schließen die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Current Biology - DOI:https://doi.org/10.1016/j.cub.2021.03.090

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