Starren, Anstarren (Psychologie, Psyche)

Sozialpsychologie - Verhaltenspsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit der Psyche des Starrenden bzw. Angestarrten und der Psychologie des Starrens beschäftigen.

Machtgefühle verändern non-verbale Reaktionen auf Dominanz

21.06.2017 Gefühle der Macht bestimmen, wie Menschen non-verbal auf das Zeigen von Dominanz - wie z.B. das Anstarren; jemandem in die Augen starren - reagieren, zeigt eine neue im Fachblatt Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlichte psychologische Forschungsarbeit.

Dem Starrer ausweichen

Weniger dominante Menschen neigen dazu, den Blick zu senken bzw. woanders hinzublicken, wenn dominantes Verhalten - wie ein starrer Blick - gezeigt wird. Diese instinktiven Reaktionen auf die Zurschaustellung von Dominanz wird als evolutionäre Wurzel betrachtet und soll dazu beitragen, hierarchische Beziehungen bei Menschen und anderen Spezies herzustellen, schreiben die Psychologen.

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Bild: George Hodan

Aber die neuen Erkenntnisse von Dr. Mario Weick vom Fachbereich Psychologie der Universität Kent und Dr. Cade McCall von der Universität York, sowie Professor Jim Blascovich von der Universität California in Santa Barbara, USA, zeigen, dass instinktive Reaktionen auf einen starren Blick verändert werden können, wenn man sich mächtig genug fühlt. Die Forschung wurde mit Hilfe von virtuellen Umgebungen durchgeführt.

Sich mächtig fühlen

In einer Studie ließ man die Teilnehmer über psychologische Verfahren sich mächtig oder machtlos fühlen, bevor sie die virtuelle Welt betraten. In einer anderen Studie variierten die Psychologen die Körperhöhe der Teilnehmer in der virtuellen Welt, um die Teilnehmer bei der Interaktion mit kleineren und größeren virtuellen menschlichen Charakteren mehr oder weniger mächtig zu machen.

Während der Experimente nutzten die Wissenschaftler Bewegungsverfolgung, um die Bewegungen der Teilnehmer zu messen und die Distanz zu den menschlichen Charakteren zu erfassen.

Subjektives Machtgefühl macht mutiger

Die Forscher fanden heraus, dass die Teilnehmer sich näher an starrende Charaktere wagten und das Anstarren erwiderten, wenn sie sich psychisch mächtiger fühlten. Fühlten sie sich weniger mächtig, gingen sie den starrenden Personen aus dem Weg.

Die Veränderung des Machtgefühls änderte nicht das Verhalten der Teilnehmer gegenüber menschlichen Charakteren, die anderswo hinguckten.

Starren schafft Hierarchien

Dr. Weick erklärte, dass die Ergebnisse des Teams unser Verständnis darüber erweitern, wie sich soziale Beziehungen nonverbal manifestieren. Eine der Funktionen des Starrens ist, zu kommunizieren und damit soziale Beziehungen und Interaktionen zu regulieren, die hierarchische Beziehungen von Dominanz und Kontrolle beinhalten, sagte er.

Kühn auf den starren Blick eines Gegenübers zu reagieren, kann Menschen mit einem momentanen Machtgefühl die Oberhand in Wettbewerbssituationen wie Verhandlungen oder Vorstellungsgesprächen geben, sagte der Psychologe.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Kent, Personality and Social Psychology Bulletin - dx.doi.org/10.1177/0146167217708576; Juni 2017

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