Soziale Netzwerke in Krisen / Gefahrensituationen

Sozialpsychologie

Forschung/Newsartikel zur sozialen Vernetzung (sozialen Netzen, Netzwerken).

Soziale Netzwerke in Krisen: Kollektive Kommunikation und kollektives Verhalten in Gefahrensituationen - Warum soziale Netzwerke in Notfallsituationen nicht funktionieren

29.05.2020 Angesichts einer gemeinsamen Gefahr / Krisensituation zögern Menschen Entscheidungen hinaus, die Leben retten könnten, machen sich gegenseitig nicht auf Gefahren aufmerksam und verbreiten Fehlinformationen.

Das mag nach Verhaltensweisen klingen, die mit der aktuellen Pandemie in Verbindung gebracht werden, tauchten aber tatsächlich in psychologischen Experimenten zur Funktionsweise sozialer Netzwerke in Notsituationen auf.

Studienautor Hirokazu Shirado von der Carnegie Mellon University und Kollegen erwarteten eigentlich, dass ihre sozialpsychologischen Experimente zeigen würden, dass soziale Netzwerke, wie Nachbarn, Arbeitsgruppen und Großfamilien, die Entscheidungsfindung verbessern würden, indem sie den Menschen besser verwertbare Informationen liefern.

Sie fanden aber heraus, dass soziale Netzwerke die Dinge verschlimmern, sagte Shirado im Fachblatt Proceedings of the Royal Society A.

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Bild: Marco Lachmann-Anke

Es ist schwierig, inmitten einer Krise Daten über soziale Netzwerke zu sammeln, deshalb entwickelte Shirado ein psychologisches Experiment, bei dem die Online-Teilnehmer ein ökonomisches Interesse bei der Entscheidungsfindung hätten, ob sie angesichts einer Gefahr evakuieren sollten.

Die Forscher rekrutierten 2.480 Probanden und organisierten sie in 108 Gruppen, wobei sie verglichen, wie vernetzte Gruppen und isolierte Einzelpersonen in ihrer Entscheidungsfindung vorgingen.

Fehlerhafte Entscheidungsfindung und Fehlinformationen

Im Vergleich zu den isolierten Einzelpersonen neigten die vernetzten Akteure durchweg dazu, sich einer Evakuierung zu widersetzen, unabhängig davon, ob die Gefahr real war oder nicht.

Kommunikation habe die Entscheidungsfindung nicht sehr verbessert, sondern eher verzögert, sagte Shirado.

Die vernetzten Akteure erzeugten auch Fehlinformationen, obwohl niemand einen Anreiz dazu hatte.

Eines der Probleme sei, so Shirado, dass die Teilnehmer nicht erkannten, dass sie oft unterschiedliche Strategien anwandten. Ein Spieler eines sozialen Netzwerks, der annimmt, dass "keine Nachricht eine gute Nachricht ist", könnte zum Beispiel denken, dass alles sicher ist, nur weil er nichts gehört hat.

Er könnte dann "sichere" Signale an andere Mitglieder des Netzwerkes senden, obwohl Gefahr lauert. In anderen Fällen waren die Spieler nicht in der Lage, die Wahrheit zu erfahren, weil die Spieler neben ihnen alle schlecht informiert waren.

Shirado erinnerte sich daran, dass ein Teilnehmer skeptisch war und argumentierte, es gebe keinen Grund, warum die Spieler nicht die richtige Wahl treffen sollten. Aber etwa 70 Prozent der Teilnehmer - einschließlich des Skeptikers - haben sich bei ihren Entscheidungen geirrt.

Innerhalb der Netzwerke konnten die Leute nicht verstehen, warum dies geschah, erklärte der Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Proceedings of the Royal Society A - doi.org/10.1098/rspa.2019.0685

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