Diabetes Mellitus und Antidepressiva

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Erhöhen Antidepressiva das Diabetesrisiko?

Wenn Menschen mit einem Risiko für Typ 2 Diabetes langfristig Antidepressiva (AD) nehmen, kann es sein, dass sie mit grösserer Wahrscheinlichkeit auch Typ 2 Diabetes entwickeln, obwohl Metformin dagegen zu schützen vermag laut einer in der Dezemberausgabe von Diabetes Care herausgegebenen Studie.

Typ 2 Diabetes Risiko

Richard R. Rubin, Ph.D. von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore und Kollegen folgten 2.665 Teilnehmern von 1996 bis 1999, die ein Risiko für die Entwicklung einer Typ 2 Diabetes hatten.

Eingeteilt anfangs in Metformin, Placebo und Lebensstil-Interventionsgruppen, wurde das maskierte Protokoll im Jahr 2001 eingestellt. In dieser Studie folgten die Forscher den Teilnehmern im Schnitt 10 Jahre.

Langfristige Einnahme von Antidepressiva

Die Ermittler stellten fest, dass langfristige Antidepressiva-Verwendung stark mit der Entwicklung einer Typ 2 Diabetes verbunden war. Patienten in den Placebo- und Lebensstil-Interventionsgruppen, die AD stetig während der Studie einahmen, entwickelten viel wahrscheinlicher Typ 2 Diabetes (Risiko-Verhältnis 2,34 bzw. 2,48).

Metformin schützt

Metformin-Gruppenteilnehmer, die AD verwendeten, schienen stetig ihr Risiko für die Entwicklung von Typ 2 Diabetes zu vermindern (Risiko-Verhältnis, 0,55).

Die Ergebnisse änderten sich nicht als die Forscher trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva ausschlossen, die wahrscheinlicher Gewichtszunahme verursachen und dadurch das Risiko der Entwicklung von Typ 2 Diabetes steigern.

"Diese Studien über das medizinisch mit Antidepressiva verbundenes Diabetesrisiko haben wesentliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Der mögliche Nutzen von Metformin bei der Therapie von Depression sollte auch überlegt sein", schreiben die Autoren.

Die Autoren erhielten finanzielle und materielle Unterstützung von Bristol-Myers Squibb, Parke-Davis, Lipha und LifeScan.
Quelle: Diabetes Care, Dez. 2010

*Update 04.04.2014 - Neue Studie*

Diabetes wahrscheinlicher durch AD?

Medikamente - Antidepressiva

Eine neue Überprüfung verschiedener Studien warnt Kliniker, dass die Verschreibung von Antidepressiva das Risiko für Typ 2 Diabetes erhöhen könnte. (weitere Studie s.o.)

In der aktuellen Studie beurteilten die Forscher der Universität von Southampton 22 Studien und drei frühere systematische Übersichten, die die Wirkungen von Antidepressiva (AD) auf das Diabetesrisiko untersuchten.

Starker Anstieg der Verschreibungen

Obwohl die Befunde nicht ganz eindeutig waren, zeigte sich eines ganz klar: der Einsatz von Medikamenten gegen Depression hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Allein im Vereinigten Königreich (Anm.: in Deutschland ist es ähnlich) sind die Verschreibungen auf 46,7 Millionen im Jahr 2011 angestiegen. In den USA ist die Verwendung von AD über die letzten zwei Jahrzehnte explodiert und sie erreichen mittlerweile etwa 11 Prozent der Bevölkerung.

In dieser neuen Metastudie zeigte sich insgesamt, dass AD einnehmende Personen auch wahrscheinlicher Diabetes hatten.

Das Forscherteam sagte, dass es "einige plausible" Gründe gibt, warum AD mit einem erhöhten Diabetesrisiko einhergehen.

Zum Beispiel: mehrere AD sind verbunden mit deutlicher Gewichtszunahme, was das Risiko für Typ 2 Diabetes erhöht.

Unabhängiger Risikofaktor für Diabetes

Sie sagten weiterhin, dass mehrere Studien, die diese Verbindung untersucht hatten, immer noch ein gesteigertes Risiko für Diabetes nach Adjustierung hinsichtlich der Änderungen im Körpergewicht zeigten, und sie schlossen, dass andere Faktoren verwickelt sein könnten.

AD werden häufig in der westlichen Welt eingesetzt, sagt Gesundheitspsychologin Katharine Barnard von der Universität Southampton. "Unsere Forschung zeigt, dass, wenn Sie alle klassischen Risikofaktoren von Diabetes Typ 2 eliminieren, wie Gewichtszunahme, Lebensstil usw, ist da trotzdem etwas in den Antidepressiva, was ein unabhängiger Risikofaktor zu sein scheint.

Jedoch wiesen die Forscher darauf hin, dass verschiedene Arten von Antidepressiva verschiedene Risiken tragen können, und langfristige prospektive und randomisierte Untersuchungen benötigt werden, um die Wirkungen der verschiedenen Tabletten zu zeigen.

Quelle: Universität von Southampton, Sept. 2013

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