Schulden und die Psyche

Psychologie-Lexikon - Wirtschaftspsychologie

Schuldenerlass verbessert psychologische und kognitive Funktionen und ermöglicht eine bessere Entscheidungsfindung

26.03.2019 Während viele Arme sich schwer verschulden, ist es umstritten, ihnen finanziell zu helfen, weil man oft glaubt, dass ihre Schulden aus schlechten Verhaltensweisen bzw. Gewohnheiten resultieren.

Eine psychologische Studie des Social Service Research Centre (SSR) der National University of Singapore zeigt, dass die Reduzierung der Schulden die psychische Belastung der Armen senkt und damit die psychologische und kognitive Leistungsfähigkeit verbessert.

Bessere Entscheidungsfindung durch weniger Debitorenkonten

Schuldenberg

Dies ermöglicht eine bessere Entscheidungsfindung. Daher sollten Armutsinterventionen strukturiert werden, glauben die Studienautoren, um die psychologische und kognitive Funktionsfähigkeit zu verbessern und gleichzeitig die finanziellen Bedürfnisse der Armen zu decken.

Die Studie umfasste 196 chronisch verschuldete Personen mit niedrigem Einkommen, die vom Getting Out of Debt (GOOD) Programm profitierten, das von der in Singapur ansässigen Wohltätigkeitsorganisation Methodist Welfare Services verwaltet wird.

Die Studie ergab, dass die Teilnehmer weniger Angst und eine verbesserte kognitive Funktion hatten, und sie konnten drei Monate nach Erhalt des Schuldenerlasses bessere finanzielle Entscheidungen treffen. Zwischen zwei Teilnehmern, die den gleichen Betrag an Schuldenerlass erhielten, zeigte der Teilnehmer mit mehr gestrichenen Schuldenbelastungen mehr psychologische und kognitive Verbesserungen.

Hilfe aus der Armutsfalle?

Diese Ergebnisse bestätigen, dass eine chronische Verschuldung die psychologische Funktionsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt. Die Ergebnisse implizieren auch, dass die Menschen jede Schuld als ein separates "mentales Konto" betrachten und dass es psychologisch schmerzhaft ist, in vielen Schuldenkonten "rot" zu stehen.

So verbraucht das Denken über diese Konten mentale Ressourcen, verstärkt die Angst und verschlechtert die kognitive Leistungsfähigkeit. Diese psychologischen Auswirkungen können die Armen daran hindern, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um der Armut zu entkommen, und so weiter zur Armutsfalle beitragen, schreiben die Psychologen um Qiyan Ong.

Die Forscher untersuchen nun die längerfristigen Auswirkungen des Schuldenerlasses.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PNAS - https://doi.org/10.1073/pnas.1810901116

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