Psychopharmaka und Sport

Psychoaktive Medikamente als Motivationshilfe?

11.11.2015 Sollten psychotrope Medikamente zugelassen werden, um 'bequeme' Menschen zum Sport zu motivieren?

Ein provokanter Text eines Sportexperten der Universität Kent befürwortet den Einsatz von psychotropen Medikamenten (Psychopharmaka) zur Motivation von "Faulpelzen", körperlich etwas aktiver zu werden.

Doping für Faulpelze?

Manche beschreiben die Strategie als "Doping für Faulpelze", obwohl eine nähere Untersuchung des Arguments nahelegt, dass der Vorschlag nicht an den Haaren herbeigezogen ist.

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Bild: Ryan McGuire

Professor Samuele Marcora glaubt, dass Zeitmangel und körperliche Anstrengung die hauptsächlich wahrgenommenen Hindernisse sind, Sport zu treiben. Dies sei nicht überraschend, denn Menschen haben sich in ihrer Evolution zum "Faulsein" entwickelt, um z.B. Energie zu sparen.

Körperliche Anstrengung schreckt ab

Daher schlägt er vor, die Wahrnehmung dieser physischen Anstrengungen durch die Aufnahme von Koffeinabhängigkeit oder anderen psychoaktiven Substanzen (wie Methylphenidat und Modafinil) zu verringern, und so vielen Menschen zu helfen, ihre Fitnesspläne einzuhalten.

Er bestätigt, dass solch eine Intervention sowohl drastisch als auch strittig ist, aber die meisten Menschen wählen sitzende Aktivitäten in ihrer Freizeit aus, wegen dieser wahrgenommenen Anstrengungen.

Verglichen mit Fernsehen (null Anstrengung) erfordern selbst wenig intensive Aktivitäten wie Spazierengehen beträchtliche Anstrengungen. Wenn man Menschen mit sehr geringer Motivation dazu bringen kann, selbst nur ein wenig sportlich aktiv zu sein, ist vielen geholfen.

Abwägung von Vor- und Nachteilen

Motivationslose Menschen (z.B. aufgrund ihres Übergewichts und/oder weil sie nach der Arbeit mental erschöpft sind) könnten in ihrer Wahrnehmung der Anstrengung Hilfe bekommen.

Marcora kommentiert in Sports Medicine, dass es zwar keinen starken ethischen Widerstand gegen den Einsatz von Psychopharmaka beim Aufhören mit dem Rauchen oder zur Behandlung von Fettleibigkeit gibt, aber der negative Beigeschmack beim Doping im Sport könnte die Verwendung von Stimulanzien und anderen psychotropen Medikamenten zur Behandlung physischer Inaktivität verhindern.

Weil körperliche Inaktivität für doppelt so viele Todesfälle verantwortlich ist wie Fettleibigkeit, hofft er, dass psychopharmakologische Interventionen bei physischer Inaktivität fair und ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollten, statt sofort aufgrund von nicht zusammenhängenden ethischen Überlegungen über Doping im Sport zurückgewiesen werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Kent, Sports Medicine; Nov. 2015

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