Antidepressiva: Bluttest

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Erster Bluttest zur personalisierten Depressionsbehandlung entwickelt

Eine aktuelle Studie belegt eine Erkennungsrate des Bluttests von 100%
des zukünftigen Nicht-Ansprechens bei Erstlinien-Antidepressiva

19.06.2016 Wissenschaftler des King's College London haben einen Bluttest entwickelt, der genau und zuverlässig voraussagt, ob depressive Patienten auf übliche Antidepressiva ansprechen werden, was ein neues Zeitalter der personalisierten Behandlung von Menschen mit Depression ankündigt laut einem in The International Journal of Neuropsychopharmacology veröffentlichten Forschungsbericht.

Anhand dieses Tests könnten Patienten mit Entzündungsmarkern über einer bestimmten Schwelle im Blut direkt einen früheren Zugang zu spezifischen Antidepressiva-Strategien - wie z.B. einer Kombination verschiedener antidepressiver Medikamente - geleitet werden, bevor sich ihre Erkrankung verschlechtert.

Versuch-und-Irrtum, um Ansprechen herauszufinden

Ungefähr die Hälfte aller depressiven Patienten spricht nicht auf die Antidepressiva-Erstlinientherapie an, und ein Drittel der Patienten sind gegen alle verfügbaren Psychopharmaka resistent. Bis heute ist es unmöglich gewesen zu ergründen, ob bestimmte Patienten auf übliche Antidepressiva ansprechen werden, oder ob sie einen aggressiveren Antidepressiva-Behandlungsplan benötigen, der aus einer Kombination von mehr als einem Medikament bestehen kann.

blut-test

Infolgedessen werden Patienten mit einer empirischen Annäherung (trial-and-error) behandelt, wodurch ein Antidepressivum nach dem anderen ausprobiert wird, häufig über einen Zeitraum von 12 oder mehr Wochen für jeden Antidepressiva-Typ.

Das kann zu langen Zeiträumen unwirksamer antidepressiver Behandlung bei den Patienten führen, bei denen es dann zu keiner Verbesserung der Symptome kommt.

Biomarker MIF und ILβ

Die Studie konzentrierte sich auf zwei Biomarker, die Entzündungen im Blut messen, da frühere Studien bereits gezeigt haben, dass ein hohes Entzündungsniveau mit einem schlechten Ansprechen auf Antidepressiva verbunden werden kann.

Sie maßen die Quantität der zwei Biomarker: Makrophagen-Migration-Inhibitionsfaktor (MIF) - oder auch Glykosylierungs-Inhibitionsfaktor genannt - und Interleukin-(IL)-1β - in zwei unabhängigen klinischen Proben depressiver Patienten bevor und nachdem sie eine Reihe häufig verschriebener Antidepressiva einnahmen.

Genaue Vorhersage auf (Nicht-)Ansprechen

Die Forscher fanden, dass die Bluttest-Ergebnisse über einem angegebenen Schwellenwert die Wahrscheinlichkeit genau und zuverlässig voraussagen konnten, ob die untersuchten Patienten auf die Behandlungen ansprechen werden.

Patienten mit Werten von MIF und IL-1β über den Schwellen zeigten eine 100-Prozent-Wahrscheinlichkeit, nicht auf ein herkömmliches, allgemein verschriebenes Antidepressivum anzusprechen.

Patienten mit Werten unterhalb der Schwelle sprechen vermutlich dann auf das Erstlinienantidepressivum an, schreiben die Autoren.

Studienleiterin Dr. Annamaria Cattaneo sagte, dass dies das erste Mal ist, dass ein Bluttest benutzt wurde, um präzise - in zwei unabhängigen klinischen Gruppen depressiver Patienten - das Ansprechen auf eine Reihe häufig verschriebener Antidepressiva vorherzusagen.

Indikator: Hohe Entzündungswerte

Die Ergebnisse bestätigen auch und erweitern die vorhandenen Belege dafür, dass hohe Entzündungswerte eine ausgeprägtere Form von Depression anzeigen, die mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf allgemein übliche Antidepressiva ansprechen wird.

'Es ist nun wirklich entscheidend, eine klinische Studie durchzuführen, die die gegenwärtige klinische Praxis bei der Antidepressiva-Verschreibung - basierend auf Versuch-und-Irrtum - mit unserem neuen Ansatz der 'personifizierten Psychiatrie' vergleicht, bei der der Antidepressiva-Behandlungsplan durch einen Bluttest eingeleitet wird.'

© PSYLEX.de - Quellenangabe: King's College London; The International Journal of Neuropsychopharmacology - DOI: http://dx.doi.org/10.1093/ijnp/pyw045; Juni 2016

CRP-Test: Welches Antidepressivum hilft am besten

24.04.2017 Ärzte können zum ersten Mal mit Hilfe eines einfachen Bluttests bestimmen, welches Antidepressivum mit größerer Wahrscheinlichkeit einem Patienten bei der Überwindung seiner Depression helfen wird laut einer im Fachblatt Psychoneuroendocrinology veröffentlichten Studie.

Einfache Blutentnahme

Die Studie zeigte, dass das Niveau des C-reaktiven Proteins (CRP) eines Patienten - gemessen durch eine einfache Blutentnahme über den Finger - bei der Verschreibung eines Medikaments hilft, das mit größerer Wahrscheinlichkeit anschlagen wird.

Der Einsatz dieses Bluttests im klinischen Bereich könnte zu einer bedeutenden Zunahme der Erfolgsrate bei depressiven Patienten führen, bei denen es im Allgemeinen schwerfällt, eine wirksame Behandlung zu finden, sagen die Forscher.

C-reaktives Protein

C-reaktives Protein ist ein Protein, das in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben wird, und dessen Niveau im Rahmen entzündlicher Erkrankungen ansteigt - deshalb auch als unspezifischer Entzündungsparameter zur Bewertung des Schweregrades entzündlicher Erkrankungen herangezogen wird.

Die neue von Dr. Madhukar Trivedi und seinem Team vom Medical Center's Center for Depression Research and Clinical Care der Universität Texas durchgeführte Studie verabreichte mehr als 100 depressiven Patienten entweder Escitalopram allein oder Escitalopram plus Bupropion.

Welches Antidepressivum wird besser helfen bzw. wirken?

Escitalopram allein oder Escitalopram plus Bupropion

Die Forscher fanden eine starke Korrelation zwischen dem CRP-Spiegel des Bluttests und dem Medikament, das die Symptome verbesserte:

Trivedi bemerkte, dass diese Ergebnisse auch bei anderen häufig eingesetzten Antidepressiva verwendet werden können.

Er identifizierte CRP als einen potenziellen Marker für Depressionsbehandlungen, weil es ein wirksames Entzündungsmaß für andere Erkrankungen wie kardiovaskuläre Krankheit und Diabetes ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Texas, Psychoneuroendocrinology - DOI: 10.1016/j.psyneuen.2017.01.023; April 2017

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