Tauben (Psychologie, Gehirn)

Psychologie-Lexikon - Tierpsychologie

Forschung und News zur Psychologie, Psyche von Tauben

Definition, Beschreibung

Tauben bilden die Vogelfamilie Columbidae, die etwa 42 Gattungen und 310 Arten umfasst. Tauben sind kräftige Vögel mit kurzen Hälsen und kurzen schmalen Schnäbeln. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Früchten und Pflanzen. Diese Familie kommt weltweit vor. Tauben sind wahrscheinlich die am häufigsten vorkommenden Vögel der Welt.

Tauben gelten als Friedenssymbol (Friedenstaube), oder auch der Unschuld, Liebe (Turteltaube), Treue (Hochzeitstaube, Auflasstaube) und Mutterschaft, christlich des Heiligen Geistes. Die Symbolik findet sich in zahlreichen Kulturen.

Schnellere Gehirne: Im Multitasking besser als Menschen

26.09.2017 Laut einer im Fachblatt Current Biology veröffentlichten Studie der Fakultät für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum sind Tauben im Multitasking mindestens ebenso schnell wie Menschen und sogar schneller in bestimmten Situationen.

Kleine Gehirne, aber sehr intelligent

"In der kognitiven Neurowissenschaft ist es schon länger ein Rätsel, wie Vögel mit so kleinen Gehirnen und ohne einen Kortex so schlau sein können, dass einige von ihnen, etwa Krähen und Papageien, es kognitiv mit Schimpansen aufnehmen können", schreibt Studienautorin Dr. Sara Letzner von der Abteilung Biopsychologie.

taube-mensch
Bild: Éva Zara

"Lange Zeit hat man geglaubt, dass die sechsschichtige Großhirnrinde von Säugern der anatomische Ursprung der kognitiven Fähigkeiten ist", schreibt Letzner. So sind Vögel aber nicht ausgestattet. "Also kann der Aufbau des Säuger-Kortex auch nicht die Voraussetzung für komplexe kognitive Funktionen wie etwa Multitasking sein", führt die Biopsychologin weiter aus.

6-fach komprimiertere Gehirne

Der Cortex (die Ansammlung von Nervenzellen, die sich als dünne Rindenschicht am äußeren Rand des Gehirns befindet) von Vögeln ist zwar nicht mit den Schichten des menschlichen Cortex vergleichbar, dafür sind die Nervenzellen (Neuronen) sehr viel dichter angeordnet als bei Säugern (also auch beim Menschen).

Tauben besitzen sechsmal mehr Neuronen als Menschen pro Kubikmillimeter Gehirn, schreiben die Wissenschaftler. Daher ist die Entfernung zwischen zwei Tauben-Nervenzellen im Schnitt nur halb so groß wie zwischen zwei Menschen-Neuronen.

Die Psychologen nahmen nun an, dass Informationen im Vogelhirn schneller verarbeitet werden, wenn die die Signale von Nervenzellen bei Vögeln und Menschen gleich schnell weitergeleitet werden.

Tauben versus Menschen

Um dies zu prüfen, ließen sie 12 Tauben und 15 Menschen eine Multitaskingaufgabe durchführen. Die menschlichen Versuchsteilnehmer und die Tauben sollten eine "gerade ablaufende Handlung stoppen und so schnell wie möglich zu einer Alternativhandlung wechseln. Der Wechsel zur Alternativhandlung fand dabei entweder gleichzeitig mit dem Abstoppen der ersten Handlung statt oder mit einer kurzen Verzögerung von 300 Millisekunden".

Im ersten Experiment mit echtem Multitasking (zwei Prozesse laufen im Gehirn parallel ab): Abstoppen der ersten Handlung und der Wechsel zur Alternativhandlung, wurden Tauben und Menschen durch die doppelte Belastung gleich langsamer.

Schnelleres Taubengehirn

Im zweiten Experiment (Wechsel zur alternativen Handlung nach einer Verzögerung) verändern sich aber die Prozesse im Gehirn; die beiden Abläufe (Beenden der ersten Aktion, Wechseln zur 2. Aktion) wechseln sich ab. Hierbei müssen die Neuronen-Gruppen, die die beiden Abläufe regulieren, andauernd Signale hin und her schicken. Und die Tauben waren schneller.

Die Psychologen hatten zuvor vermutet, dass die Tauben-Gehirne wegen der größeren Neuronen-Dichte schneller sein müssten. "Tatsächlich waren sie 250 Millisekunden schneller als Menschen."

Diesen Leistungsvorteil verdanken die Tauben ihrem kleineren, aber dafür viel dichter gepackten Gehirn, das die Verarbeitungszeiten bei Aufgaben kleiner hält und so eine schnelle Interaktion zwischen Gruppen von Neuronen ermöglicht.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ruhr-Universität Bochum; Current Biology - DOI: 10.1016/j.cub.2017.07.056; Sept. 2017

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter