Psychopharmaka absetzen

Langzeitnutzer: Absetzen der Psychopharmaka und die Erfolgsaussichten

01.08.2017 Forscher der Universitäten von California (Los Angeles), San Francisco, New York und der Live and Learn Inc. befragten 250 Langzeitnutzer von psychiatrischen Medikamenten, die ihre Psychopharmaka absetzten, nach den Auswirkungen und Erfolgen.

Die Teilnehmer waren alle mit einer schweren psychischen Erkrankung diagnostiziert worden, hatten viele Jahre ihre Medikamente genommen und beschlossen, die Einnahme zu beenden.

Erfolgsaussichten

Mehr als der Hälfte gelang es - trotz geringer professioneller Unterstützung und bei schweren Entzugssymptomen einschließlich Schlaflosigkeit, Weinanfällen und Durchfall - ihr Psychopharmakon abzusetzen.

medikamente
Bild: Arek Socha (pixabay)

Die Mehrheit der Befragten nannten als Hauptgründe für das Absetzen: gesundheitliche Risiken der langfristigen Einnahme und die Nebenwirkungen.

Von den Befragten der Studie gelang es 54 Prozent für mindestens ein Jahr lang die psychiatrischen Medikamente nicht zu nehmen, wobei es nur wenige Berichte über Rückfälle oder Re-Hospitalisierung gab. 82 Prozent derjenigen, die die Einnahme stoppten, berichteten, dass sie mit ihrer Wahl zufrieden waren.

Die Personen in dieser Studie hatten aufgehört, ihre psychiatrischen Medikamente einzunehmen, gleich ob sie die Psychopharmaka nun hilfreich fanden oder nicht, und sie taten dies in allen Stadien der Medikamenteneinnahme - Tage, Wochen, Monate oder Jahre nach dem Beginn ihrer Medikamenteneinnahme, sagte Studienautor David Cohen. Diese Studie ist neu, weil sie Fragen zum Absetzen an die Teilnehmer aus deren Sicht stellte, sagte er.

Hilfreich waren Internet und soziale Unterstützung

Normalerweise werden Patienten nach den Gründen des Aufhörens mit dem Ziel gefragt, die Compliance zu erhöhen, so Cohen. Im Gegensatz dazu fragte diese Studie die Nutzer, was sie beim Absetzen der Medikamente erlebten, wer ihnen geholfen hat, ihre Entscheidung zu treffen und auszuführen, und ob sie mit ihrem versuchten oder abgeschlossenen Absetzen zufrieden waren.

Über 70 Prozent der Studienprobe hatten Psychopharmaka für mehr als ein Jahrzehnt genommen; aber diese Personen berichteten, dass sie außer dem Internet und sozialer Unterstützung wenig Hilfe bekommen hatten / bzw. sich holten. Eine Begrenzung des Zugangs zu Behandlungen durch Kürzungen bei Gesundheits- und psychosozialen Diensten könnte diese Situation noch verschlimmern, sagte Studienleiterin Laysha Ostrow.

Die meisten arbeiteten mit einem Gesundheitsdienstleister (wie Ärzte, Psychiater) zusammen, fanden sie aber nicht hilfreich. Doch obwohl es oft kompliziert und schwierig war, war die Mehrheit mit der Entscheidung, die Psychopharmaka abzusetzen, und dem Resultat zufrieden.

Die Forscher schreiben, dass es bislang nicht viele Studien gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Es gibt eine Menge Arbeit zu tun, um zu verstehen, wie die Betroffenen von den Medikamenten runterkommen können und wie man ihnen helfen kann, dies so sicher wie möglich zu tun, vor allem, wenn sie mehrere psychiatrische Medikamente gleichzeitig nehmen, sagte Cohen.

Die Studie ist keine Zufallsstichprobe. Und obwohl die Teilnehmer sehr sorgfältig ausgewählt wurden, hatten die meisten der Befragten über 10 Jahre Psychopharmaka eingenommen. Deshalb sollten weitere Forschungsarbeiten mit z.B. zufälligen Stichproben folgen, die die Befunde überprüfen, sagten die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Live and Learn Inc.; American Psychiatric Association Publishing (Psychiatric Services) - DOI: 10.1176/appi.ps.201700070; Juli 2017

Schreiben Sie uns >> hier << über Ihre Erfahrungen und lesen Sie die Erfahrungsberichte / Kommentare zu diesem Thema.

Weitere Forschungsartikel, News

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter