Antidepressiva: Medikamente gegen Depression

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Medikamente gegen Depressionen

Definition: Antidepressiva (AD) sind Medikamente (Psychopharmaka) die antidepressive Wirkungen haben - sie werden also gegen Depressionen eingesetzt - (wobei der Begriff "antidepressiv" nicht eindeutig definiert wird bzw. werden kann.

Indikation und Anwendung

Antidepressiva wirken antriebsneutral, stimmungsaufhellend, beruhigend, antriebssteigernd, antriebsdämpfend, angstlösend. Jedoch ist die Wirkweise weitgehend unbekannt. Sie sollten "einschleichend" (also mit niedriger Dosierung) in der Therapie einsetzen und "ausschleichend" (also Dosierung langsam runtersetzen) abgesetzt werden. Die meisten AD wirken nicht sofort, sondern erst nach Tagen oder Wochen.

Auch hierfür gibt es keine Erklärung. (Update: Mittlerweile ist doch einiges mehr über die Wirkweise bekannt. Auch gibt es neue AD, die schon innerhalb von Stunden Wirkung zeigen. Mehr dazu in unserer News- und Forschungsabteilung (hier).

Indiziert bzw. angezeigt sind AD (auch Off-Label) bei:

Einteilung

Chemische (rezeptpflichtige) Antidepressiva

Zu unserer Liste der antidepressiv wirkenden Medikamente (Wirkstoffe und Handelsnamen).

Pflanzliche bzw. rezeptfreie Antidepressiva

Welches Antidepressivum bei depressiven Krebspatienten?

15.07.2014 Depression ist bei Krebskranken weit verbreitet: Fast die Hälfte aller Patienten mit Krebs erfahren leichte bis schwere depressive Symptome. Wenn Depression zusammen mit Krebs auftritt, haben die Patienten ein erhöhtes Risiko, am Krebs oder durch Suizid zu sterben.

Normalerweise werden AD verschrieben, aber die Belege für ihre Wirksamkeit sind nicht eindeutig. Die Rolle von AD bei der Behandlung krebsgebundener Depression ist nicht rigoros untersucht worden. Um das optimale Verfahren für die Behandlung von Depression bei Krebs herauszufinden, erstellten Forscher der Geisel School of Medicine at Dartmouth, USA, eine systematische Übersicht und Metaanalyse vorhandener Forschungsstudien. Der Bericht wurde in General Hospital Psychiatry veröffentlicht.

Die Überprüfung identifizierte zwei Klassen von AD, die Depressionssymptome reduzierten:

  1. Einen Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten: Mianserin (Tolvin)
  2. Zwei selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer: Fluoxetin (Prozac) und Paroxetin (Paxil).
Antidepressivapackung

Die verfügbaren Belege wiesen darauf hin, dass Paroxetin und Fluoxetin die depressiven Symptome verbessern können, aber weniger gut vertragen werden.

Miaserin zeigte auch eine höhere Depressionsansprechrate (verglichen mit einer Placebo-Behandlung), Paroxetin und Fluoxetin jedoch nicht. Die Reaktionszeiten waren niedrig, was auf nur bescheidene Veränderungen bei den depressiven Symptomen hinweist.

"Das gesamte Belegmaterial bei den Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten basierte auf einem einzelnen Medikament: Mianserin", sagte Natalie Riblet vom Fachbereich für Psychiatrie. "Leider ist das vielversprechendste Antidepressivum Mianserin nicht in den USA verfügbar (in Deutschland schon: unter dem Namen Tolvin). Mirtazapin ist ein naher pharmakologischer Verwandter von Mianserin; es könnte einen klinischen Nutzen haben, die Rolle von Mirtazapin bei krebsgebundener Depression weiter zu erkunden."

In Bezug auf das Nebenwirkungsprofil schien Mianserin leichter verträglich; Paroxetin zeigte aufgrund der Nebenwirkungen eine leicht höhere, aber nicht-signifikantere Dropout-Rate verglichen mit einem Placebo; Fluoxetin zeigte eine deutlich höhere Dropout-Rate als eine Placebo-Behandlung, obwohl dieser Befund nicht mehr signifikant nach der Entfernung eines Studienausreißers war.

"Arzneimittelwechselwirkungen zwischen Chemotherapeutika und Antidepressiva sind möglich", sagte Riblet. "Insbesondere kann Tamoxifen, ein häufig eingesetztes Chemotherapeutikum, mit bestimmten AD interagieren und das Risiko ernster Nebenwirkungen erhöhen."

Die verschiedenen Klassen der AD arbeiten über verschiedene Neurotransmitter. Die Studie berichtet, dass die Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten - also Mianserin - aufgrund ihres pharmakologischen Profils (welches Noradrenalin und Serotonin erhöht) besonderes vielversprechend bei Krebspatienten sind. Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten erhöhen weniger wahrscheinlich, häufig vorkommende Serotonin-gebundene Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Agitation, Überspanntheit oder sexuelle Funktionsstörungen, können aber zu einer Sedierung beitragen.

Die Untersuchung analysierte 4.700 Aufzeichnungen von 1.169 Patienten aus verschiedenen Ländern aus randomisierten Studien zwischen 1985 und 2011. 83 Prozent der Teilnehmer waren weiblich in einem Durchschnittsalter von 54 Jahren.

"Es gibt wenig Belege zur Rolle von AD bei krebsgebundener Depression", sagte Riblet. "Unsere Befunde legen nahe, dass es einen Bedarf nach qualitativ hohen, randomisierten klinischen Studien gibt, die die Rolle der AD bei der Behandlung krebsgebundener Depression erforschen."

© PSYLEX.de - Quelle: Geisel School of Medicine/General Hospital Psychiatry, Juni 2014

AD verstärken das Gefühl der Kontrolle

16.06.2016 Es kann einige Zeit dauern, bevor Antidepressiva ihre Wirkung entfalten. Und doch geschehen die chemischen Veränderungen, die sie im Gehirn verursachen, recht schnell. Das Verständnis für dieses Paradox könnte uns ermöglichen, wirksamere Behandlungen für Depression zu entwickeln.

Erklärung für unterschiedliche Wirksamkeit

Eine neue in der Zeitschrift Neurobiology of Learning and Memory präsentierte Studie der Universitäten Oxford, Harvard und Limerick zeigt, dass der Weg, wie die Medikamente das Lernen von Kontrolle und Hilflosigkeit beeinflussen, erklären kann, warum ihre Auswirkungen längere Zeit in Anspruch nehmen, und warum sich ihre Wirksamkeit von Person zu Person unterscheidet.

Das Forscherteam verabreichte depressiven und nicht-depressiven Freiwilligen für 7 Tage eine normale Dosis eines Antidepressivums oder ein Placebo. Das Medikaemnt - Escitalopram - erhöht das Niveau des Neurotransmitters Serotonin im Zentralnervensystem.

Einfluss auf Gefühl der Kontrolle

Nach 7 Tagen nahmen die Freiwilligen teil an einem computergestützten Spiel, das die Lern-Fähigkeit überprüfen sollte. Die Teilnehmer lernten bei diesem Spiel, wie ihre Handlungen die Ereignisse kontrollieren konnten, die im Spiel vorkamen.

Die Freiwilligen testeten die Wirksamkeit ihrer Handlungen bei zahlreichen Gelegenheiten (Drücken der Tastatur), um zu überprüfen, ob sie einen Ton kontrollieren konnten. Die Forscher hatten sichergestellt, dass - in allen Fällen - die Freiwilligen tatsächlich keine Kontrolle über diese Ereignisse im Spiel hatten.

Gefühl der Hilflosigkeit

In diesen Situationen neigen gesunde Menschen ohne Depression zur Wahrnehmung, dass sie 'alles unter Kontrolle' hätten, wohingegen Depressive wenig Kontrolle oder sogenannte Hilflosigkeit wahrnehmen.

In dieser Studie fanden die Forscher, dass das Antidepressivum beeinflusste, wie sich die Teilnehmer im Spiel verhielten, und - wichtig - wie sie ihre eigene Kontrolle über Ereignisse lernten wahrzunehmen, die zufällig auftraten.

Teilnehmer mit Depression, die das Placebo erhielten, neigten dazu, sich weniger mit dem Spiel zu beschäftigen und wahrzunehmen, dass sie weniger Kontrolle hatten und das Umfeld - in diesem Fall das Spiel - mehr die Kontrolle innehielt.

Höhere Interaktion, weniger Gefühl von Hilflosigkeit

7 Tage nach der Einnahme des Medikaments interagierten die depressiven Teilnehmer mehr mit dem Spiel, prüften, ob ihre Handlungen die Situation bei mehr Gelegenheiten kontrollierten, und das Umfeld wurde als weniger kontrollierend beurteilt als bei den Teilnehmern, die ein Placebo erhalten hatten.

Mit anderen Worten beeinflusste das Antidepressivum die Auswirkungen der Depression auf das Lernen von Kontrolle.

Prof. Robin Murphy sagte, dass weitere Forschungsarbeiten des Teams die Effekte unterstrichen hätten, die diese Medikamente bei der Verarbeitung von Emotionen haben. 'In dieser Studie konzentrierten wir uns auf unser Gefühl der Kontrolle'.

Zusätzlich zur direkten chemischen Wirkung scheint das Medikament das Lernen zu unterstützen, die Kontrolle zu haben, uns weniger durch die Umgebung einschränken zu lassen, und vielleicht könnte das einen Zusammenhang klären, wie diese Medikamente zur Linderung von Depressionen beitragen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Oxford, Harvard und Limerick; Neurobiology of Learning and Memory - DOI: 10.1016/j.nlm.2016.03.004; Juni 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Allgemeine Erfahrungen

02.08.2014 - Kommentar von flutschi:

Vorweg: das ist eine schöne Seite mit tollen Auflistungen
Meine Frage zielt allgemein auf die Erfahrungen, die mit Antidepressiva gemacht werden. Hat jemand gute oder eher schlechte Erfahrungen mit AD gemacht?
Können AD überhaupt helfen?
Haben Euch andere Dinge mehr geholfen? - Hypnotherapie, Meditation, kognitive Therapie, andere Therapien, Bewegung, veränderter Lebensstil?
Bitte erzählt Eure guten / schlechten Erfahrungen, danke Leute

15.09.2014 - re: Erfahrungen - Kommentar von Jenna:

Ich glaube, ich habe fast jedes Antidepressivum durch das mir bekannt ist. Ich kann mich nicht einmal an die Hälfte des Mists, den ich genommen habe erinnern. Ich hatte nie Glück, leider habe ich eine hohe Toleranz für Medikamente, aber ich bin ein langsamer Metabolisierer, was bewirkt, dass ich sehr empfindlich für Nebenwirkungen bin. Lassen Sie mich erklären: Die positiven Auswirkungen der Medikamente nehmen schnell ab, aber ich verwende es weiterhin, was eine Überlast in meinem System verursacht, also muss ich alle paar Wochen für ein paar Tage stoppen um die AD rauszubekommen.

Als ich auf Seroquel war wog ich nach 6 Wochen 15 kg mehr und ich habe öfter versucht, mich umzubringen, während ich es nahm als während ich es nicht nahm. Als ich in der psychiatrischen Klinik war bekam ich Valproat (nicht sicher welche Dosierung) und meine Haare fingen an auszufallen, und ich nahm es für etwa 10 Tage bevor meine Leber damit nicht mehr klar kam, und ich musste für 3 Tage stoppen. Ich hatte noch nie ein Problem mit Depressionen nur bipolar und die Medikamente zur Behandlung von Depressionen sind die gleichen. Ich bin in der Regel eher manisch als depressiv. Aber Antidepressiva stabilisieren die Stimmung und deshalb werden sie auch verwendet, um Bipolare zu behandeln. Mir geht es gut mit der Therapie und Unterstützung durch die Familie. Ein gutes Unterstützungssystem ist wichtig...und ja, eine schöne Liste da oben.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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