Machtpsychologie; Psychologie der Macht

Sozialpsychologie

Forschung-/Newsartikel zur Psychologie der Macht.

Aggressive Machtmenschen zahlen gesundheitlichen Tribut

24.03.2015 Schlechte Neuigkeiten für erbarmungslose Machtmenschen: Personen, die versuchen, die soziale Leiter aggressiv zu erklimmen, erhöhen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit für einen früheren Tod.

Und gute Neuigkeiten für erfolgreiche Führungspersönlichkeiten, die freundlicher sind: Ein höherer sozialer Status als Ergebnis von Prestige und freiwillig (gerne) gezolltem Respekt zeigt protektive Wirkungen, sagen Psychologen von der University of Utah.

Timothy W. Smith und Kollegen präsentierten auf dem jährlichen Meeting der American Psychosomatic Society vier Studien, die die Gesundheitsauswirkungen eines feindlich-dominanten Persönlichkeitsstils im Vergleich zu einem freundlich-dominanten feststellen.

Studie I

In einer Umfrage mit 500 Studenden berichteten feindlich-dominante Typen über größerer Feindseligkeit und zwischenmenschlichen Stress. Freundlich-dominante Typen tendierten eher dazu, sich im sozialen Status höher einzuordnen. Beide Stile waren mit einem stärkeren persönlichen Machtgefühl verbunden.

Studie II

Die Psychologen überwachten in einer 2. Studie den Blutdruck von 180 Studenten in stressenden Gesprächen mit anderen, die entweder respektvoll oder dominant sich verhalten sollten.

Feindlich-dominante Persönlichkeiten zeigten eine deutliche Zunahme des Blutdrucks im Gespräch mit einem bestimmenden Gesprächspartner - nicht jedoch bei einem respekterweisenden Partner.

Frühere Studien zeigen, dass eine Blutdruckerhöhung als Reaktion auf Stress mit einem Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten und damit einem früheren Tod verbunden ist.

Studie III

In einer dritten Studie mit 94 jungen, verheirateten Paaren fanden die Wissenschaftler, dass feindselig-dominante Männer den Tag über einen erhöhten Blutdruck hatten (aufgezeichnet durch tragbare Überwachungsgeräte) - nicht jedoch Frauen. Freundliche Dominanz bei Frauen war eine Vorhersagevariable für einen geringeren Blutdruck, dies galt aber nicht für die Männer.

Studie IV

Bei 154 älteren, verheirateten Paaren (durchschnittliches Alter 63) war ein warmherziger, domininanter Stil mit weniger Konflikten und mehr Unterstützung verbunden. Ein feindlich-dominanter Stil war dagegen mit häufigerer schwerer Atherosklerose bei Männern und Frauen verbunden (gemessen durch die Verkalkung der Koronararterien).

Feindliche Dominanz zeigte auch Zusammenhänge mit schwereren ehelichen Streitigkeiten und geringerer ehelicher Unterstützung.

Aggressiver Machttypus

"Es ist kein Stil, der sich gut mit anderen Menschen verträgt", sagt Smith. Die guten Nachrichten sind, dass man Maßnahmen ergreifen kann, um seinen feindlich aggressiven Persönlichkeitsstil zu ändern.

"Normalerweise muss zuerst etwas Schlimmes passieren, bevor sie bereit sind, diese Option in Erwägung zu ziehen", sagt er. "Aber es ist möglich einem alten Hund neue Kunststücke beizubringen, und wenn Sie es tun, kann es das Koronarrisiko reduzieren."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Utah, American Psychosomatic Society; März 2015

Power-Posen - Körperliche Machtposen blähen Ego auf

02.04.2015 Sogenannte 'Power-Posen' (breitbeiniges, brustvorstreckendes Imponiergehabe) scheinen Testosteronproduktion und Risikoverhalten nicht zu beeinflussen, 'blähen' aber das eigene Ego auf.

Hulk - Power-Pose
Bild: Eduardo Davad (pixabay)

Dies haben die Forscher Roberto Weber und Eva Ranehill von der Universität Zürich festgestellt und widerlegen damit zum Teil eine frühere Studie der Harvard Business School - nach der durch solche Posen Hormone und finanzielle Risikofreudigkeit erhöhen sollen.

Die 200 weiblichen und männlichen Teilnehmer der schweizer Studie zeigten aber eine verstärkte Wahrnehmung der eigenen 'Macht' und eine Stärkung der Selbstsicherheit, worin die Harvard-Studie bestätigt wurde.

In dem Experiment sollten die TeilnehmerInnen verschiedene Körperhaltungen einnehmen: Power-Posen und zurückhaltende Posen. Anschließend wurden finanzielle Risikobereitschaft, Machtgefühl und Hormonspiegel getestet.

Es kam zu keiner Erhöhung bei den Hormonen Testosteron und Cortisol, dafür steigerte sich aber das Machtgefühl laut der in Psychological Science veröffentlichten Studie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Zürich, Psychological Science; März 2015

Ohnmacht macht buchstäblich 'schwach'

In mehreren Versuchen einer Studie stellte sich heraus, dass Menschen, die sich machtlos fühlen, die physische Welt anders sehen und dementsprechend mit ihren (körperlichen) Ressourcen haushalten.

Eun Hee Lee und Dr. Simone Schnall vom Fachbereich Psychologie der britischen University of Cambridge befragten in mehreren Experimenten Freiwillige zur Einschätzung ihrer sozialen 'Macht' und baten sie anschließend Kästen mit verschiedenen Gewichten zu heben und einzuschätzen, wie schwer diese wären.

Es stellte sich heraus, das diejenigen, die sich sozial eher ohnmächtig bzw. 'kraftlos' oder hilflos fühlten, das Gewicht der Kästen tendentiell als viel schwerer einschätzten als jene, die sich sozial leistungsfähiger fühlten.

uebersteigertes-selbstvertrauen
Bild: ...das Gegenteil trifft möglicherweise auch zu. ;-)

Diese Studie demonstriert als erste, dass Macht - als 'psychosoziales' Konzept - die Wahrnehmung der Menschen von Objekten verändert; mit anderen Worten: wie man die eigene soziale Stellung in einer Situation wahrnimmt, beeinflusst, wie man die natürliche (physische) Umgebung wahrnimmt, sagten die Wissenschaftler.

Sie fügten hinzu, dass diese Überschätzung des Gewichts eine angepasste Strategie sein könnte, wenn man mit einem Mangel an (eigenen) Ressourcen konfrontiert ist. In einer Position ohne Macht wäre es 'vorteilhaft', übermäßig vorsichtig der Umwelt zu begegnen, um die eigenen vorhandenen, begrenzten Mittel zu erhalten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Cambridge; Feb. 2014

Psychologische Effekte von Macht und Machtlosigkeit

25.08.2016 Psychologie-Professorin Pamela K. Smith Universität California, San Diego, und ihr Team untersuchten, wie Menschen im Alltagsleben (außerhalb von den sonst üblichen Laborexperimenten) die psychologischen Effekte von Macht und Ohnmacht erleben.

Wahrnehmung im Alltag

Für drei Tage füllten 210 US-amerikanische Erwachsene (im Alter von 18-67 Jahren) 5 Fragebögen zu zufälligen Zeitpunkten jeden Tag aus. Sie berichteten darin, wie machtlos oder mächtig sie sich fühlten, und ob sie sich gerade in einer über- oder untergeordneten Position befänden. Sie gaben dann noch Auskunft über ihre Position. Sie sollten Macht auch mit ihren eigenen Worten bzw. Begriffen definieren.

Die Forscher fanden heraus, dass Machtunterschiede eine normale Erfahrung waren. 83 Prozent der Teilnehmer erlebten im Laufe der drei Tage mindestens einmal entweder eine Position der Macht, oder dass jemand Macht über sie ausübte.

Wobei sie öfter erlebten, dass andere Personen Macht über sie hatten als umgekehrt. Doch fast die Hälfte der Teilnehmer berichtete mindestens einmal Macht über jemanden gehabt zu haben.

Negative und postive Auswirkungen

Wenn andere Macht über sie hatten, fühlten sie sich schlechter - schlechtere Stimmung, mehr Stress, geistig erschöpfter, hilfloser - im Vergleich dazu, wenn sie Macht über andere hatten.

Tatsächlich waren diese negativen Effekte der fehlenden Macht größer als die Vorteile, die damit einhergingen, Macht zu besitzen.

Wenn die Teilnehmer jedoch Macht über andere wahrnahmen, fühlten sie sich den anderen mehr verbunden und sie fühlten auch eine größere Verantwortung, die aber ebenfalls mit einer gewissen Last verbunden ist, so Smith.

Ursprung

Die Machtgefühle entstanden eher aus verschiedenen Situationen, in denen sich die Teilnehmer befanden, als dass sie von stabilen persönlichen Eigenschaften herstammten.

Tatsächlich waren die meisten demografischen Merkmale der Teilnehmer, wie Geschlecht, Ausbildungsniveau und Rasse/Ethnizität, nicht durchweg damit verbunden, wie viel Macht jemand empfand. Das Alter war die Ausnahme: Ältere Teilnehmer berichteten über mehr Machterlebnisse.

Die Teilnehmer berichteten auch, dass verschiedene soziale Rollen zu Macht oder Ohnmacht führten - viele außerhalb des Arbeitsplatzes.

Mit ihren Ergebnissen hoffen Schmied und ihr Kollege, die Wahrnehmung von Macht umzukrempeln.

Personen in mächtigen Positionen werden normalerweise als kalt, gefühllos und distanziert wahrgenommen, sagte Smith im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences. Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass das eine Vereinfachung ist, sagte sie.

Macht erscheint in vielen Formen, einschließlich zwischen Eltern und Kindern, und in romantischen Beziehungen. Macht ist in unseren persönlichen Beziehungen eingebettet.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität California, San Diego, Proceedings of the National Academy of Sciences - DOI: 10.1073/pnas.1604820113; August 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

24.03.2015 - re: Aggressive Machtmenschen zahlen gesundheitlichen Tribut - Kommentar von Anamaria:

Guten Abend,
Das ist mein Problem auch, möchte über alles die Macht haben, habe meine eigene Meinung und lasse davon nicht los, will das über alles gefragt werde, .......
Leider kann ich das fast garnicht kontrollieren, ich versuche es aber gelingt mir nicht oft........
Bitte gibt mit Info's, Tipps.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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