Kommunikationspsychologie

Sozialpsychologie

Forschung/Newsartikel zur Psychologie der Kommunikation, der Gesprächsführung bzw. Gesprächspsychologie. Abzugrenzen von der Gesprächspsychologie ist die Gesprächstherapie.

Die guten oder die schlechten Nachrichten zuerst?

Was möchte man lieber zuerst hören: die guten oder die schlechten Nachrichten? Das hängt davon ab, ob Sie der Überbringer oder Empfänger von schlechten Nachrichten sind, und davon, ob der Nachrichtenüberbringer möchte, dass der Empfänger aufgrund der Nachrichten agiert.

Empfänger wollen schlechte Nachrichten zuerst

Die Psychologinnen Angela M. Legg und Kate Sweeny von der University of California-Riverside haben in einer Serie von Versuchen festgestellt, dass die meisten Empfänger (von schlechten Nachrichten) diese schlechten Nachrichten zuerst hören wollen, während die meisten Nachrichtenüberbringer es vorziehen, die guten Nachrichten zuerst zu kommunizieren.

Wenn Nachrichtenüberbringer sich in den Empfänger versetzen, oder wenn sie gezwungen werden nachzudenken, wobei sich der Empfänger besser fühlt, dann sind sie eher bereit, die Nachrichten so zu überbringen, wie die Empfänger es lieber hätten; ansonsten ist ein Kommunikationskonflikt fast unvermeidlich.

Die Forscherinnen fanden auch heraus, dass es darauf ankommt, wann die guten Nachrichten in das Gespräch eingebracht werden; denn dies kann die Entscheidung des Empfängers (Rezipienten) beeinflussen, zu handeln oder sein/ihr Verhalten zu ändern.

Die Sandwich-Methode?

Legg und Sweeny bemerkten, dass zahlreiche Zeitschriften, Lebensratgeber und Management-Handbücher die "schlechte Nachricht Sandwich-Strategie" empfehlen; also die schlechte Nachricht in Form von gute-schlechte-gute Nachricht zu überbringen.

"Unsere Befunde legen nahe, dass der Hauptnutznießer des schlechten Nachrichten-Sandwichs der Nachrichtenüberbringer, nicht der Nachrichtenempfänger ist", sagten sie.

"Obwohl der Rezipient darüber erfreut sein könnte, dass die Nachrichten mit einer guten enden, ist es aber unwahrscheinlich, dass er es genießt, ängstlich auf die schlechte Nachricht zu warten."

Schlechte Nachrichten zu "verstecken" bzw. hintenanzustellen ist nicht wirklich effektiv, wenn man das Verhalten von jemanden ändern oder ihn/sie ermutigen will, etwas Bestimmtes zu tun (etwa ein Rezept ausgefüllt bekommen oder dass eine Arbeit erledigt wird), sagt Legg.

Gute Nachricht zuerst, wenn Empfänger durch schlechte Nachricht profitiert

Als Kommunikationspsychologe, Manager, Erzieher oder Lehrer kann man mit dem schlechten Nachrichten-Sandwich dafür sorgen, dass Leute sich besser fühlen, aber es wird wahrscheinlich nicht helfen, ihr Verhalten zu verbessern", fügte sie hinzu. Das schlechte Nachrichten-Sandwich kann zwar den Empfänger weniger defensiv machen, aber die angestrebte Nachricht/Mitteilung kann verloren gehen und den Empfänger verwirrt zurücklassen, fügte sie hinzu.

Diese Studie zeigt, dass Nachrichtenrezipienten von einer gute-dann-schlechte Nachricht Reihenfolge profitieren würden, wenn die schlechte Nachricht für sie nützlich ist.

"Es ist sehr kompliziert. Es ist wichtig, die Übermittlung der Nachrichten an das Ziel anzupassen", erklärte Legg. "Wenn Sie Arzt sind, der eine schwerwiegende Diagnose und Prognose überbringen muss, bei der der Patient nichts mehr machen kann, sagen Sie ihm die schlechte Nachricht zuerst und benutzen Sie eine positive Information, um ihm zu helfen, es zu akzeptieren. Wenn es Dinge gibt, die ein Patient noch tun kann, erzählen Sie die schlechte Nachricht zuletzt und sagen Sie, was man für eine Verbesserung des Zustandes tun kann."

Diese Studie kann in vielen Bereichen der Kommunikation helfen. Grundsätzlich sollte man sich in die Rolle des anderen versetzen, um besser zu verstehen, was dem Empfänger der Nachricht gut tun würde. Wenn der Nachrichtenerzähler die unerwünschte, schlechte Nachricht hinauszögert, versetzt dies die Rezipienten in eine ängstlichere Stimmung, weil sie sich, während die gute Nachricht erzählt wird, schon fragen, was in der schlechten auf sie lauert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of California-Riverside; Nov. 2013

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