Chef / Boss (Psychologie, Psyche)

Psychologie-Lexikon - Wirtschaftspsychologie

Definition: Die Führungspsychologie ist ein Teilbereich der Wirtschaftspsychologie. Sie erforscht und untersucht Erleben, Wahrnehmung und Verhalten des Menschen im Hinblick auf die Beeinflussung durch Vorgesetzte, Führungspersonal.

Narzissten sind schlechte Bosse

Die zu hohe Meinung, die Narzisten (und vor allem Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung) von sich haben, bedeutet, dass sie keine guten Bosse oder politischen Führer sind nach einer neuen psychologischen Studie.

Eigenschaften wie hohes Selbstbewusstsein, Vertrauen und Dominanz helfen Narzissten oft, sich zur Spitze zu kämpfen und sich als Chef zu positionieren, aber sobald sie dort sind, kommen sich ihr Egozentrismus und ihr Autoritätsanspruch gegenseitig in die Quere, erklärten die Forscher.

Die Studie mit 150 Menschen, die darum gebeten wurden, Entscheidungen in Dreiergruppen zu treffen, zeigte, dass die Selbstzentriertheit der Narzissten den freien und kreativen Ideen-Austausch behinderten, welcher ein entscheidender Bestandteil von effektiver Gruppenarbeit und Leistung ist.

In der Studie wurde jede Gruppe darum gebeten, einen Stellenbewerber auszuwählen. Einige Informationen über die Kandidaten waren für alle drei Mitglieder der Gruppe verfügbar, während bestimmte Schlüsselinformationen nur für einen der Teilnehmer verfügbar waren. Danach wurden die Gruppenmitglieder darum gebeten, alle Infos über die Kandidaten zu sammeln, abzuchecken und die Qualität des Austausches und des Gruppenleiters zu bewerten.

Falsche Führungsentscheidungen

Obwohl die Gruppen, die von den narzisstischsten Personen geführt wurden, ihre Leiter als die Effektivsten bewerteten, entschieden diese falsch. Die Gruppen mit den narzisstischsten "Chefs" wählten den schlechtesten Kandidaten.

Die narzisstischen Bosse hatten eine sehr negative psychologische Wirkung auf die Leistung. Sie hemmten wegen Autozentriertheit und Autoritarismus die Kommunikation, sagte Studienautorin Barbora Nevicka, Ph.D. cand. in Organisationspsychologie in Psychological Science.

Am Arbeitsplatz ist Kommunikation - Teilen von Informationen, Perspektiven und Wissen wesentlich, um gute Entscheidungen zu treffen, sagte Nevicka. In Brainstorming-Gruppen, Projektteams, Kabinettsausschüssen bringt jede Person etwas Neues ein. Das ist der Nutzen von Teams. Das ist das, was gute Ergebnisse schafft.
Die Befunde gelten auch für die Politik, fügte sie hinzu.

Narzissten sind sehr überzeugend, sagte sie. Sie werden eher als führende Politiker, Chefs gewählt. Und darin liegt die Gefahr: Dass die Menschen ja nicht so falsch liegen können in der Einschätzung der Psyche anderer / wie andere sich präsentieren. Sie müssen sich also fragen: Sind die Kompetenzen, die sie vorgeben, valide, oder erscheinen sie lediglich so in den Augen des Betrachters?
Quelle: Psychological Science, Sept. 2011

Chefs, Politiker, Führer mit maskulinen Stimmen bevorzugt, sogar wenn es Frauen sind

Männliche und weibliche führende Politiker und leitende Chefs mit männlicheren Stimmen werden sowohl von Männern als auch von Frauen bevorzugt.

Selbst in Führungsrollen, die normalerweise von Frauen eingenommen werden, bevorzugen Männer und Frauen Chefs / Politiker mit tiefen Stimmen, laut einer Studie von Rindy Anderson von der Duke University und Casey Klofstad von der University of Miami, die in PLOS ONE erschienen ist.

Stimmhöhe der weiblichen Führungskraft

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Bild: Angela Merkel
Paradebeispiel

Obwohl frühere psychologische Studien gezeigt haben, dass Menschen Führer mit eher maskulinen Stimmen bevorzugen, fügt diese Forschungsstudie einen Vorbehalt hinzu: Was geschieht, wenn die Führungsposition eine ist, die normalerweise von einer Frau besetzt ist oder als feminin wahrgenommen wird, wie ein Mitglied des Schulamts oder Präsident(in) eines Elternbeirats?

In hypothetischen Wahlen für solche Positionen, baten die Psychologen die Teilnehmer darum, zwei Stimmen zuzuhören, die die Phrase "ich möchte Sie auffordern, für mich diesen November zu stimmen" aufsagten, und die sich lediglich in ihrer Stimmhöhe unterschieden.

Frauen mit dunkleren Stimmen werden bevorzugt

Sie stellten fest, dass sowohl Männer als auch Frauen die weiblichen Kandidaten mit maskulinen Stimmen bevorzugten. Männer bevorzugten auch Männer mit maskulinen Stimmen, aber Frauen unterschieden nicht zwischen den Männerstimmen, die sie hörten.

Laut den Autoren schlagen ihre Ergebnisse vor, dass der Einfluss der Stimmhöhe auf die Wahrnehmung der Führungskapazität konsistent über verschiedene Bereiche hinweg und unabhängig vom sozialen Kontext ist.

Biologische Psychologie beeinflusst unsere Entscheidungen

Klofstad erklärt, "wir denken oft nicht daran, wie unsere Biologie unsere Entscheidungsfindung beeinflussen kann. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Stimmhöhe - ein physiologisches Merkmal - beeinflussen kann, wie wir unsere führenden Politiker wählen".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PLOS ONE, Dez. 2012

Wie ein guter Chef sein sollte?

Bescheidenheit

Bescheidene Chefs sind effektiver und werden laut neuen psychologischen Forschungsergebnissen mehr gemocht.

Die neue Studie ist im Academy of Management Journal herausgegeben worden.
In der Studie fragten Forscher 16 Vorstandsvorsitzende, 20 Manager der mittleren Ebene und 19 Chefs der unteren im Detail zu beschreiben, wie bescheidene Führungspersonen am Arbeitsplatz arbeiten, und wie sich ein bescheidener Boss im Unterschied zu jemandem benimmt, der nicht bescheiden ist.

Obwohl die Chefs aus völlig verschiedenen Geschäftbereichen kamen, die sich von Industrie über Gesundheitsversorgung bis zu Finanzdienstleistungen erstreckten, stimmten sie alle darin überein, dass die Essenz der Demut einer Führungsperson die Fähigkeit ist, ein Rollenbild zu präsentieren, um den Angestellten zu zeigen, wie man weiter wachsen und lernen kann.

Zu wachsen und zu lernen schließt oft Fehler ein und kann peinlich sein, sagte Owens, Professor für Organisation und humane Ressourcen der University of Buffalo School of Management. Aber Führungspersonen, die ihre Ängste überwinden und ihre Gefühle mitteilen, während sie sich durch den chaotischen internen Wachstumsprozess durcharbeiten, werden psychisch vorteilhafter von ihren Angestellten wahrgenommen. Sie legitimieren die eigenen Wachstumsentwicklungen ihrer Angestellten und haben Organisationen höherer Performance.

Doppel-Bind

Die Studie fand heraus, dass einige bescheidene Führungspersonen wirksamer als andere waren.

Chefs, die jung, farbig oder weiblich waren, mussten andauernd ihre Kompetenz den Angestellten beweisen, ihr bescheidenes Verhalten wurde sowohl eher erwartet als auch weniger geschätzt. Im Gegensatz dazu hatten erfahrene weiße Männer, die bescheiden waren, einen hohen psychologischen Vorteil bzw. Erfolg dadurch, dass sie Fehler zugaben, Angestellte lobten und zu lernen versuchten.

Die Studie fand auch heraus, dass die weiblichen Führungspersonen oft ein "Doppel-Bind" erfahren laut Owens. Es wird erwartet, dass sie mehr Bescheidenheit als ihre männlichen Pendants zeigen, aber dann wird ihre Kompetenz in Frage gestellt.

Die Forscher geben Führungspersonen den psychologischen Rat: Sie können keine Bescheidenheit vortäuschen. Entweder wollen sie auch selbst "echt" wachsen und sich entwickeln oder sie wollen es nicht, und Angestellte reagieren dementsprechend.
Quelle: Academy of Management Journal, Dez., 2011

Studie: Schlechte Chefs können Dich zu einem guten Boss machen

04.12.2018 Eine im Journal of Applied Psychology veröffentlichte Studie legt nahe, dass Missbrauch und Misshandlung durch den Boss eines Unternehmens nicht unbedingt zu missbräuchlichem Verhalten von Führungskräften auf niedrigerer Ebene führen.

Wenn ihnen Führungsmöglichkeiten angeboten werden, sind frühere Opfer von Arbeitsplatzmisshandlungen eher bereit, ihre eigenen Untergebenen besser zu behandeln, indem sie aus dem schlechten Verhalten ihres Chefs lernen.

Moral und Integrität

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Bild: Gerd Altmann

Angestellte, die sich auf ihre Moral und Integrität verlassen, um dem missbräuchlichen Muster ihres Bosses zu trotzen, setzen oft nicht auf dieses Muster, wenn sie selbst Untergebene haben.

In mehreren Experimenten über mehrere Jahre hinweg untersuchte die psychologische Forschungsarbeit die Unterschiede bei Einstellung und Verhalten von Führungskräften, die von Vorgesetzten misshandelt worden waren, und Führungspersonen, die nicht gemein behandelt worden waren. Die Psychologen verglichen, wie diese beiden Gruppen mit ihren Mitarbeitern umgingen.

Psychische Distanz

Sie fanden heraus, dass schlecht behandelte Bosse, die sich absichtlich von ihren Vorgesetzten distanzierten, Respekt und Freundlichkeit gegenüber ihren eigenen Mitarbeitern zum Ausdruck brachten, trotz der schlechten Behandlung durch ihren eigenen Vorgesetzten.

Die Lektion hier ist natürlich nicht, mehr mobbende Manager einzustellen, sondern zu versuchen, Menschen, die gemobbt bzw. misshandelt wurden, zu ermutigen, unter anderem zu sagen: "Schau, ich bin nicht wie mein Boss", sagte Shannon Taylor von der Universität Texas (El Paso).

Man kann eine Haltung einnehmen - nicht nur, indem man das schlechte Verhalten meldet, sondern auch, indem man diesen missbräuchlichen Führungsstil aktiv ablehnt, schreiben die Wissenschaftler.

Taylor sagte, er erwarte nicht, dass der Missbrauch am Arbeitsplatz verschwindet, aber er stellt fest, dass die Unternehmen lernen und versuchen, das Problem durch Ausbildung und Aufrechterhaltung eines positiven Arbeitsklimas zu lösen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Applied Psychology - https://dx.doi.org/10.1037/apl0000360

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