Vertrauen (Psychologie)

Sozialpsychologie

Forschung/Newsartikel zum Vertrauen aus psychosozialer Sicht (zwischenmenschliches Vertrauen). Vertrauen ist die Überzeugung oder Annahme von der Redlichkeit der Handlungen oder Aussagen eines Anderen (oder sich selbst).

Braune Augen vertrauenswürdiger als blaue?

Die Menschen erachten Gesichter mit braunen Augen vertrauenswürdiger als Gesichter mit blauen Augen; es sei denn, die blauen Augen gehören einem Mann mit einem breiten Gesicht.

Die Studie von Karel Kleisner und Kollegen von der Charles Universität in der Tschechischen Republik wurde am 9. Januar in der Zeitschrift PLOS One herausgegeben.

Was macht ein Gesicht vertrauenswürdig ?

Die Ergebnisse der Studie versuchen, eine 'größere' Frage zu beantworten: Was bringt uns dazu, das Gesicht einer Person als vertrauenswürdig anzusehen ?

Die Autoren baten Studienteilnehmer darum, männliche und weibliche Gesichter auf Vertrauenswürdigkeit basierend auf zwei Merkmale zu bewerten: Farbe der Augen und Gesichtsform.

Braunen Augen wurde in 1.Studie mehr Vertrauen geschenkt

Eine bedeutsame Teilnehmerzahl fand Gesichter mit braunen Augen vertrauenswürdiger als mit blauäugigen, egal ob die Gesichter nun männlich oder weiblich waren. Ein runderes männliches Gesicht, mit einem größeren Mund und einem größeren Kinn wurde als vertrauenswürdiger wahrgenommen, aber die Form eines weiblichen Gesichts hatte nicht viel Wirkung darauf, wie vertrauenswürdig es den Befragten schien.

Um zu untersuchen, welches der beiden Merkmale wichtiger war, starteten die Forscher einen dritten Test, bei dem den Teilnehmern Fotografien von männlichen Gesichtern überreicht wurden, die bis auf die Augenfarbe identisch waren.

Beide Augenfarben gleich vertrauenswürdig

Hierbei stellten sie fest, dass beide Augenfarben als gleich vertrauenswürdig betrachtet wurden. Nach der Studie, "schlossen wir, dass, obwohl die Gesichter mit den braunen Augen als vertrauenswürdiger als die blauäugigen wahrgenommen wurden, es per se nicht die braune Augenfarbe war, die die stärkere Wahrnehmung von Vertrauenswürdigkeit erregte, sonder eher die Gesichtsmerkmale waren, verbunden mit braunen Augen".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PLOS One, Jan. 2013

Vertrauen durch bestimmte Nahrungsmittel (Tryptophan)

Das Vertrauen in andere nimmt nach dem Essen von Nahrung, welche die Aminosäure Tryptophan enthält, zu.

Dies sagen die Psychologin Lorenza Colzato und ihre Kollegen von den Universitäten Leiden und Münster. Tryptophan ist z.B. häufig in den Nahrungsmitteln Fisch, Soja, Eier und Spinat vorhanden.

Steuerung von Serotonin

Die Forscher untersuchten, ob die Aminosäure Tryptophan, die die Produktion von Serotonin stimuliert, eine positive Wirkung auf das gegenseitige Vertrauen hat. Es ist bereits bekannt, dass der Neurotransmitter Serotonin eine Rolle bei sozialer Zusammenarbeit spielt. 'Gegenseitiges Vertrauen ist eine wichtige Bedingung für Kooperation', sagt Colzato. 'Die Gesellschaft funktioniert vor allem aufgrund gegenseitigen Vertrauens. Danach erst kommen solche Institutionen wie Justiz und Polizei ins Spiel.'

Auswirkung von Tryptophan

Um die Wirkung von Tryptophan zu bestimmen, gaben die Forscher einer Gruppe Testpersonen Orangensaft mit Tryptophan, während eine zweite Gruppe ein Placebo erhielt. Anschließend spielten die Testpersonen ein Spiel, in dem das Vertrauen untereinander getestet und festgehalten wurde (Geld wurde vertrauenserweckenden Personen geschenkt oder auch nicht).
Vertrauen durch bestimmte Nahrungsmittel

Colazto sagt dazu: "Diese Ergebnisse stützen die Idee, dass 'wir sind, was wir essen'. Die Nahrung, die jemand isst, hat einen Einfluß auf seine Geisteshaltung.

Insbesondere kann die Aufnahme von Tryptophan zwischenmenschliches Vertrauen auf kostengünstige, effiziente und gesunde Art und Weise fördern."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Uni Leiden, Okt. 2013

Demnächst in Ihrer Bank:

Wie eine Kreditvergabe in Zukunft aussehen könnte ;-) :

Der Bankangestellte: "Ach, bevor wir die Konditionen aushandeln...haben Sie vielleicht Hunger? Wir haben für unsere Kunden eine kleine Snackbar mit einigen leckeren Dingen angerichtet...hier schauen Sie: Fischhäppchen, Eiersandwiches und Spinatkroketten... dazu vielleicht etwas Sojamilch?

Vertrauenswürdige Menschen nehmen wir als uns ähnlich wahr

Wenn wir eine Person als vertrauenserweckend einstufen, ähnelt ihr Gesicht in unserer Wahrnehmung dem unseren, laut einer neuen Studie der Royal Holloway Universität.

Ähnlicher durch Vertrauen

Die Forscher aus dem Fachbereich für Psychologie zeigten freiwilligen Teilnehmern Bilder, in denen Teile des Gesichts des Teilnehmers durch Morphing (es wird ein neues Bild aus der Berechnung der Zwischenübergänge zweier Einzelbilder gebildet - s. Foto) mit einem oder zwei anderen Gesichtern anderer Personen geändert wurden. Sie wurden dann gefragt, ob die jeweiligen Fotos mehr von ihrem oder mehr von den Gesichtern anderer enthielten.

Vertrauenswürdige Menschen nehmen wir als uns ähnlich wahr

Die Teilnehmer nahmen dann an 'Vertrauensspielen' mit den beiden anderen Personen teil. Eine der anderen Personen erwiderte das Vertrauen, das der Teilnehmer 'investierte', die andere Person Missbrauchte es.

Nach dem Spiel führten die freiwilligen Teilnehmer die Fotomorphingaufgabe erneut aus, und es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer den vertrauenswürdigen Spieler (physisch) sich selbst als ähnlicher einstuften.

Wir vertrauen uns ähnlich aussehenden Menschen mehr

"Neuere Studien haben gezeigt: wenn eine Person uns ähnlich sieht, glauben wir automatisch, dass sie vertrauenswürdig ist. Hier zeigen wir zum ersten Mal, dass das Gegenteil auch wahr ist. Wenn sich eine Person als vertrauenswürdiger zeigt, kann es uns dazu bringen, dass wir diese Person als uns ähnlicher wahrnehmen", sagte Forscher Harry Farmer.

Das Team glaubt auch, dass ihre Ergebnisse wichtige Auswirkungen auf soziale Beziehungen haben könnten. Senior-Autor Professor Manos Tsakiris sagte: "Unsere Ergebnisse zeigen, wie sich unsere Wahrnehmungen von Ähnlichkeiten zwischen uns und Anderen über objektive physische Merkmale hinaus auf die spezifische Natur unserer sozialen Interaktionen erstrecken."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Royal Holloway University, Nov. 2013

Duft von Lavendel schafft Vertrauen

14.01.2015 Das Vertrauen in andere nimmt zu, nachdem man den Geruch von Lavendel gerochen hat.

Die Psychologinnen der Universität Leiden Roberta Sellaro und Lorenza Colzato untersuchten, ob der beruhigende Duft des Lavendels eine positive Wirkung auf das gegenseitige Vertrauen hat.


Aromatherapie

Aromatherapeuten wissen schon seit längerem, dass aromatische Verbindungen die Stimmung sowie kognitives, psychisches und körperliches Wohlbefinden verändern können. Das gegenseitige Vertrauen ist der soziale Klebstoff in unserer Gesellschaft, sagt Sellaro. Zwischenmenschliches Vertrauen ist ein essentielles Element für soziale Kooperation, Handel und Verhandlungen.

Das Experiment

Um die Wirkung des Dufts zu bestimmen, setzten die Forscher eine Gruppe von Testpersonen dem Duft von Lavendel aus, während eine zweite Gruppe Pfefferminze zu riechen bekam. Anschließend spielten die Teilnehmer ein Vertrauensspiel, bei dem gemessen wurde, wie sehr man dem anderen vertraut.

Die Befunde

Die Teilnehmer vertrauten anderen Personen deutlich mehr, wenn sie dem Duft von Lavendel ausgesetzt waren, verglichen mit denjenigen, die den Pfefferminzgeruch aufnahmen.

Sellaro sagt in der Zeitschrift Frontiers in Psychology dazu: Unsere Ergebnisse könnten verschiedene erhebliche Auswirkungen auf viele Situationen haben, in denen zwischenmenschliches Vertrauen ein wichtiges Element ist.

So können Verkäufer den Lavendelgeruch einsetzen, um eine vertrauensvollere Verhandlung einzuleiten (um ein Auto zu verkaufen), oder in Supermärkten könnten Verbraucher dazu gebracht werden, mehr Geld auszugeben. Auch in der Sportpsychologie könnte der Geruch von Lavendel hilfreich sein, wenn es darum geht, das Vertrauen und den Teamgeist zu stärken, zum Beispiel bei Mannschaftssportarten wie Fußball und Volleyball.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Leiden; A question of scent: lavender aroma promotes interpersonal trust, Frontiers in Psychology , DOI: 10.3389/fpsyg.2014.01486; Jan. 2015

Anm.: Also, Vorsicht liebe Supermarktkunden und Autokäufer, wenn es irgendwo nach Lavendel riecht !

Vertrauensvolle Menschen zeigen unverwechselbare Gehirnentwicklung

18.03.2015 Studienteilnehmer, die anderen Menschen vertrauten, zeigten vergrößerte Bereiche im Gehirn, die bei Menschen, die anderen nicht sehr trauten, kleiner sind.

Hilfe für Menschen mit sozialen Problemen

Forscher der Universität von Georgia glauben, dass die Forschungsbefunde Auswirkungen auf zukünftige Behandlungen von psychischen Störungen haben.

Z.B. gibt es Menschen mit Autismus, die große Probleme damit haben, anderen zu trauen, sagt Dr. Brian Haas.

"In unserer Studie konnten wir Belege dafür finden, dass diese Gehirnregionen für unser Vertrauen wichtig sind. Und, wenn wir verstehen, wie sich diese Unterschiede auf besondere soziale Prozesse beziehen, dann könnten wir bessere Behandlungsmethoden für Personen entwickeln, die Defizite im sozialen Miteinander haben."

Die 82 Studienteilnehmer gaben in einem Fragebogen an, wie sehr sie anderen vertrauten. Außerdem wurden ihnen Bilder von Gesichtern mit neutraler Mimik gezeigt, deren Vertrauenswürdigkeit sie beurteilen sollten.

Zwei vergrößerte Gehirnregionen

Die Wissenschaftler scannten das Gehirn der Teilnehmer mit Magnetresonanztomographie, um festzustellen, wie die Gehirnstruktur mit dem Vertrauen in andere verbunden ist.

Die Forscher stellten fest, dass das Volumen der grauen Substanz im ventralen medialen präfrontalen Kortex bei den mehr vertrauenden Menschen größer war. Diese Gehirnregion beurteilt soziale Belohnungen.

Ein weiterer Befund war eine vergrößerte Amygdala bei denjenigen, die am meisten und allerdings auch bei denen, die anderen am wenigsten Vertrauen schenkten. Diese Gehirnregion verschlüsselt Informationen der emotionalen Salienz (Auffälligkeit).

"Wenn etwas uns gefühlsmäßig wichtig ist, hilft die Amygdala uns, es zu kodieren und zu speichern."

Zukünftige Studien könnten sich darauf fokussieren, ob, und wenn ja, wie Vertrauen verstärkt werden kann, und, ob das Gehirn sich anpassen kann entsprechend der Art und Weise wie die Kommunikation mit anderen geführt wird, sagte er in der Zeitschrift NeuroImage.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: NeuroImage, Universität Georgia; März 2015

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