Antidepressiva (Aggressivität, Gewalttätigkeit)

Aggressiver, gewalttätiger unter Antidepressiva?

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind derzeit die am häufigsten verschriebenen Medikamente gegen Depression. Eine aktuelle Studie der Universität Oxford weist auf einen moderaten Zusammenhang mit aggressiven Verhaltensweisen bei Personen unter 25 Jahren.

Bislang waren die Belege zur Beziehung zwischen SSRI-Antidepressiva und Aggressivität eher nicht schlüssig.

Gewaltverbrechen

gewalt
Bild: Gerd Altmann

In dieser Studie verglichen Dr. Seena Fazel und Kollegen die Gewaltverbrechensrate unter der Verschreibung von SSRI mit der Rate für Gewaltverbrechen bei denselben Personen ohne SSRI-Verschreibung.

Die Forscher benutzten dazu aufeinander angepasste Daten des schwedischen Registers für Medikament-Verschreibungen und dem schwedischen nationalen Verbrechensregister.

Während der vierjährigen Studienperiode waren über 850.000 Personen (10,8 Prozent der schwedischen Bevölkerung) SSRI verschrieben worden, und etwa ein Prozent dieser Personen wurden wegen Gewaltverbrechen verurteilt. Es konnte nur eine leichte Erhöhung der Gewaltverbrechensrate (19%) unter Antidepressiva-Einnahme insgesamt festgestellt werden.

Zusammenhang in junger Bevölkerungsgruppe

Es zeigte sich jedoch ein moderater Zusammenhang zwischen der Verschreibung von SSRI und Verurteilungen wegen Gewalttätigkeiten unter jüngeren Erwachsenen (15-24 Jahre). Das Risiko war um 43% gegenüber der Gruppe Erwachsener im Alter zwischen 25 und 34 Jahren erhöht.

Ebenfalls erhöht waren: gewaltsame Festnahmen, Festnahmen und Verurteilungen wegen nicht gewalttätiger Verbrechen, nicht-tödliche Unfallverletzungen und Notfallaufnahmen wegen Alkoholproblemen.

Es gab keinen Zusammenhang zwischen SSRI-Verschreibungen und Verurteilungen wegen Gewaltanwendungen in älteren Bevölkerungsgruppen.

Die Forscher betonen in der Zeitschrift PLOS Medicine, dass die Befunde keine Ursache-Wirkung bzw. kausale Beziehung darstellen. Mögliche mit Gewaltanwendung und SSRI verbundende nicht identifizierte Störfaktoren könnten den Zusammenhang ebenfalls erklären. Zum Beispiel berücksichtigt die Forschungsmethode (Within-Subject) keine Risiken wie den Symptomschweregrad.

Jedoch glauben die Forscher, dass die Befunde - wenn sie repliziert werden, Gesundheitsdienstleister vor der Verschreibung von SSRI an junge Leute warnen sollten.

Kliniker müssen aber auch die mit SSRI evtl. verbundene Zunahme von Gewaltverbrechen gegen den Nutzen der Medikamente bei der Reduzierung von Beeinträchtigungen durch depressive Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen und Suizid abwägen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Oxford, PLOS Medicine; Sept. 2015

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