Polizist - Psychische Gesundheit / psychische Erkrankungen

Berufspsychologie: Die Psyche von Polizisten

Globale Prävalenz für psychische Erkrankungen und Risikofaktoren der psychischen Gesundheit bei Polizisten

23.05.2020 Psychische Erkrankungen bei Polizisten stellen ein "erhebliches Gesundheitsproblem" dar, da etwa jeder Vierte potenziell gefährlich viel trinkt und etwa jeder Siebte die Kriterien für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und Depressionen erfüllt, zeigt eine in Occupational & Environmental Medicine veröffentlichte Studie.

Die hohe Prävalenz von Problemen der psychischen Gesundheit bei der Polizei unterstreicht die Notwendigkeit effektiver Behandlungs- und Überwachungsprogramme sowie zusätzlicher Mittel, um die Präventionsanstrengungen, die anderen Hochrisikogruppen angeboten werden, zu ergänzen, schlussfolgern die Forscher.

Probleme der psychischen Gesundheit bei Polizeibeamten

Veröffentlichte Forschungsergebnisse legen nahe, dass Ersthelfer ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen haben als die breite Öffentlichkeit. Es ist jedoch nicht klar, wie häufig Probleme der psychischen Gesundheit bei Polizeibeamten auftreten oder welche Risikofaktoren dafür verantwortlich sein könnten.

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Bild: George Hodan

Polizisten begegnen aufgrund ihrer Arbeit auf besondere Weise extremer Gewalt und Tod, während ihnen oft Misstrauen und Verunglimpfung in der Öffentlichkeit entgegengebracht wird, sagen die Psychologen.

Die Wissenschaftler fanden 67 relevante Studien, die ihre Einschlusskriterien erfüllten, nämlich die Einbeziehung von mindestens 100 aktiven Polizeibeamten und die Anwendung validierter Maßnahmen zur Bewertung spezifischer Aspekte psychischer Erkrankungen. Die Qualität der Studien war insgesamt hoch (46%) oder moderat (54%).

Die Studien umfassten insgesamt 272.463 Polizeibeamte aus 24 Ländern und befassten sich mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen, Substanzmissbrauch, Angststörungen und Suizidgedanken (Suizidvorstelleungen).

Die meisten Studien kamen aus Nordamerika (46%), Europa (28%) und Australien (10%) und befassten sich hauptsächlich mit männlichen Beamten in einem Durchschnittsalter von 39 Jahren, die allgemeine Aufgaben wahrnahmen.

Alkoholprobleme, Depressionen, PTBS, Angststörungen, Suizidgedanken

Die gepoolte Analyse der Daten ergab, dass die geschätzte Prävalenz psychischer Gesundheitsprobleme unter Polizeibeamten beträchtlich war und mehr als doppelt so hoch war wie in mehreren zuvor veröffentlichten Studien.

Etwa einer von vier (knapp 26%) Polizisten wurde positiv auf gefährlichen Alkoholkonsum gescreent, während einer von sieben die Kriterien für PTBS (14%) oder Depression (14,5%) erfüllte.

Etwa jeder 10. erfüllte die Kriterien für Angststörungen (9,5%) und Suizidgedanken (8,5%), während jeder 20. (5%) als Trinker mit schädlichem Alkoholkonsum oder als alkoholabhängig angesehen werden muss.

Risikofaktoren

Ein geringes Maß an Unterstützung durch Gleichaltrige, ein höheres Maß an Stress am Arbeitsplatz und schlechte (vermeidende) Bewältigungsstrategien waren allesamt starke Risikofaktoren für psychische Gesundheitsprobleme, wie die Datenanalyse nahelegte. Frauen im Polizeidienst hatten ein höheres Risiko für eine schlechtere psychische Gesundheit.

Polizeibeamte weisen eine erhebliche Belastung durch psychische Störungen auf, was die Notwendigkeit wirksamer Interventionen und Überwachungsprogramme unterstreicht, schlussfolgern die Forscher um Shabeer Syed vom Oxford Institute of Clinical Psychology Training and Research der University of Oxford.

Andernfalls werden psychische Probleme weiterhin ein wesentliches Gesundheitsproblem bei der Polizei bleiben, schreiben die Psychologen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Occupational & Environmental Medicine, DOI: 10.1136/oemed-2020-106498

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